Orlen

Auch wenn die erste urkundliche Erwähnung erst 1339 erfolgte ist klar, dass in Orlen schon weit länger Menschen siedelten. Grund ist der römische Grenzwall Limes, der etwa von 90-260 n.Chr. das Imperium Romanum von Germanien trennte. Der Limes verlief am nördlichen Rand von Orlen im Übergang nach Hambach.

Orlen hatte eine strategisch wichtige Lage, denn hier führte die Hühnerstraße vorbei, die die römischen Städte Wiesbaden und Mainz mit dem von Germanen besiedelten Limburger Becken verband. Daher wurde hier als einer der ersten Teile des Limes um 90 v.Chr. ein Kastell errichtet. Im Kastell Zugmantel standen bis zu 500 Mann unter Waffen. Entsprechende Zivilisten siedelten im Umfeld – dem Vicus. Die Größe und Bedeutung des Kastells Zugmantel wird auch dadurch deutlich, dass Reste zweier kleiner Amphiteater gefunden wurden.

Zu sehen ist heute nicht mehr allzuviel von dem Kastell Zugmantel, was unter anderem auch dem Ausbau der Hühnerstraße geschuldet ist. Dennoch lohnt ein Besuch, denn ein gut 2km langer Lehrpfad wurde eingerichtet. Was ist ins Auge fällt ist ein rekonstruierter Limes-Wachturm. Dieser Römerturm ist allerdings nur ab und an – kostenpflichtig – geöffnet. Wer sich intensiv mit dem sehr gut erforschten Kastell Zugmantel auseinandersetzen will, sollte die Saalburg besuchen. Hier sind viele Fundstücke aus Orlen ausgestellt.

Dass überhaupt ein so großes Kastell betrieben werden konnte, hat natürlich auch mit der natürlichen Infrastruktur zu tun, denn etwa 500m südlich liegt die Quelle der Aar, dem längsten Fluss im Taunus. Die Aar fließt zunächst südwärts in einer weiten Talsenke durch die Stadtteile Neuhof, Wehen, Hahn und Bleidenstadt. Dann verengt sich das Tal und die Aar richtet sich nach Nordwesten. Sie prägt den hessischen Aartaunus und das rheinland-pfälzische Aartal, bevor sie bei Diez nach 50km in die Lahn mündet.

Man sollte sich aber nicht nur um Wald aufhalten, Orlen selbst ist auch einen Abstecher wert. Im Mittelpunkt des Dorfs steht die schlichte evangelische Kirche von 1616 mit ihrem Dachreiter mit Spitzhelm inmitten des kleinen Kirchhofes. Zusammen mit einer Hofanlage mit einem aus Backstein gemauerten Torbau gegenüber bildet sie den markanten Ortsmittelpunkt.

Auf dem Marktplatz findet unter den alten Lindenbäumen einmal im Jahr der Orler Markt statt. Er soll auf die Zeit zurückgehen, als die Römer den Limes und das Kastell Zugmantel errichteten. Noch heute wird am vorletzten Donnerstag im Juli auf jeden Fall der Orler Markt gefeiert, wobei er mittlerweile eher den Charakter eines Volksfests denn einer Verkaufsveranstaltung hat.