Nassauer Land (Taunus)

Das Nassauer Land hat seinen Namen vom Adelsgeschlecht Nassau, dessen Geschichte sich bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen lässt. Der Name der kleinen Stadt Nassau am Unterlauf der Lahn ist heute ein international bekanntes Wort: So wurden u. a. die Hauptstadt der Bahamas, eine polynesische Insel und ein US-amerikanischer Fluss nach ihr benannt.

Die Geschichte des Hauses Nassau beginnt 1093 mit Dudo-Heinrich von Laurenburg. Im 12. Jahrhundert errichteten die Laurenburger Burg Nassau zur Sicherung der Handelsstraße und nannten sich danach Grafen von Nassau. Dem Geschlecht entspringen einige Persönlichkeiten von geschichtlicher Bedeutung: Wilhelmus von Nassauen (1533-84), auch als Wilhelm von Oranien bekannt, befreite die Niederlande im Achtzigjährigen Krieg von den spanischen Besetzern und wird heute noch in der holländischen Nationalhymne besungen. Sein Urenkel Wilhelm III. wurde 1689 sogar König von England.

Das Nassauer Land liegt im Herzen des Naturparks Nassau, der sich von Montabaur im Norden bis nach Miehlen im Süden erstreckt. Der Naturpark Nassau gehört jeweils zur Hälfte zum Hintertaunus und zum Lahn-Westerwald. Er umfasst im Bereich Nassauer Land das Nassauer Lahntal und die Unterlahnhöhen sowie die Mündungsbereiche von Mühlbach und Dörsbach.

Die Landschaft im Nassauer Land ist sehr abwechslungsreich. Die Lahn bildet hier einige malerische Windungen. Die Stadt Nassau liegt in einer Talweitung der unteren Lahn, die fast einen Kilometer breit ist. Lahnabwärts von Nassau münden nacheinander Dörsbach und Mühlbach in den Fluss und formen Bergwiesentäler mit schönen Wanderstrecken. Daneben ragen teils schroffe Felsformationen aus Schiefer und Grauwacke auf. Taunusseitig ist das Nassauer Land ebener und daher dichter besiedelt als im Bereich Lahn-Westerwald. Der Höhenunterschied reicht von 100m ü. NN im Lahntal bis auf 395m ü. NN in der Ortsgemeinde Schweighofen.

Die Quelle des Dörsbach liegt im Untertaunus am Mappershainer Kopf (548m). Der Dörsbach mündet auf einer Höhe von 91m ü. NN bei Kloster Arnstein in die Lahn. Der Dörsbach ist 32km lang und durchquert auf seinem Weg ins Lahntal 381 Höhenmeter. Ober- und Mittellauf liegen in einem weiten Muldental; der Unterlauf hingegen, der auch als Jammertal bezeichnet wird, ist mit starkem Gefälle in ein enges Tal eingekerbt.

Der Mühlbach entspringt auf 445m ü. NN im Blauen Ländchen, südlich des Galgenküppels bei Weidenbach. Er fließt von hier aus in Richtung Süden bis zum Kloster Schönau, knickt dann nach Westen ab und wendet sich schließlich nach Norden, zur Lahn hin. In seinem Mittellauf weitet sich das Bachtal zum Miehlener Grund. Das untere Mühlbachtal hingegen bildet, ähnlich wie das Jammertal des Dörsbachs, ein steiles, dicht bewaldetes Kerbtal mit vielen Flusswindungen. Hier liegen attraktive Wanderwege. Kurz bevor er nach 32km Wegstrecke auf 100m ü. NN in die Lahn mündet, umrundet der Mühlbach den halben Burgberg von Nassau.

Zwei Aussichtspunkte, von denen man eine herrliche Aussicht auf das Lahntal hat, sind besonders zu erwähnen: Die Hohelei (270m) bei der Schleuse Hollerich, und der Scharfenstein (220m) nahe Dausenau.

Auch nach der Wandertour geht das Genießen weiter: Wer eine der vielen Gaststätten im Nassauer Land für eine Brotzeit aufsucht, sollte dazu ein Gläschen Lahnwein probieren. Weinbau hat hier eine lange Tradition: Schon die Mönche im Kloster Arnstein haben Rot- und Weißwein kultiviert. Bekannteste Lagen sind Goetheberg (bei Obernhof) und Giebelhöll (bei Weinähr).