Mudersbach

Für Wanderer im Südostzipfel des Wildenburger Landes hält der zu Kirchen zählende Ort Mudersbach eine willkommene Erfrischung bereit: Den Schinderweiher, ein Naturfreibad im Ortsteil Niederschelderhütte. Der Weiher hat ein stolzes Alter: Bereits 1742 wurde er in einem Begehungsbericht der Freusburger Verwaltung erwähnt. Entstanden ist er durch Aufstauen des kleinen Schindebaches, um die Gosenbacher und Schelder Hütten mit Wasser zu versorgen. 1927 wurde der Schinderweiher dann zu einem Freibad ausgebaut und ist seit 1937 im Besitz der Ortsgemeinde Mudersbach.

Der Ortsteil Niederschelderhütte ist mit dem Nachbartort Niederschelden im nordrheinwestfälischen Siegerland zusammengewachsen. Der Volksmund spricht bereits nur noch von Schelden. Drei Straßenbrücken und zwei Eisenbahnbrücken führen innerhalb der Gemarkung über die Sieg.

Die Landschaft rund um Mudersbach ist von großen Waldflächen geprägt. Die Hügel und Berge in diesem Bereich sind teilweise vulkanischen Ursprungs. Höchste Erhebung ist der Rote Hahn (446m) im Norden der Gemarkung. Nördlich von Mudersbach steigt dann der Giebelwald auf mehr als 500m ü. NN an.

Zu den Sehenswürdigkeiten von Mudersbach gehört die katholische Pfarrkirche Maria Himmelfahrt im Kirchweg. Der Saalbau wurde ab 1861 im neugotischen Stil errichtet. Am nordwestlichen Ortsrand liegt eine Mariengrotte. Außerdem sind u. a. im Hohlweg und in der Konrad-Adenauer-Straße denkmalgeschützte Fachwerkgebäude aus dem 17. bis 19. Jahrhundert zu finden.

In Mudersbach finden mehrere regelmäßige Veranstaltungen statt. Besonders zu erwähnen ist die Mudersbacher Kirmes, die seit 1828 immer am Wochenende vor dem ersten Montag im Oktober abgehalten wird. Die dreitägige Kirmes wird nach dem traditionellen Pflaumenkuchen auch Quetschekirmes genannt. Seit 1996 findet außerdem jährlich ein Sommer-Open-Air-Festival unter dem Motto „Rock an der Sieg“ vor der Erzquell-Brauerei statt.

Die Gegend von Mudersbach war bereits zur Eisenzeit besiedelt, auch wenn seine offizielle Geschichte deutlich später beginnt: Im Nordwesten des heutigen Ortskerns wurden Schmelzöfen aus der La-Tène-Zeit entdeckt.

Auch Schiefer wurde in Mudersbach gebrochen. Der alte Schieferstollen Wilhelmslust zwischen Mudersbach und Brachbach wurde 1856 gehauen; er ist ca. 80m lang und hat zwei Abbauhallen. Mit Hammer und Meißel wurde hier der Schiefer von Hand abgebaut. Dabei waren nur maximal 20 Prozent des geschlagenen Gesteins als Schieferplatten verwendbar; der Rest wurde zu gepflasterten Wegen und Bruchsteinmauern verarbeitet. Erstaunlich ist das Klima im Stollen: Die Luft ist klar, und die Temperatur liegt konstant um die 8 Grad Celsius bei ca. 90 Prozent Luftfeuchtigkeit. Der Schieferstollen Wilhelmslust wurde zwischenzeitlich für Besucher zugänglich gemacht; Besichtigungen sind nach vorheriger Absprache möglich.

Den größten Stellenwert in der Eisenverarbeitung bei Mudersbach hatte die Charlottenhütte, eine der größten Eisenhütten des Siegerlandes. Das Werk liegt genau auf der Landesgrenze zwischen Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Die Sieg als natürliche Grenze fließt mitten durch das Werksgelände. Die Charlottenhütte wurde 1864 in Betrieb genommen und laufend erweitert. 1914 erreichte die Produktion durch den Ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt. 953 Arbeiter und 630 Bergleute waren für die Charlottenhütte tätig. 1966 hörte der letzte Hochofen auf zu arbeiten. Heute nutzen verschiedene Firmen die Betriebsgebäude der Charlottenhütte.

Ein wenig rühmlicher Teil der Geschichte der Charlottenhütte hängt mit dem aus Kreuztal stammenden Friedrich Flick zusammen, der 1915 Vorstandsmitglied der Charlottenhütte wurde, sich mit „Heuschrecken-Tricks“ nach und nach in das Werk einkaufte und damit sein Imperium begründete, das ihn in den 1950er Jahren zum reichsten Deutschen und größten Aktionär von Daimler-Benz machte. Während des Zweiten Weltkrieges beschäftigte Friedrich Flick auch in der Charlottenhütte Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Im Rahmen der Nürnberger Prozesse wurde er 1947 wegen Sklavenarbeit, Verschleppung zur Sklavenarbeit, Ausplünderung der besetzten Gebiete und Teilnahme an Verbrechen der SS verurteilt.