Niederscheld

Am Ende des Scheldetals liegt der Dillenburger Stadtteil Niederscheld. Hier mündet die Schelde nach 12km Länge in die Dill. Seit 1604 arbeitete der Schelder Hammer in Niederscheld. Man lebte vom Eisen des Schelder Walds und das ging gut, bis im Zweiten Weltkrieg wegen der großen Industriepräsenz 80% des Ortes zerbombt wurden. Vor dem Krieg lebten 1.800 Menschen in Niederscheld, nach dem Krieg waren es noch 83.

Mit dem Wiederaufbau entwickelte sich Niederscheld zu einer klassischen Wohngemeinde. Sehenswert im Ort ist vor allem die kleine evangelische Pfarrkirche, ein im Kern noch mittelalterlicher Saalbau mit großem Chorturm. Der Kanzelkorb der Niederschelder Kirche soll aus dem Jagd- und Lusthauses Ludwigsbronn im Donsbacher Tiergarten stammen.

Ein weiteres eindrucksvolles Bauwerk ist das Niederschelder Viadukt, das die Landstraße von Nieder- nach Oberscheld überspannt. Das prächtige Sechsbogen-Bauwerk – das interessanterweise vor Ort gerne Siebengewölbe genannt wird – führte die Scheldetalbahn von der Schelder Hütte über das Scheldetal hin zum Hochofen von Oberscheld. Die Scheldetalbahn fuhr von 1872-1987 die Strecke von Dillenburg durch den Schelder Wald über Gönnern bis nach Wallau im Lahntal.

Auf eine längere Geschichte als die Scheldetalbahn oder gar die Schelder Hütte blickt die Schelder Kirmes zurück. Sie wurde urkundlich belegt schon im Jahre 1488 gefeiert. Rätselhaft ist, warum die Schelder ihre Kirmes nur alle zwei Jahre feiern. Vielleicht hängt das mit der Mordgeschichte zusammen: einer speziellen Niederschelder Tradition, die man als gelungene Mischung aus Tradition, Schabernack und großem Durst charaktisieren kann. Wie dem auch sei: in ungeraden Jahren jeweils am zweiten Wochenende im August und dann für eine ganze Woche heißt’s in Niederscheld: Wem is de Kirmes? Uuuuhhhser!

Ruhiger und gesitteter geht es jenseits der Dill auf dem Altescheid (281m) zu. Hier hat der Golfclub Dillenburg seinen Court. Der Platz liegt an den Hängen des Hessischen Westerwalds und bietet beim Spiel schöne Aussichten auf das Dilltal, Hörre und Schelder Wald.

Auf der „richtigen“ Seite von Niederscheld – also östlich der Dill – liegt das 30ha große Naturschutzgebiet Weißehöll. Ein Waldlehrpfad führt vom Friedhof Niederscheld hinein ins Schutzgebiet mit schönen Eichen und einer über 350 Jahre alten Rotbuche.

Beim Naturschutzgebiet erhebt sich der Hegetalskopf (401m). Südwestlich vom Hegetalskopf liegt die Ohell, eine Bergnase zwischen Niederscheld und Burg, die von der Dill umsäumt wird. Hier finden sich seltene Farne und Moosarten, dafür aber wenig Wege, weshalb man schon einmal über recht schlecht passierbares Gelände „klettern“ muss.