Siershahn

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Siershahn ist ein kleiner Industrieort mit langer Geschichte, der zwischen Mogendorf und Wirges an der Autobahn A 3 liegt. Erste Funde von Tongegenständen datieren bereits auf etwa 400 v.Chr. Der Ort selbst entsteht erst später, seine erste urkundliche Erwähnung erfolgt 1211.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein dominierte die Landwirtschaft, bis sich durch den Eisenbahnbau Siershahn als kleiner Verkehrsknoten für den Abtransport von Tonerzeugnissen im Kannenbäckerland etablierte. Die Gemeindeväter organisierten die Wirtschaftsentwicklung übrigens sehr pragmatisch: Die Grubenbetreiber mussten in Siershahn eine Stein- und Plattenfabrik aufbauen, die zwei Drittel des im Umland abgebauten Tons verarbeitete. Die Fabrikarbeiter mussten allesamt Einwohner von Siershahn werden. So wuchs der kleine Ort rasch an.

Dieses Stück Wirtschaftsgeschichte wird im Tonbergbaumuseum Siershahn bewahrt. Aufgrund privater Initiative wurde 1989 der Schacht Gute Hoffnung – einer der letzten von ehemals 32 Schachtanlagen – erworben und die Tagesanlagen restauriert. 1992 wurde das Bergbaumuseum mit einem Ausstellungspavillon ergänzt. Die gesamte technische Entwicklung des Tonbergbaus vom Glockenschacht bis zum modernen Tagebau wird dokumentiert. Im Außenbereich befinden sich eine Reihe restaurierter historischer Geräte. Vom Fräslader über Schacht-Nachbauten bis zu Arbeitsgeräten kann Vieles besichtigt und auch angefasst werden. Das ehemalige Maschinenhaus ist komplett restauriert und lässt den Besucher erahnen, wie hier einst gearbeitet wurde.

Nicht nur der Bergbaugeschichte kann man in Siershahn nachgehen, sondern auch der glorreichen Eisenbahnvergangenheit. 2009 wurde das erste Teilstück von Siershahn nach Grenzau der Brexbachtalbahn wieder eröffnet. Die 1884 eröffnete und dann 1989 endgültig stillgelegte Brexbachtalbahn verband den Westerwald mit dem Rheintal und zieht sich durch die schönen Täler des Brexbach und des Masselbach. Die vom Brexbachtalbahn-Verein jetzt wieder reaktivierte Strecke ist ausschließlich für historische Fahrten geöffnet und soll in einzelnen Etappen wieder befahrbar gemacht werden bis zum ursprünglichen Startbahnhof in Engers bei Neuwied.

Verlässt man Siershahn in Richtung Autobahn, erreicht man den Siershahner Berg (340m). Hier wurde 1876 eine Linde zu Ehren von Papst Pius IX. gepflanzt. Sie galt damals als Zeichen gegen die Säkularisierungsversuche der Reichsführung unter Kanzler Bismarck. Die Pius-Linde ist heute das Wahrzeichen von Siershahn. Aber ebenso wie die kleine Marienkapelle in der Nähe wird sie in Zukunft dem Tontagebau zum Opfer fallen. Eine neue Linde wird bereits auf dem Friedhof angezogen.