Regierungsbunker Bad Neuenahr-Ahrweiler

Wenn aus Angst Mauern und Tunnel werden, um sich zu verschanzen oder einzugraben, wenn dann dazu Strategen und Geld kommen, dann entsteht so etwas wie der Regierungsbunker im Kalten Krieg. Westlich des Stadtkerns von Ahrweiler ist der nun für die Öffentlichkeit hergerichtete Teil des 17km langen Tunnelsystems offen und alle 90 Minuten erfolgen Führungen durch die Dokumentationsstätte Regierungsbunker.

Der streng geheim gehaltene Regierungsbunker – offizieller Name: Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes im Krisen- und Verteidigungsfall zur Wahrung von deren Funktionstüchtigkeit (AdVB) – sollte im Falle eines Atomschlags oder bei Angriffen durch biologische und chemische Waffen 3.000 Privilegierten für dreißig Tage das Überleben sichern. Zu den Auserwählten zählte natürlich die Staatsspitze.

Gebaut wurde der stattliche und hervorragend ausgerüstete Regierungsbunker unter den Weinbergen zwischen Ahrweiler und Dernau 1960-72. Bei der Planung um 1950 war bereits Adenauer involviert. Insgesamt gab es unterirdisch 936 Schlaf- und 897 Büroräume und 25.000 Türen. Die Baukosten der Gesamtanlage stehen wohl immer noch unter Geheimhaltung, aber man spricht von 3 Milliarden DM. Damit noch nicht genug des Zahlenwettstreits.

1997 beschloss die Bundesregierung, den jährlich 20 Millionen DM kostenden Regierungsbunker aufzugeben, letztendlich auch aufgrund der Brandschutzsanierung und dem, was so ein 17km langer Keller so kostet. Der Rückbau und die Versiegelung des Bunkers ist dann noch mal mit schlappen 16 Millionen Euro zu Buche geschlagen – ein Schnapp, denn kalkuliert waren 30 Millionen. 2006 war der Abriss dann soweit durch, dass eine mit Beton ausgekleidete Tunnelröhre übrig blieb sowie die Eingangsbauwerke oberhalb des Kloster Marienthals, die aber zugeschweißt sind.

Erhalten blieb im Kuxberg (315m) auch ein 203m langes Teilstück des Bunkers, das als Museum einen Blick unter die Kulissen zulässt. Die Dokumentationsstätte Regierungsbunker wurde 2008 eröffnet. Im Staatsmannsmäuseloch sind heute noch zu sehen: das Besprechungszimmer des Bundespräsidenten, eine Krankenstation, eine Zentrale für Kommunikation mit Schreibmaschinen, eine weitere für das Kommando, mit ehrwürdigen Bildschirmen, die an eine erste Folge von Raumschiff Enterprise erinnern könnten, eine Küche, das Präsidialamt mit roten Sesseln, ein Mannschaftsraum mit Knastidylle, ein Waschraum wie auf einem Campingplatz und, man will ja nicht schlampig aussehen, ein Frisörsalon mit Minimalausstattung.

Dazu Schleusen, Gänge und ein vor Ort gegossenes 25 Tonnen Tor, das man auch nach einem Supergau und bei Stromausfall mit der Hand hätte aufkurbeln können, innerhalb von 30 Minuten. Da man hier heute nicht selbst kurbelt und ins Schwitzen geraten könnte, sollte man sich warm genug anziehen, denn die Temperatur hier etwa 60m unter der Erde liegt bei ungemütlichen 12 Grad. Das Rolltor wurde in mühsamer Arbeit wieder gangfähig gemacht und dreimal täglich können Besucher dabei sein, wenn innerhalb von 15 Sekunden 25 Tonnen eine Zone abriegeln.

Bereits bevor der Regierungsbunker gebaut wurde, fanden die Menschen aus Ahrweiler Schutz vor den Bomben des Zweiten Weltkrieges im Silberbergtunnel, einem Bauwerk aus dem Jahre 1910 als Teil der sogenannten Strategischen Bahn zum Truppentransport an die Grenze, um gegen Frankreich vorzugehen. 1923 war Baustopp und der Tunnel erhielt nie Gleise. 2.500 Menschen hatten Platz in dem Tunnel und bauten sich „Büdchen“, kleine Behausungen und so wurde aus dem 660m langen Silberbergtunnel eine Stadt im Berg. 2004 wurde ein kleines Freilichtmuseum als Gedenkstätte hier installiert.

Ebenfalls am Silberberg, einen kappen Kilometer nördlich des Regierungsbunkers, steht der 2004 erbaute EVA-Turm, ein Aussichtsturm, der dem Eifelverein Ahrweiler (daher der Name EVA) gehört. Für den 9,40 Meter hohen EVA-Turm wurden 22 Kubikmeter Holz verbaut. Querstreben aus Stahl stabilisieren die Konstruktion. Der Turm besteht aus sechs Podesten, 48 Stufen und einem dekorativen Dach. Die vier Eckpfosten bestehen aus den Stämmen von rund hundert Jahre alten Douglasien aus dem Stadtwald von Ahrweiler.

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