Nanzenbach

Getrennt durch die Hecke liegt parallel zum Dillenburger Stadtteil Frohnhausen im Dietzhölztal das Dorf Nanzenbach im Tal, das der gleichnamige Bach an der Westflanke des Schelder Walds ausbildet. Nördlich von Nanzenbach – am Gewänn (528m) und am Sang (574m) geht der Schelder Wald in die Bottenhorner Hochfläche über. Hier liegt an dem Bergrücken, der das Nanzenbachtal vom Dietzhölztal trennt, auch die Eschenburg (589m).

Die Eschenburg ist nicht nur als Berg bekannt. 1935-36 wurde auf der Spitze der Eschenburg ein 43m hoher Aussichtsturm errichtet, der zu Ehren der Bergleute errichtet wurde, die täglich den weiten Weg vom Dietzhölztal in die Erzgruben des Schelder Walds zurücklegen mussten. Da der Eschenburgturm im Zweiten Weltkrieg als Funkstation genutzt wurde, fiel er am 23. März 1945 einem Fliegerangriff zum Opfer. Heute erinnert ein Holzmodell an den früheren Aussichtsturm und die Touristiker der Region sind sich einig, dass die Errichtung eines Nachfolgebaus sicherlich viele Wanderer anziehen könnte. Aber auch ohne Turm ist die Eschenburg ein beliebter Aussichtspunkt, seit dem der Orkan Kyrill 2007 ein entsprechende Schneise in den Wald geschlagen hat.

Nanzenbach selbst ist ein besonderes Dorf, es entstand nämlich quasi auf dem Reißbrett. Bei einem Brand 1772 wurde bis auf fünf Häuser das gesamte Dorf zerstört. Der Dillenburger Baumeister Terlinden wurde daraufhin beauftragt, den Ort neu aufzubauen. Um einer erneuten Brandkatastrophe vorzubeugen, ließ er die Häuser alle einheitlich mit dem Giebel zur Straße errichten. So konnten die Nachbarn sich gegenseitig in den Hof schauen, um einen erneuten Brand schnell zu bemerken. Noch heute sind die meisten Häuser wie an einer Perlenschnur aufgereiht mit dem charakteristischen über eine Quertreppe erreichbaren Eingang.

Schon lange vor dem Brand und dem Wiederaufbau siedelten Menschen im Nanzenbachtal. Davor zeugt die Ringwallanlage auf dem Heunstein (471m). Die Ringwallburg Heunstein erstreckte sich auf einer Länge von ca. 650. über den Bergrücken und umfasste eine Fläche von 12ha. Die Wälle sind die vergangenen Reste von Mauern erbaut aus Holz, Erde und Steinen. Ihr Verlauf ist stellenweise nur noch schwach im Gelände erkennbar.

Folgt man dem Nanzenbachtal weiter abwärts, kommt man an einem kleinen Weiher vorbei. Dieser Heuslers Weiher gehört zur Isabellenhütte, einer alten Kupferhütte, die 1482 erstmals urkundlich belegt ist und damit als ältester Industriebetrieb in Hessen gilt. Um den kleinen Heuslers Weiher führt ein Spazierweg, von dem man dann auch weiter ins Nanzenbachtal marschieren kann.

Die Isabellenhütte selbst ist nach wie vor aktiv. Wie so oft in Deutschland ist es heute nicht mehr die bloße Verarbeitung von Metall, sondern Technologie, die das Überleben sicherte. 1901 entdeckte der damalige Hüttendirektor Friedrich Heusler die nach ihm benannten Heuslerschen Legierungen. Auf der Basis dieser Erfindung fertigt die Isabellenhütte heute u.a. Präzisionswiderstände und elektronische Thermoelemente.

Oberhalb von Heuslers Weihers erhebt sich zum Dilltal hin die Adolfshöhe (365m). Auf ihrer Westflanke liegt der Bismarcktempel, ein 1884 hergestellter, eiserner Messe-Pavillon, der nach seinem Einsatz hier als Aussichtspunkt aufgestellt wurde und einen schönen Blick auf die Altstadt von Dillenburg mit dem hoch aufragenden Wilhelmsturm eröffnet.

In unmittelbarer Nähe befindet sich auch das Förster Georg Ludwig Hartig Denkmal. Damit gedenkt die Stadt Dillenburg dem aus Gladenbach stammenden Forstmeister, der von 1797-1806 als Landesforstmeister in Dillenburg arbeitete. Hartig gilt als einer der Begründer der modernen Forstwirtschaft und entwickelte das Grundprinzip der Nachhaltigkeit.