Frankfurt-Heddernheim

Römische Hauptstadt der Taunus-Provinz, Klaa Paris, ehemals wichtiges Zentrum der Kupferindustrie: Der Frankfurter Stadtteil Heddernheim kann mit Vielem punkten. Zum kleinen Paris wird Heddernheim immer zur Karnevalszeit. 1839, als die neue Wasserpumpe – die Gemaa-Bump – eingeweiht wurde, feierte man erstmals Fastnacht in Heddernheim. Heute kommen zum Straßenumzug am Fastnachtsdienstag über 100.000 Schaulustige. Damit ist Heddernheim das Zentrum der Frankfurter Fastnacht.

Von der ehemaligen Römersiedlung Nida ist nichts mehr zu sehen. Da, wo die Römer einst lebten und ihre Civitas Taunensium verwalteten, erhebt sich heute die Nordweststadt und Deutschlands größtes Einkaufszentrum, das 1968 erbaute und ab 2001 deutlich erweiterte Nordwestzentrum.

Zwischen Nordwestzentrum und der Nidda lag einst die Römerstadt Nida. Heute erinnert der Name Römersiedlung daran, historische Substanz gibt es aber nicht mehr. Die Römerstadt entstand in den 1920er Jahren als Teil des von den Architekten Ernst May und Martin Elsaesser geleiteten Projekts Neues Frankfurt. Kernstück des Neuen Frankfurts war das Niddatal-Projekt, das u.a. die Römerstadt, Praunheim, Westhausen, den Bornheimer Hang sowie Anwesen am Dornbusch und der Miquelallee umfasst.

Wer sich über das Neue Frankfurt informieren will, macht das in Heddernheim und zwar im Ernst-May-Haus, ein von May entworfenes Reihenhaus der Römersiedlung, das wieder in seinen Ursprungszustand versetzt wurde. Dabei zu sehen ist auch eine originale Frankfurter Küche, ebenfalls basierend auf Überlegungen von Ernst May. Die Frankfurter Küche ist der Vorläufer der modernen Einbauküche, wie sie sich heute millionenfach in Haushalten findet.

Die industrielle Vergangenheit von Heddernheim ist eng verbunden mit dem Unternehmer Wilhelm Merton, Gründer der Frankfurter Metallgesellschaft (aufgegangen in der GEA Group), die einst Mehrheitseigner der Heddernheimer Kupferwerke war. Da wo die einst werkelten, entstand ab den 1980er Jahren das neue Wohn- und Gewerbequartier Mertonviertel, eine moderne Wohn- und Bürogegend mit hohem Anteil an Grünflächen. Erkennbar ist das Mertonviertel durch den weithin sichtbaren blau-bunten Schornstein der als sauber beschriebenen Müllverbrennungsanlage.

Eines der ersten Gebäude im Mertonviertel ist die 1988-95 erbaute Kindertagesstätte 130, die man aber eher unter dem Namen Hundertwasser-Kindertagesstätte kennt. Der Betonkern der Hundertwasser-Kita wurde weitgehend mit Erde überdeckt, in der Gras, Büsche und Bäume wurzeln. Nicht nur die Kleinen erfreuen sich an den märchenhaft emporwindenden goldenen Kuppeln und den geschwungenen natürlichen Formen der besonderen Architektur, die wie eine kleine Vergnügen versprechende Insel aus dem Boden zu wachsen scheint.

Wendet man sich ostwärts, kommt man zur Einmündung des Urselbachs in die Nidda. Hier liegt das Frankfurt City Camp, Frankfurts einziger Campingplatz. Der 24.000qm große Platz bietet Raum für Dauergäste, Besuchscamper und Zeltnomaden. Oberhalb des City Camps erstreckt sich bis zur Autobahn A 661 (Taunusschnellweg) das Naturschutzgebiet Riedwiese als Teil des Frankfurter Grüngürtels.

Geht man vom City Camp südwärts und folgt der Nidda, kommt man nach Alt-Heddernheim. Hier steht das Heddernheimer Schloss, ein herrschaftlicher Wohnbau, der der zerstörten Burg Philippseck folgte. Das neue Schloss in Heddernheim wurde 1740 errichtet, später im Krieg beschädigt und nicht mehr original restauriert. Schlossig schaut es dennoch aus, das Heddernheimer Schloss. Auf der gegenüberliegenden Seite gibt es einen kleinen Park, der zu den Nidda-Wiesen führt.

Monumentaler ist nur noch die katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in der Oranienstraße. Die Kirche wurde 1892-93 im neugotischen Stil errichtet und ist bis auf eine Renovierung so gut wie im ursprünglichen Zustand.