Niederwald


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Bei Bingen an der Einmündung der Nahe geht der Oberrhein in den Mittelrhein über. Der Rhein ändert hier markant seine ab Mainz eingeschlagene östliche Fließrichtung und wendet sich wieder nach Norden. Auf der rechten (östlichen) Flussseite liegen gegenüber der Nahemündung Assmannshausen und Rüdesheim. Hier beginnt der Rheingauer Niederwald, der sich über das Ebental flussaufwärts bis etwa auf die Höhe von Geisenheim zieht.

Der Niederwald ist also noch Teil des Oberrheins, hatte aber das historische Glück, 2002 trotzdem zum UNESCO-Weltkulturerbe Oberes Mittelrheintal gezählt zu werden. Das nämlich hat seinen südlichen Einstieg an den Pfeilern der ehemaligen Hindenburgbrücke über den Rhein, die auf der Gemarkungsgrenze zwischen Rüdesheim und Geisenheim liegen. Diese Entscheidung der UNESCO wundert nicht wirklich, liegt doch auf Rüdesheimer Grund eines der wichtigsten nationalen Monumente Deutschlands, das mächtige Niederwalddenkmal.

Aber auch sonst hat der Niederwald auf kleinstem Raum jede Menge an Kultur und Natur zu bieten. Da sind natürlich zuerst die steilen Weinhänge zu nennen, auf denen bei Assmannshausen interessanterweise Rotwein kultiviert wird – eine Seltenheit im von Riesling dominierten Rheingau.

In Rüdesheim selbst wird nicht nur Wein – diesmal Riesling – kultiviert, sondern auch großzügig ausgeschenkt. 3 Mio. Besucher jährlich wollen nicht verdursten. Und wem der leichte Riesling bei all den kulturellen Entdeckungen nicht reicht, wechselt zum Weinbrand. Der wurde hier in seiner deutschen Form von Hugo Asbach erfunden.

Eine weitere wichtige Erfindung rund um den Alkohol fand 1775 auf Schloss Johannisberg statt: man entdeckte per Zufall den exquisiten Geschmack, den überreife, leicht angefaulte Trauben nach dem Keltern ergeben. So wurde die Spätlese geboren. Ach ja, und nur einige Meter weiter in der Forschungsanstalt Geisenheim züchtete man erstmals den beliebten Müller-Thurgau bzw. Rivaner.

Wo Wein ist, sind auch die Diener Gottes nicht fern. So gibt es eine Reihe sakraler Bauwerke im Niederwald zu bestaunen, etwa das frühere Zisterzienserkloster Marienhausen (heute der St. Vinzenz Stift), das ehemalige Kapuzinerkloster Nothgottes, das Franziskanerkloster Marienthal und das Benediktinerkloster Eibingen, das in der Abtei St. Hildegard seinen Nachfolger gefunden hat. Auch auf den Rheingauer Dom in Geisenheim mit seinen mächtigen Doppeltürmen sei hingewiesen.

Wie so häufig am Rhein gibt es natürlich auch Burgen und Schlösser satt: Besonderer Hingucker sind das heute als Hotel geführte Jagdschloss Niederwald, die Ruine von Burg Ehrenfels, die Brömserburg mit dem Rheingauer Weinmuseum, Schloss Hansenberg (heute eine Schule), das bekannte Weingut Schloss Johannisberg und das Sternerestaurant Burg Schwarzenstein.


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