Forschungsanstalt Geisenheim

Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut WernerGutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner

Normalerweise berichtet der Wanderatlas nicht über Bildungseinrichtungen, denn sie sind selten das Ziel von Wanderungen. Anders mag das in Geisenheim sein. Hinter dem ganz prosaischen Namen Forschungsanstalt Geisenheim versteckt sich nämlich ein spannendes Ziel für alle, die sich für Architektur, Pflanzen und Weinbau interessieren.

Die Ursprünge der Forschungsanstalt Geisenheim liegen im Jahr 1872. Der Geisenheimer Freiherr Heinrich Eduard von Lade, 1817 im Osteinschen Palais schon nicht arm geboren und dann als Händler und Bankier zu noch mehr Reichtum gekommen, ließ sich 1861 für die Zeit des Ruhestands die Villa Monrepos bauen. Große Gartenanlagen rundherum ließen ihm Platz für eines seiner Hobbies, die Züchtung neuer Obstsorten wie der Roten Zwetschge von Monrepos oder Lades Butterbirne.

Auch als Astronom war von Lade aktiv. Er ließ auf Villa Monrepos ein Observatorium errichten, das allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört und dann abgetragen wurde. Dennoch gibt es eine bleibende Erinnerung an das Geisenheimer Observatorium: Ein Mondkrater wurde nach dem begeisterten Selenografen aus Geisenheim Lade-Krater genannt.

Im Zuge dieser wissenschaftlichen Arbeiten überzeugt Lade quasi im Vorbeigehen Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck, dass das junge deutsche Kaiserreich unbedingt eine führende Forschungsinstitution im Bereich Garten- und Weinbau benötigte. 1872 kam dann das Dekret und Lade ließ angrenzend an die Villa Monrepos die ersten Gebäude und Gärten anlegen. In kürzester Zeit entwickelte sich die Preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau zum führenden Zentrum für angewandte Forschung im Weinbau. U.a. lehrte hier Prof. Hermann Müller, der in Geisenheim die Rebsorte Müller-Thurgau züchtete. Müller-Thurgau (synonym auch Rivaner genannt) ist mit 42.000ha Anbaufläche weltweit die erfolgreichste Neuzüchtung.

Der Park der Forschungsanstalt Geisenheim ist in zwei Teile gegliedert. Es gibt die Parkanlagen rund um die Hauptgebäude der Forschungsanstalt sowie den Park der Villa Monrepos. In beiden Parks gibt es viele seltene Bäume, die teilweise über hundert Jahre alt sind. Wann hat man schon einmal die Gelegenheit einen Milchorangenbaum, einen Taschentuchbaum, einen Geweihbaum oder eine Lotus-Pflaume zu sehen? Die Parkanlagen rund um das Monrepos wurden von den Gebrüder Siesmayer geplant, die unter anderem auch den Palmengarten in Frankfurt gestalteten.

1872 wurde mit der Gründung der Forschungsanstalt Geisenheim auch eine Bibliothek eingerichtet, die heute über 120.000 Bände zählt. Die Bibliothek der Forschungsanstalt Geisenheim wurde 1990 in das Handbuch der historischen Buchbestände in Deutschland aufgenommen und bietet eine der umfangreichsten Fachsammlungen zu Gartenbau und Wein.