Miehlen

"Das ist der Schinderhannes, der Lumpenhund, der Galgenstrick, der Schrecken jedes Mannes, und auch der Weiber Stück." So beschrieb Carl Zuckmayer in seinem Schinderhanneslied den mit Abstand berühmtesten Bürger von Miehlen, dem insgesamt 130 Straftaten nachgewiesen wurden, in den meisten Fällen Diebstähle, Erpressungen und Raubüberfälle. Der berühmte Räuber wurde 1779 als Johannes Bückler in Miehlen geboren.

Seine kriminelle Laufbahn begann der Schinderhannes mit 15 Jahren. Er unterschlug eine Münze, mit der er ins Nachbardorf geschickt wurde, um Schnaps zu kaufen. Seine erste Lehre bei einem Schinder – neudeutsch: Tierverwerter – endet mit öffentlichen Rutenschlägen. Danach beginnt er mit Viehdiebstählen und wird nach vierzig Verbrechen als Zwanzigjähriger in Simmern gefasst und eingesperrt. Er kann fliehen und haust ab 1801 auf der Schmidtburg im Hunsrück. 1802 wurde er durch einen Zufall bei Laubuseschbach gefangen genommen, nach Limburg und dann nach Frankfurt verbracht und schließlich zusammen mit 19 weiteren Räubergesellen 1803 in Mainz hingerichtet.

Die Landschaft rund um Miehlen wird auch Miehlener Grund genannt. Der Mühlbach, ein Zufluss der Lahn, fließt mitten durch den Ort und wird dabei von einigen kleinen Bachläufen gespeist. Direkt am Mühlbach steht das Geburtshaus von Johannes Bückler. Heute ist hier im Schinderhanneshaus die Gemeindebibliothek Miehlen untergebracht.

Weitere sehenswerte Gebäude in Miehlen sind die evangelische Kirche, deren Chor aus dem 13. Jahrhundert stammt, und die ehemalige Knabsmühle, auch Ehrlichsmühle genannt. Die dreiseitige Mühlenhofanlage mit Krüppelwalmdachbau stammt vermutlich aus dem 18. Jahrhundert und steht heute unter Denkmalschutz.

Nördlich von Miehlen in Richtung Hunzel wurde 1970 der kleine Hauserbach zu einem See angestaut. Der Hauserbachstausee ist aufgrund seiner Fisch-Vielfalt bei Anglern beliebt. Rund um den See gibt es eine Reihe von Wanderwegen.

Im äußersten Osten der Miehlener Gemarkung, nahe der Bäderstraße B 260, an der hier auch die Deutsche Limes-Straße verläuft, lag das römische Kleinkastell Pfarrhofen an der Nordostwand des Pfarrhofenbergs (388m), knapp unterhalb der Bergkuppe. Heute sind mit dem bloßen Auge nur noch einige flache Bodenwellen zu erkennen. Durch die intensive Landwirtschaft war es den Archäologen nicht mehr möglich, einen genauen Plan der Anlage zu ermitteln. Spuren deuten darauf hin, dass das Kleinkastell Pfarrhofen durch einen Brand zerstört wurde.

Sehenswert ist in Miehlen außerdem die Denkmalzone Aftholderbach südlich von Mielen in Richtung Buch. Die Denkmalzone Aftholderbach ist eine Gehöftgruppe, die aus einer ehemaligen Klosteranlage heraus entstanden ist. Das 1222 gestiftete Zisterzienserinnenkloster wurde in der frühen Neuzeit aufgelöst und besteht heute aus drei großen, vollständig erhaltenen Hofanlagen, die bis ins 16. Jahrhundert zurückdatiert werden können.

Miehlen wurde als Milene anno 1131 erstmals urkundlich erwähnt. Es gehörte zur Grafschaft Laurenburg-Nassau und war bis ins 19. Jahrhundert nassauischer Amtssitz. 1475 erhielt Miehlen das Marktrecht. Danach wurden fünfmal jährlich Vieh- und Krammärkte abgehalten. Noch heute findet am zweiten Oktober-Wochenende über drei Tage der Oktobermarkt statt; am Sonntag gibt es jeweils einen Umzug mit Wagen und Fußgruppen in originellen Kostümen.