Marienfels (Taunus)

An der Schnittstelle vom Miehlener Grund zum Nassauer Land liegt Marienfels. Der Mühlbach, ein Zufluss der Lahn, fließt mitten durch den Marienfels. Nördlich des Dorfes fließt dem Mühlbach der Kaltenborn zu. Einige weitere kleine Bäche entspringen innerhalb der Ortsgemarkung und speisen diese beiden Bachläufe.

An den Ufern dieser Bäche liegen zahlreiche Mühlen. Die Kaltenbornermühle am gleichnamigen Bach findet sich westlich von Marienfels in Richtung Ehr. Nördlich des Dorfes reiht sich Mühle an Mühle am Mühlbach entlang, der hier auch die Gemarkungsgrenze bildet: Steegs-Mühle, Hampesmühle, Weidenmühle, Dickmühle und Käsmühle.

Den Wasserreichtum von Marienfels nutzten bereits die Römer, die hier um 50 n.Chr. das Kastell Marienfels errichteten. Später, als der Limes angelegt wurde, bauten die Römer das Kastell Marienfels aus und stationierten rund 600 Soldaten am Mühlbach. Der Limes selbst verlief mehrere Kilometer von Marienfels entfernt, was dazu führte, dass zusätzlich das Kastell Hunzel errichtet wurde und in Marienfels vor allem die zivilen Anlagen wie die Marienfelser Thermenanlagen genutzt wurden.

Die Überreste des Kastells, heute als Bodendenkmal geschützt, liegen weitgehend überbaut im Ortskern von Marienfels. Thermen und Vicus sind ebenfalls nicht mehr erkennbar und liegen im Bereich des Ortsrandes in landwirtschaftlich genutztem Gebiet. Erste Ausgrabungen fanden bereits vor 1830 statt. Der spektakulärste Fund aber war purer Zufall: Ein Gastwirt fand 1861 in seinem Hof einen Münzschatz – mehr als 1500 römische Denare, die in einem irdenen Krug versteckt waren.

Nördlich des eigentlichen Kastells lag das Kastellbad der Marienfelser Garnison. Der Standort des Kastellbades direkt am Kaltenborn war klug gewählt worden: Die Sauerquelle des Kaltenbornes ist sehr ergiebig, und das Quellwasser hatte sommers wie winters eine konstante Temperatur von 5 Grad. In den 1980er Jahren wurde der Sauerbrunnen neu gestaltet und mit einem Torbogen versehen, was dazu führte, dass man mittlerweile von der Römerquelle Marienfels spricht.

Wer heute an Marienfels vorbeiwandert, sollte einen Abstecher in die denkmalgeschützte Dorfkirche machen, die auf einem Felsen neben dem Mühlbach erbaut wurde. Die ursprüngliche katholische Kirche wurde wohl um 1300 erbaut und mit den Jahren verändert. Der Westturm ist im spätromanischen Stil erbaut, die Turmhaube stammt aus der Zeit um 1700. Das Langhaus wurde 1733 umgebaut. Der gesamte Kirchplatz mit den umliegenden Wohnhäusern aus dem 18. Jahrhundert ist inzwischen als Denkmalzone ausgewiesen.

Im Inneren der Marienfelser Kirche sind zahlreiche mittelalterliche Holztafelgemälde angebracht. Außergewöhnlich ist das mittelalterliche Marienbildnis rechts vom Altar, das als Maria mit dem Steinpilz bekannt ist. Die sitzende Marie ist hier als Himmelskönigin dargestellt, mit edelsteinbesetzter Krone. In einem Arm hält sie das Jesuskind, und in der rechten Hand einen Steinpilz als Symbol für Wachstum und Fruchtbarkeit des Taunusgebietes. Aufgrund dieses „wunderwirkenden Gnadenbildes der Muttergottes vom Taunus“ wurde die Marienfelser Kirche vor der Reformation als Wallfahrtskirche bezeichnet.

Sehenswert ist in Marienfels außerdem eine Bruchsteinbrücke mit drei Bögen in der Mühlbachstraße, die aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt und unter Denkmalschutz steht. Weitere Sehenswürdigkeiten sind in der Römerstraße zu finden: Hier stehen einige Wohnhäuser und Scheunen aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

1993 wurde auf Initiative des chilenischen Künstlers Ivan Olivares-Alcalde in der Römerstraße die Kulturscheune Marienfels aufgebaut. Das unabhängige Kulturprojekt in Marienfels präsentiert auf 400qm u.a. Ausstellungsstücke zur römischen Geschichte von Marienfels und die Nachbildung eines Römerbades. Auch Konzerte, Ausstellungen und andere kulturelle Initiativen finden in der Kulturscheune Marienfels ein Forum.

Östlich von Marienfels in Richtung liegt die Marienfelser Klippe. Sie gilt als einer der schönsten Aussichtspunkte im Blauen Ländchen.