Oberursel

Mit über 40.000 Einwohnern ist Oberursel die zweitgrößte Stadt im Hochtaunus, dessen Südwestzipfel sie zugleich im Übergang zur Stadt Frankfurt am Main bildet. Als Siedlung Ursella bereits 791 erstmals urkundlich erwähnt, liegt Oberursel am Oberlauf des Urselbachs, der hier an den Taunusvorhöhen entspringt und nach 16km in Heddernheim in die Nidda mündet. Den Taunushöhen hat es Oberursel auch zu verdanken, dass hier häufig gutes Wetter ist. Man spricht auch vom Orscheler Sonnenloch, das sich auftut, während es am Feldberg noch regnet.

Das bekannteste Bauwerk in Oberursel ist das historische Rathaus, dessen Wurzeln auf das Jahr 1479 zurückgehen, als ein erster Bau auf den Mauern des früheren Untertors – Teil der Stadtbefestigung – errichtet wurde. Nach zweimaligem Brandschaden wurde das Rathaus 1659-63 neu aufgebaut. Am Sockel unter dem Treppenaufgang wurde eine Gefängniszelle für zwanzig Inhaftiert angelegt, die so genannte Betzelkammer. 1702 erhielt das Rathaus die schmückende Sonnenuhr. Nachdem 1980 das neue Rathaus in Betrieb genommen wurde, ist das historische Rathaus heute ein beliebter Veranstaltungsort für städtische und private Feierlichkeiten.

Deutlich älter ist die katholische St. Ursula Kirche, die von ihrem Standort auf einem Bergsporn Oberursel überragt. Die St. Ursula Kirche wurde auf den Grundmauern einer bereits 880 erwähnten Kirche in zwei Abschnitten erbaut: Erst der Chor, dann von 1479-98 der Kirchturm, dem auch Wachaufgaben zukamen und der daher Hohe Wacht genannt wird. Im Turm befindet sich heute ein Museum sakraler Kunst.

Das größte evangelische Gotteshaus in Oberursel ist die 1914 geweihte Christuskirche. Die Architektur der denkmalgeschützten Christuskirche orientiert sich am Jugendstil. Die Gestaltung des Innenraums folgt dem Wiesbadener Programm, einem typisch protestantischen Konzept nach dem Vorbild der Wiesbadener Ringkirche. Altar, Kanzel und Orgel sind hierbei axial übereinander angeordnet.

Direkt am Marktplatz Oberursel befindet sich das Vortaunusmuseum, das 1987 in einem ehemaligen Gasthof aus dem 18. Jahrhundert eingerichtet wurde. Das Vortaunusmuseum versteht sich als modernes Regionalmuseum. Bemerkenswerte Dauerausstellungen sind der Geschichte des Seifenkisten-Sports und seiner Vorläufer, der Kinderautomobil-Rennen, gewidmet. Die Hans-Thoma-Gedächtnisstätte zeigt wertvolle Originale des Malers Hans Thoma, der zeitweise in Oberursel lebte.

Entlang des Urselbachs gibt es seit hunderten von Jahren Wirtschaftsbetriebe. Vor allem Mühlen nutzten den Wasserlauf, so etwa die bereits 1444 bezeugte Herrenmühle, die bis 1957 ihren Dienst versah und später zu einem Wohn- und Geschäftshause umgebaut wurde. Der Mühlenwanderweg Oberursel erkundet diese und vierzig andere Betriebsstätten entlang des Urselbachs.

Verlässt man Oberursel in nordwestlicher Richtung und folgt dem Urselbach in die Wälder der Hohen Mark, erreicht man die Goldgrube (492m). Hier befindet sich das Heidetränk-Oppidum, das zu den europaweit bedeutendsten keltischen Siedlungen zählt. Das Heidetränk-Oppidum nimmt eine Fläche von 130ha ein und erstreckt sich von der Goldgrube bis zur Altenhöfe (575m) Für den Besucher sind heute vor allem die langgestreckten Ringwälle auf der Goldgrube gut erkennbar. Sie sind die Überreste von Trockenmauern, die zum Schutz der Stadt vor Angreifern dienten.

Südwestlich Stadtzentrum Oberursels liegt der Maasgrund. Hier führte einst die Lindenallee her, eine alte Römerstraße, die die Niddamündung bei Frankfurt-Höchst mit dem Kastell Saalburg verband. Heute befindet sich hier der idyllische Maasgrundweiher. Der Maasgrundweiher ist ein beliebter Treffpunkt von Modellbauern, die hier vom einfachen Beiboot bis zum Flugzeugträger alles fahren lassen. Der Maasgrundweiher wird von einigen Quellen gespeist, u.a. dem Roten Born und aus der Storchenquelle, die direkt am See als klassischer runder Brunnen ausgebaut wurde - mit kleinem Zulauf in den See.