Hölderlinpfad


Erstellt von: tomtom
Streckenlänge: 22 km
Gehzeit o. Pause: 4 Std. 34 Min.
Höhenmeter ca. ↑99m  ↓154m
Hölderlinpfad Wanderweg Frankfurt am Main Bad Homburg

"O ein Gott ist der Mensch, wenn er träumt, ein Bettler, wenn er nachdenkt". So lässt Friedrich Hölderlin seinen Hyperion sprechen. Und zum Träumen hat man etwas Zeit, wenn man wie einst Hölderlin selbst die Strecke von Bad Homburg im Taunus nach Frankfurt am Main erwandert. Hölderlin soll die Route übrigens in drei Stunden geschafft haben – nicht schlecht für einen Mann des Wortes.

Aber ganz von Anfang an: Hölderlin, einer der wichtigsten Lyriker im deutschen Dichter-Pantheon, verbrachte zwei entscheidende Jahre seines Lebens in Frankfurt. Hier in der Bankenmetropole lernte er als Hauslehrer die Liebe seines Lebens – Susette Gontard – kennen. Sie ist die Diotima aus seinem Briefroman Hyperion.

Als die flammende Liebe herauskam, musst Hölderlin fliehen und fand Unterschlupf bei seinem Studienfreund Isaac von Sinclair, der in Bad Homburg als Diplomat lebte und im Hyperion in der Figur des Alabanda verewigt ist.

Die Liebe in Frankfurt, der treue Weggefährte in Homburg: Kein Wunder, dass Hölderlin oft den Weg zwischen beiden Städten zurücklegte. Und genau dies war auch der Anlass, 2008 den Hölderlinpfad einzurichten. Startpunkt des Hölderlinpfads ist das Sinclairhaus direkt am Landgrafenschloss von Bad Homburg. Im Sinclairhaus wurde Isaac von Sinclair geboren. Hölderlin selbst weilte in seinen Homburger Tagen etwas weiter die Dorotheenstraße abwärts im Haus des Uhrmachers Calame.

Bad Homburg verlassend führt der Hölderlinweg südwärts kurz durch die Gemarkung von Oberursel nach Kalbach, einem nördlichen Stadtteil von Frankfurt. Hier passiert der Hölderlinpfad die 2007 angelegte Kätcheslachmulde, ein gut 1ha großes Regenrückhaltebecken inmitten einer Parkanlage in der neuen Siedlung Riedberg.

Der Hölderlinpfad folgt jetzt kurze Zeit dem Kalbach, einem 5km langen Zufluss der Nidda, und erreicht so die Niddaauen am Alten Flugplatz in Bonames. Dieser frühere Militärflughafen – offizieller Name damals: Maurice Rose Airfield – wurde nach Abzug der US-Truppen in das Großprojekt Frankfurter Grüngürtel eingegliedert und ist heute ein wichtiges Freizeit- und Naturgelände im Frankfurter Norden.

Über den Frankfurter Berg – ein erst 1996 gebildeter Stadtteil von Frankfurt – geht es auf dem Hölderlinpfad weiter zur Bertramswiese. Hier steht die mächtige Rotunde des Hessischen Rundfunks. Der Glasbau war nach dem Zweiten Weltkrieg als Sitz des deutschen Bundestags geplant und orientierte sich baulich an der Frankfurter Paulskirche, wo 1848-49 die Nationalversammlung tagte, das erste frei gewählte Parlament der Deutschen. Das der nach ihm benannte Wanderweg hier vorbeiführt, hätte Hölderlin sicherlich gefreut, war er doch ein glühender Verfechter der Demokratie.

Das letzte Wegstück führt am Holzhausenpark vorbei zur Adlerflychtstraße. Hier stand bis 1866 die Villa, in der Bankiergattin Susette Gontard lebte, das Ziel der Hölderlinschen Wanderungen von Bad Homburg nach Frankfurt. Der Hölderlinpfad führt heute aber noch etwas weiter bis zum Großen Hirschgraben, wo Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe 1749 geboren wurde. Unweit vom Goethe-Haus etwa auf Höhe des Hotels Frankfurter Hof verdiente Hölderlin übrigens von 1796-98 sein Geld als Hauslehrer.

Der Hölderlinpfad ist durchgängig beschildert mit Wegzeichen, die das Porträt von Friedrich Hölderlin zeigen. Mehr Hintergründe zur Bad Homburger Zeit von Friedrich Hölderlin vermittelt die Dauerausstellung im Museum im Gotischen Haus Bad Homburg.

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