Pohl (Nassau)

Auf einem Höhenrücken zwischen den Tälern von Mühlbach und Dörsbach liegt am Südostrand des Nassauer Lands das Dorf Pohl. Es ist der einzige Ort zwischen Rhein und Donau, der seinen Namen dem Bauwerk verdankt, das 2005 als UNESCO Weltkulturerbe geschützt wurde und als zweitgrößtes Bodendenkmal der Welt gilt: dem Limes.

Der Ortsname Pohl leitet sich aus der Bauweise des Limes ab, ein mit Holzpalisaden geschützter Pfahlgraben. Und Pohl ist ein altes Wort für Pfahl. Den Limes kann man hier in Pohl hautnah erleben. Denn Pohl war Standort römischen Kleinkastells Pohl, das die Strecke zwischen den großen Kastellen in Marienfels und Holzhausen sichern sollte.

Der 2007 gegründete Förderkreis Limeskastell Pohl hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Limes-Erbe im Hintertaunus erlebbar zu machen. Dazu wurde 2009-11 eine nach aktuellem Stand authentische Rekonstruktion des Kleinkastells Pohl errichtet.

Der Limespark Pohl mit dem nachgebauten Kastell liegt direkt hinter der Kirche an der Straße nach Lollschied und ist als großes Freilichtmuseum konzipiert. Höhepunkt für viele Besucher dürfte der Wachturm sein: In etwa 14m Höhe, auf einer Grundfläche von gut 30qm erlebt der Besucher vom Umgang des Turms aus einen weiten Blick in den Taunus, den Westerwald und die Eifel.

Im Waldgebiet östlich von Pohl – dem so genannten Pohler Wäldchen – ist der Verlauf des Limes noch vergleichsweise gut zu erkennen. Hier am Pohler Stich bietet sich dem Wanderer auch ein herrlicher Weitblick, den man Sieben-Täler-Blick nennt: Das Land öffnet sich bis hin zu den Bergen am Rhein und zum Lahn-Westerwald nördlich der Lahn. Der Blick reicht vom Gelbachtal über das Lahntal bis hin zum Mühlbachtal und dem Jammertal.

Im Pohler Wäldchen finden sich auch noch ältere Geschichtszeugnisse als die Spuren des Limes. Hier in Blickkontakt zur Ringwallanlage auf der Weißler Höhe vor Katzenelnbogen legten die Kelten rund 800 v.Chr. Grabfelder an.

Die keltischen Hügelgräber liegen entlang uralter Wege: Bei Pohl stieß ein vom Mittelrhein aus nach Osten führender Weg auf einen zweiten, der vom Lahntal über die Taunushöhen bis ins Rhein-Main-Gebiet führte. Der letztere, als Alt Straß noch gut sichtbar erhalten, diente nicht nur den Römern als Anhaltspunkt, sondern wurde auch Vorlage der heutigen Bäderstraße Taunus (B 260), die vom Nassauer Land über die Kemeler Heide, Bad Schwalbach und Schlangenbad nach Walluf an den Rhein führt.