Schlangenbad

Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut WernerGutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner

Dass in Schlangenbad Schlangen baden ist nicht ganz korrekt. Zwar gibt es Schlangen und es wird gebadet, doch da herrscht Arbeitsteilung: Die Schlangen schlängeln und die Gäste von Deutschlands kleinstem Heilbad baden. Tatsächlich sind das die beiden großen Themen, die den schmucken Kurort in der Rheingau-Pforte dominieren.

Beginnen wir mit den Schlangen. Diese wurden wohl von den Römern mitgebracht, die sich schon vor zweitausend Jahren an den Thermalquellen kurierten, die am Südhang des Bärstadter Kopfs entspringen. Die Schlangen – es handelt sich um Äskulapnattern, die bis zu zwei Meter lang werden können, aber ganz friedfertige und vor allem ungiftige Artgenossen sind – bilden heute das nördlichste Vorkommen an Äskulapnattern weltweit. Gedankt ist es dem warmen Klima im Schutze des Taunuskamms.

Die Äskulapnatter dürfte übrigens jeder schon einmal in gezeichneter Form gesehen haben. Sie ist auf den roten Logos der deutschen Apotheken ebenso vertreten wie als Symbol für Ärzte und Veterinäre. Wer dies und weiteres zur Äskulapnatter erfahren möchte, geht am besten in den Kurpark Schlangenbad. Hier wurde extra ein informativer Äskulap-Pfad mit Erläuterungstafeln eingerichtet.

Ist man schon einmal im Kurpark, kann man sich an dessen Ende den Landgrafenstein anschauen. Er erinnert daran, dass hier der Bad Homburger Landgraf Friedrich V. sechs seiner Söhne in den Krieg verabschiedete, während er selbst in Schlangenbad kurte.

Oberhalb des Kurparks liegen zwei besonders schmucke Wohnbauten: Zum einen das Landhaus Ochs, das um 1930 im Stil der Moderne aus Backstein erbaut wurde. Zum anderen das Haus Hainburg, eine repräsentative, neugotische Villa, die 1876 für einen Bankier aus rotem Granit errichtet wurde.

Noch eindrucksvoller ist allerdings das Parkhotel Schlangenbad, das 1912 nach Plänen von Eugen Rückgauer erstellt wurde und mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Das Parkhotel ersetzte seinerzeit das alte Kurhaus von 1694 als Zentrum von Schlangenbad.

Ebenfalls auf einen Hotelbau geht die historische Caféhalle zurück, die im späten 19. Jahrhundert im Belle Époque Stil errichtet wurde. Die Caféhalle Schlangenbad ist eines der letzten erhaltenen Beispiele von aus Gusseisen errichteten Wandelhallen in der charakteristischen Architektur deutscher Kurbäder.

In Ortsrandlange erhebt sich die evangelische Christuskirche, die 1907 durch den Herborner Architekten Ludwig Hofmann errichtet wurde. Die Christuskirche lässt sich keinem eindeutigem Baustil zurechnen. Ihr Äußeres wird von der Romanik, der Innenraum vom Jugendstil und dem Rundbogen bestimmt. Die massiven hölzernen Eingangstüren erinnern an ein Burgtor: Sie sind mit schweren schmiedeeisernen Bändern und Schlössern beschlagen. Der Türdrücker ist in Form einer Schlange gearbeitet. Die Brokatmalerei im Schiff erinnert an die Ausmalung der Wiesbadener Lutherkirche.

In dieser stilistischen Unbestimmtheit bildet die Christuskirche das ideale Gegenstück zur bereits 1902 erbauten katholischen Pfarrkirche Herz Jesu. Sie ist klar der Hochgotik zuzurechnen und mit einem spitzen verschieferten Helm versehen.