Einrich

Mit Einrich bezeichnet man geografisch einen relativ niedrigen Teil des nordwestlichen Taunusgebirges, der hauptsächlich über die Gemarkung der Verbandsgemeinden Nastätten, Katzenelnbogen und Loreley verläuft. Die Römer zogen einst ihren Limes quer durch dieses Gebiet. Der Höhenzug des Einrich erstreckt sich von westlich des Rheins an der Lahn entlang bis zum Aartal. Seine südlichen Ausläufer reichen in etwa bis Sankt Goarshausen im Westen und im Osten bis zum Aartaunus bei Michelbach.

Früher entsprach der Einrich als mittelalterlicher Gau etwa dem Gebiet des gesamten Hintertaunus, also das Land zwischen Lahn, Aar und Rhein, das heute zum Bundesland Rheinland-Pfalz gehört. Später wurde der Einrich als Landschaftsbezeichnung genutzt. Heute jedoch meint man, wenn vom Einrich spricht, eigentlich nur noch das westliche Stück dieses Geburgszugs, den Naturraum der Katzenelnbogener Hochfläche.

Wer erwartet, auf der Katzenelnbogener Hochfläche besonders viele ruppige Katzen anzutreffen, dürfte enttäuscht sein. Auch wenn noch einige Wildkatzen und Luchse in dieser Region leben, hat der Namen doch einen ganz anderen Ursprung: Im Mittelalter wurden häufig Tiernamen auf Orte oder Flure übertragen. „Katze“ wurde dabei als Synonym für „klein“ verwendet, und mit „Ellenbogen“ bezeichnete man eine „Bachkrümmung“, wie hier den sich stark windenden Bachlauf des Dörsbach.

Der Dörsbach ist ein Zufluss der Lahn, der im Untertaunus entspringt. Der Dörsbach verläuft über 32km von der Quelle am Mappershainer Kopf (548m) vorbei an Katzenelnbogen bis hin zum Kloster Arnstein, wo er gegenüber von Obernhof in die Lahn mündet. Das Dörsbachtal wird auf dem Weg von der Katzenelnbogener Hochfläche hinunter zur Lahn immer enger. Bis Ergeshausen ist der Weg befahrbar. Ab hier im Übergang zum Nassauer Land ist er nur noch auf Schusters Rappen zu erkunden. Auf beiden Seiten des Baches ragen steile Felsen auf. Den unteren Bereich des Dörsbachtals nennt man auch Jammertal.

Bis zu 25 Mühlen wurden in früheren Zeiten vom Wasser des Dörsbaches angetrieben. Gemeinsam mit Ackerbach, Fischbach und Hasenbach, die alle in den Dörsbach münden, lieferte er die Energie für vierzig Wassertriebwerke. In erster Linie dienten diese zum Mahlen von Getreide, aber es gab auch Öl- und Schleifmühlen, Gips- und Papiermühlen, sowie Blasebälge für Eisenhütten. Heute ist keine dieser Mühlen mehr in Betrieb.

Die waldreiche Landschaft des Einrich liegt auf ca. 300-400m ü. NN. Höchste Erhebung im Gebiet von Katzenelnbogen ist die Weißler Höhe (456m). Nur in dem Bereich, in dem sich Bachläufe eingegraben haben, wird die wellige Hochfläche unterbrochen. Neben Wiesen und Äckern entlang der kleinen Bachläufe prägen großflächige Wälder mit viel Laubholz das Landschaftsbild. In den Einschnittstälern nehmen die Bäche noch weitgehend ihren natürlichen Verlauf und sind daher Heimat seltener Pflanzenarten wie Weißmoos und Keulen-Bärlapp. In den landwirtschaftlich geprägten Bereichen dagegen wurden die Bachläufe von Menschenhand beeinflusst.

Der Einrich war über Jahrhunderte stark vom Bergbau geprägt, der mit den Kelten begann und erst in den 1950er Jahren endete. In einem Teil der ehemaligen Abbauflächen haben sich zwischenzeitlich Gewässer und sogar kleine Heiden gebildet. Ortsnamen wie Eisighofen entstanden in dieser Zeit. Es wurde nach Basalt, Diabas, Kaolin, Kalk und Porphyr gegraben. Im unteren Rupbachtal finden sich zahlreiche alte Schieferstollen. Und zwischen Katzenelnbogen und Allendorf fand ein intensiver Abbau von Eisenerz statt. Heute ist dort ein fast vollständig verfülltes Feld von Eisenerz-Tagebauen, das Eisensteinfeld, zu sehen.