Siegbachtal

Auf gut 500m Höhe liegt das Dorf Tringenstein südlich der Angelburg (609m). Hier unter mächtigen uralten Buchen des Schelder Walds entspringt der Siegbach, ein 12km langer Zufluss der Aar, die er bei Bischoffen erreicht. Tringenstein selbst liegt an einem kleinen Bächlein, das kurz hinter dem Ort dem noch jungen Siegbach zufließt.

Tringenstein entstand im Zuge des Baus der Burg Tringenstein auf dem Schlossberg (536m). Die Burg wurde 1325 errichtet, was auf einen deutlichen Zusammenhang mit der damals im Schelder Wald, der Hörre und um Herborn ausgetragenen Dernbacher Fehde schließen lässt. Die Dillenburger Grafen jedenfalls errichteten die Burg Tringenstein, die bis 1806 Sitz des Amtsmanns war. Danach wurde die Burg abgetragen. Heute sind nur noch wenige Mauerreste vorhanden.

Dafür zeigt aber ein schönes Modell, wie Burg Tringenstein einst ausgesehen hat. Das Modell steht oben am Burgberg, von dem man einen hervorragenden Rundumblick über das Lahn-Dill-Bergland genießt und bei klarem Wetter bis in den Taunus, den Westerwald und das Sauerland blicken kann.

Eine weitere Burg befand sich nur wenig weiter, getrennt durch den Schmittgrund (590m), die Burg Wallenfels. Auch sie wurde im Rahmen der Dernbacher Fehde um 1325 errichtet und gilt etwa seit 1480 als unbewohnt. Die letzten Bediensteten des Burgpersonals waren auf einmal ihren Job los, dafür aber „stein-reich“: Sie brachen die Burg ab und bauten sich aus den Steinen ihre Häuser, zwölf Stück an der Zahl. Und noch heute besteht Wallenfels aus gerade einmal zwölf Häusern, zu der eine Stichstraße von Eisemroth führt, die in Wallenfels endet.

Älter als Tringenstein und Wallenfels ist der Siegbacher Ortsteil Oberndorf. Oberndorf wurde bereits 876 erstmals erwähnt. Die Dorfkirche in Oberndorf zeigt einen massiven Wehrturm, der 1417 errichtet wurde. Das Kirchenschiff selbst wurde 1670 neu dazu gebaut.

Von Günterod durch den Kisselberg (439m) getrennt liegt im unteren Siebachtal das Dorf Übernthal. Im Zentrum von Übernthal steht die 1781 von den Bürgern errichtete Übernthaler Kirche. Das mächtige Eichenfachwerk weist alle besonderen Baumerkmale jener Zeit auf: den hessischen Mann, Andreaskreuze und kunstvolle Schnitzereien. Heute wird das schöne Gebäude als Dorfgemeinschaftshaus genutzt.

Dicht neben der Kirche befindet sich ein aus dem 13. Jahrhundert stammender Steinbau, der bis 1781 als Kapelle und dann später als Backhaus genutzt wurde. Das 1977 gegründete Heimatmuseum Übernthal zeigt hier heute Gegenstände und Gerätschaften aus dem gesellschaftlichen Leben früherer Jahrhunderte sowie eine Mineraliensammlung mit örtlichen Funden aus der Vorgeschichte.

Westlich von Tringenstein und quasi parallel zum Siegbach fließt die Tringensteiner Schelde, die in Oberscheld die Schelde verstärkt. Sie fließt zwischen Hohe Koppe (540m) und Dornheck (508m) und bildet ein wildromantisches Tälchen aus.

Im oberen Siegbachtal befand sich ein wichtiger Knotenpunkt mittelalterlicher Fernhandelsstraßen. Die von Nordosten kommende Hohe Straße kreuzte dort die Brabanter Straße, die Köln mit Leipzig verband. Ein dritter Weg führt von Gießen über die Zollbuche und die Bottenhorner Hochfläche weiter nach Westfalen und an die Weser. Das Thema Altstraßen nimmt auch die Hessen-Extratour Hohe Straße auf, die als zertifizierter Premiumweg im Lahn-Dill-Bergland ausgewiesen ist.