Weiler bei Bingen

Etwas südwestlich von Bingerbrück liegt das Örtchen Weiler bei Bingen mit rund 2.700 Einwohnern. Ortsbildprägend ist die katholische Pfarrkirche St. Maria Magdalena aus dem Jahr 1866. Der Ort birgt viel Geschichte bis hin zur Altsteinzeit, was Funde belegen. Erstmalig erwähnt wurde Weiler bei Bingen im Jahr 823. An Weiler vorbei lief eine Heeresstraße der Römer und im Binger Wald wurden Reste einer Villa rustica ausgegraben.

Die Villa rustica im Binger Wald ist ein ehemaliger römischer Gutshof und zu sehen ist die Grabungsstätte mit dem freigelegten Herrenhaus. Der Gutshof wurde etwa in der Zeit von 200 bis 400 nach Christus bewirtschaftet und man schätzt, dass hier bis zu zwanzig Menschen lebten und arbeiteten.

Nach Norden erhebt sich der Binger Wald mit Höhen wie dem Druidenberg (380m), dem Veitsberg (390m), dem Schlägleberg (432m) und dem Salzkopf (628m). Und mitten drin blubbern kleine Bäche wie der Possbach, der Kreuzbach und der Morgenbach. Herrliche Bedingungen fürs Wandern, wie man z.B. auf dem Soonwaldsteig, dem Rheinburgenweg und der Baumgeister-Tour (16km) überprüfen kann.

Baumgeister-Tour? Ja, denn ungefähr auf halber Strecke von Weiler zum Salzkopf leben die Baumgeister und zwar 66 an der Zahl. Ihre Adresse: Steckeschlääferklamm. Steckeschlääferklamm wird ein kleines Seitental des Morgenbachs genannt. In den 1970er Jahren legte der örtliche Wanderverein die Steckeschlääferklamm so frei, dass man sie passieren kann. Und Wanderfreund Franz Kellermeister begann, in die Bäume der Schlucht Waldschrate zu schnitzen. Apropos: Steckeschlääfer ist ein anderes Wort für Wanderer, nämlich jemand, der seinen Stecke (Wanderstock) schlääfe (schleifen) lässt.

Oberhalb der Steckeschlääferklamm steht mitten im Binger Wald das beliebte Ausflugslokal Forsthaus Jägerhaus, quasi im Herz des Binger Walds.

Ein weiteres Higlight, leider mittlerweile etwas gezähmt durch Umbaumaßnahmen und neue Wegeführung ist die Kreuzbachklamm, die etwa 2km südlich vom Morgenbachtal verläuft. Als Startpunkt für eine Wanderung in die Kreuzbachklamm ist das Forsthaus Heiligkreuz beliebt, heute eine Ausflugsgaststätte, in deren Nachbarschaft ein forstbotanischer Garten liegt.

In Weiler selbst befindet sich der Aussichtspunkt Auf dem Hörnchen. Von hier, und das ist wohl in Deutschland einzigartig, kann man gleich vier Weinbauregionen auf einmal sehen nämlich Mittelrhein, Nahe, Rheinhessen und Rheingau.

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