Gladenbach

Gladenbach nennt sich in der Eigenwerbung gerne das grüne Herz des Hinterlands und tatsächlich liegt die Stadt inmitten ausgedehnter Wälder am Einlauf des kleinen Bornsbachs in die Salzböde inmitten des Lahn-Dill-Berglands. Östlich erhebt sich der Hausberg von Gladenbach, der Kirchberg (362m), von dem man einen schönen Blick auf das Zentrum des Gladenbacher Berglands hat.

Die Formulierung „grünes Herz“ kann man aber nicht nur auf die Lage von Gladenbach beziehen, sondern auch auf die Tatsache, dass hier in Gladenbach Georg Ludwig Hartig (1764-1837) geboren wurde. Er gilt als Erfinder der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft und wirkte in Hungen, Dillenburg, Stuttgart und zuletzt als Leiter der preußischen Forstverwaltung in Berlin. Hier gründete er an der heutigen Humboldt-Universität einen Lehrstuhl für Forstwissenschaft, aus der später die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde entstand.

Zum Gedenken an Georg Ludwig Hartwig heißt der Kurpark des Luftkurorts (seit 1958) und Kneipp-Heilbads (seit 1983) Georg-Ludwig-Hartig Park. In der weitläufige Parkanlage am westlichen Rand von Gladenbach steht ein Gedenkstein, der an den großen Forstwissenschaftler erinnert.

Direkt im Anschluss an den Georg-Ludwig-Hartig Park liegt die Burgruine Blankenstein. Ursprünglich stand an dieser Stelle wohl schon seit Anfang des 9. Jahrhunderts eine Anlage, die aber vermutlich 1237 von den Herren aus Merenberg mit einer Höhenburg zum Schutz der Handelsstraße von Köln nach Leipzig überbaut wurde. 1480 starb auf Burg Blankenstein der hier inhaftierte Erzbischof und Kurfürst von Köln, Ruprecht von der Pfalz. Im Jahre 1647 wurde Burg Blankenstein zerstört. Nach dem Westfälischen Frieden errichtete man 1648 in den Ruinen ein neues Amtshaus. Heute sind nur noch einige Ruinen erhalten, die besichtigt werden können.

Eine weitere kleine Burganlage vermuten Heimatforscher auf der südlich von der Burgruine Blankenstein gelegenen Lammerich (357m). Der Gipfel dieses Höhenzugs wird auch Naumburg genannt und hier finden sich tatsächlich Reste einer alten Befestigungsanlage: Ein Ringwall und ein breiter Graben schützen ein Plateau von ca. 47m Länge und 22m Breite. Befestigte Überreste einer Burg wurden bisher aber nicht nachgewiesen. Die schöne Fernsicht in die Täler des Bornsbachs, der Kehlnbachs und der Salzböde sind aber auch heute noch ein großer Vorzug für einen Aufstieg auf die Lammerich.

Der Innenstadtbereich von Gladenbach wird von der evangelischen Martinskirche dominiert. Die ursprünglich im 13. Jahrhundert als dreischiffige, romanische Basilika errichtete Martinskirche erhielt um 1500 Chor und Kreuzgewölbe im gotischen Stil. Die Sandsteinplatte des Altars stammt noch aus der Gründerzeit der Kirche. Neben der Pfarrkirche ist auch das alte Pfarrhaus am Bornrain, ein großer Fachwerkbau von 1607, erhalten.

Ein kleines, aber feines katholisches Pendant stellte die 1855 erbaute Kapelle in der Gießener Straße dar. Sie wurde von italienischen Gastarbeiten errichtet, die am Bau der Bahnstrecke zwischen NIederwalgern und Hartenrod beschäftigt waren. Heute ist die Kapelle in Privatbesitz und kann nur von außen betrachtet werden.

Das Heimatmuseum Amt Blankenstein in Gladenbach beschäftigt sich hauptsächlich mit der Geschichte des früheren Amts Blankenstein, eines Gerichtsbezirks, der große Teile der heutigen Kommunen Gladenbach und Bad Endbach umfasste. Man findet das Gladenbacher Heimatmuseum im Haus des Gastes. Hier werden u.a. ein Modell der früheren Burg Blankenstein, Ausgrabungsstücke, eine Bauernstube und eine Schusterwerkstatt präsentiert. Weiteres Thema des Museums ist die Geschichte der Gladenbacher Juden.

Jedes Jahr werden in Gladenbach der Brunnenmarkt (dritter Sonntag im Oktober) und der Kirschenmarkt (erstes Juliwochenende) veranstaltet. Der Kirschenmarkt ist das größte Volksfest im Gladenbacher Bergland mit mehr als 100.000 Besuchern. Auf dem Kirschenmarkt gibt es einen großen Krammarkt mit über 200 Händlern, Fahrgeschäfte und einen großen Festumzug.

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