Rotweinwanderweg (Ahrtal)


Erstellt von: tomtom
Streckenlänge: 34 km
Gehzeit o. Pause: 9 Std. 46 Min.
Höhenmeter ca. ↑1444m  ↓1523m
Rotweinwanderg Ahrtal Eifel

Der Rotweinwanderweg im Ahrtal zählt wohl zu den bekanntesten Wanderwegen in Deutschland. 1972 wurde der Weg durch die Steilhänge des Weinbaugebiets Ahr angelegt. Kreisverwaltung und Eifelverein arbeiteten Hand in Hand, um Wanderern aus aller Welt den wohl spektakulärsten Abschnitt von Deutschlands größtem geschlossenem Rotweingebiet zu erschließen. Herausgekommen ist ein Wanderweg mit spektakulären Aussichten, viel Kultur am Wegesrand und jeder Menge Möglichkeiten, guten Wein zu verköstigen.

Das einzige Manko am Rotweinwanderweg: Weil er so schön ist, ist er auch beliebt und an Wochenende wird das Wandervergnügen öfters mal durch Staus auf dem Rotweinwanderweg getrübt. Man schätzt, das jährlich 1 Million Wanderer den Rotweinwanderweg für sich erobern. Daher empfehlen wir: Lieber innerhalb der Woche wandern und nach Möglichkeit nicht während der Weinlese, da dann der Rotweinwanderweg wegen der Ernte teilweise auf kürzeren Strecken abgesperrt wird.

Startpunkt für den Rotweinwanderweg ist Altenahr, das touristische Zentrum im Ahrtal. Der Rotweinwanderweg beginnt oberhalb von Burg Are, einer im 12. Jahrhundert erbauten Höhenburg, die majestätisch über dem Ahrtal thront. Man kann über einen Zuweg vom Bahnhof Altenahr aus den Steilaufstieg direkt zur Burg Are nehmen oder folgt der Straße Roßberg hinauf zur Gymnicher Porz, einem Torhaus, das den Weg zur im 18. Jahrhundert gesprengten Burg Are absicherte.

Der Rotweinwanderweg führt über die Höhenzüge des Altenahrer Ecks durch Waldgebiet Richtung Mayschoß. Auf halber Strecke lohnt ein Abstecher zum Aussichtspunkt auf dem Ümerich (311m) mit herrlichen Blick auf Burg Are und die sich im Tal windende Ahr. Durch die Weinlage Mönchberg bei Maßschoß wandert man auf dem Rotweinwanderweg weiter zur Michaelskapelle inmitten der Weinberge und steuert als nächstes Zwischenziel Rech an.

Der Abschnitt von Mayschoß nach Rech gilt als einer der schönsten am Rotweinwanderweg. Steillagen, Fels- und Waldlandschaft, das wildromantische Ahrtal: die Eindrücke wechseln schnell und intensiv. Auf der gegenüberliegenden Seite des Ahrtals blickt man auf die Ruinen der Saffenburg. Die Saffenburg wurde im 11. Jahrhundert erbaut und ist die älteste Burgruine im Ahrtal. Erhalten sind nur noch einige Grundmauern, die scheinbar nahtlos in den Felsen übergehen.

Man passiert die Korbach-Hütte – benannt nach einem der Gründerväter des Rotweinwanderwegs, dem damaligen Landrat des Kreises Ahrweiler, Heinz Korbach – und wandert auf Rech zu. Hier wurde im 18. Jahrhundert die Nepomuk-Brücke über die Ahr geschlagen, die einzige Ahrbrücke, die das Hochwasser 1910 überstand und daher heute die älteste Brücke im Ahrtal ist.

Von Rech geht es über den Aussichtspunkt Moses-Quelle nach Dernau. Unterwegs passiert man die Dr. Karl Näkel Hütte. Karl Näkel war Vorsitzender der Ortsgruppe Dernau des Eifelvereins und gehört mit Heinz Korbach zu den Gründungsvätern des Rotweinwanderwegs, dessen Ziel es sein sollte, die Weinorte im Ahrtal für Ausflugsgäste und Urlauber sinnvoll und genussvoll zu verbinden.

Oberhalb von Dernau passiert der Rotweinwanderweg die Bachstraße und leitet weiter zum ehemaligen Kloster Marienthal. Kloster Marienthal wurde im 12. Jahrhundert als Augustinerinnenkloster Mariae Vallis von den Grafen von Saffenburg als erstes Kloster im Ahrtal gestiftet. 1801 wurde das Kloster nach einigen Wirren endgültig aufgehoben und die Gebäude abgetragen. Erhalten ist heute noch die Ruine der Klosterkirche. 1925 wurde auf dem Klostergelände die Preußische Staatliche Weinbaudomäne neu aufgebaut. Die Gebäude gingen 2004 an mehrere Winzer, die hier heute Wein verkaufen und eine Gastronomie betreiben.

Hinter Kloster Marienthal steigt der Rotweinwanderweg wieder hinauf auf die Höhenzüge des Ahrgebirges und leitet den Wanderer zum bekannten Aussichtspunkt Bunte Kuh, einer markanten Felsnase, die ihren Namen einem sprachlichen Missverständnis verdankt. Französische Soldaten lobten den hier angebauten Wein mit den Worten Cest bon de gout (schmeckt gut), was die Ahr-Winzer als Bunte Kuh verstanden.

Zurück vom Abstecher zur Schutzhütte Bunte Kuh führt der Rotweinwanderweg oberhalb von Walporzheim zum Westeingang des ehemaligen Regierungsbunkers bzw. offiziell dem Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit. Hier bohrte und sprengte man im Kalten Krieg ein 17km langes Tunnelsystem in den Berg und richtete 897 Büro- und 936 Schlafräume für die Bonner Bürokratie ein, um im Falle eines Atomkriegs handlungsfähig zu bleiben.

Der Regierungsbunker wurde 1997 aufgegeben und zurückgebaut. Die Gänge sind leergeräumt und die Eingangstüren verschweißt. Einen kleinen Einblick kann man aber dennoch erhalten durch die 2008 eröffnete Dokumentationsstätte Regierungsbunker. Hier ist ein 203m langes Bunkerstück erhalten und zahlreiche Informationen rund um den Regierungsbunker werden vorgehalten – allerdings kostenpflichtig.

Vom Regierungsbunker leitet der Rotweinwanderweg talwärts bis kurz vor das Museum Römervilla. 1980 wurden hier beim Ausbau der B 267 Reste des Herrrenhauses eines römischen Gutshofes aus dem 2. Jahrhundert freigelegt. Die besondere Bedeutung des ergrabenen und seit 1993 für die Öffentlichkeit konservierten Hauptgebäudes liegt in dem hervorragenden Erhaltungszustand vieler seltener Baudetails und Wandmalereien.

Kurz vor der Römervilla knickt der Rotweinwanderweg nach links und steuert die 2004 eingerichtete Tunnel-Gedenkstätte Silberberg an. Der 660m lange Silberbergtunnel wurde Anfang des 20. Jahrhunderts für den strategischen Bahndamm – eine alternative Eisenbahnlinie – angelegt. Die Bahn wurde aber nie gebaut. Dafür bot der Silberbergtunnel den Menschen von Ahrweiler Schutz während der Bombenangriffe in den letzten Kriegsmonaten. Es entstand eine Stadt im Berg, an die das kleine Freilichtmuseum oberhalb von Ahrweiler am Rotweinwanderweg erinnert.

Oberhalb von Ahrweiler führt der Rotweinwanderweg nun zur Weinbergskapelle St. Urban. Die Weinbergskapelle wurde 1993-95 durch die Winzer- und Weinbruderschaft Bad Neuenahr-Ahrweiler errichtet. Um die Unterhaltung der Kapelle sicher zu stellen, beschlossen die Weinbrüder, jährlich einige Weine von der Ahr im Kabinett, einem Raum hinter der Kapelle, einzulagern und nach drei bis vier Jahren zu versteigern. Der Reinerlös soll in einen Fonds fließen, mit dem Instandsetzungen und Unterhaltung der Kapelle bezahlt werden – das ist gesunder Ahrtal-Pragmatismus.

Es geht weiter westwärts auf dem Rotweinwanderweg. Man kommt nicht umhin, die nur 3km lange Autobahn A 573 zu passieren und steuert als nächstes Ziel die in die Weinberge oberhalb von Bad Neuenahr eingebettete Hemmessener Hütte auf dem Licher Berg (190m) an. Hier hat man einen schönen Panoramablick von Heimersheim im Osten über Bad Neuenahr-Ahrweiler bis nach Walporzheim im Westen und auf die Höhen des Ahrgebirges.

Nach kurzer Ruhepause wandern wir weiter auf dem Rotweinwanderweg und müssen abermals eine Autobahn – die A 61 – hinter uns lassen, um nach Heppingen zu kommen. Hier leitet der Rotweinwanderweg am Schloss Metternich vorbei, das im 18. Jahrhundert als barocker Bau mit Walmdach errichtet wurde und seit 1920 von der Familie Wolff-Metternich bewohnt wird.

Ist man in Heppingen, kann man es sich gleich in zweierlei Hinsicht gutgehen lassen. Zum einen sprudelt hier der Heppinger Mineralbrunnen – seit 1565 als Heilquelle bekannt und bis heute kostenfrei am Brunnenhäuschen verkostbar – der Rotweinwanderweg führt quasi daran vorbei. Zum anderen kocht Hans Stefan Steinheuer im Restaurant Zur Alten Post, und das laut Guide Michelin auf Zweisterne-Niveau. Damit gehört die Alte Post in Heppingen zu den fünfzig besten Restaurants in Deutschland.

Der Rotweinwanderweg leitet über den Südfuß der Landskrone (272m) in die Weinlage Heimersheimer Landskrone und weiter nach Lohrsdorf. Auf der Schlusspassage des Rotweinwanderwegs geht es schließlich zum Ziel der Reise nach Bad Bodendorf, dem Tor zum Ahrtal. Der Rotweinwanderweg endet am schmucken Bahnhof Bad Bodendorf in der Nachbarschaft der Burg Bodendorf, einer Niederungsburg, deren Wurzeln im 13. Jahrhundert zu finden sind.


Der Rotweinwanderweg sollte selbst für ambitionierte Wanderer mindestens in zwei Tageswanderungen aufgeteilt werden. Wir empfehlen als Rotweinwanderweg-Etappe 1 die Tour von Altenahr bis Ahrweiler und dann als Rotweinwanderweg-Etappe 2 die Strecke von Ahrweiler nach Bad Bodendorf zu wandern.

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