Hungen

Restaurant & Gästehaus Am KirchleinRestaurant & Gästehaus Am Kirchlein

An der Schnittstelle zwischen Gießener Becken und Wetterau liegt die oberhessische Stadt Hungen im Horlofftal. Hungen wurde einst – wahrscheinlich im 8. Jahrhundert – an der wichtigen Verkehrs- und Handelsroute durch die kurzen Hessen gegründet und von Kaiser Karl dem Großen der Abtei in Bad Hersfeld übereignet, weshalb der Landstrich in der Folge zur Hersfeld‘schen Mark wurde.

In der Kernstadt Hungen erzählen zwei herausragende Bauten von der Geschichte der Stadt. Die evangelische Stadtkirche und das Schloss. Ein bedeutsames Fachwerkhaus war das Amtshaus aus dem 16. Jahrhundert. Das steht aber nicht mehr hier, sondern im Hessen-Park bei Neu-Anspach im Taunus.

Die evangelische Stadtkirche nahe des Marktplatzes wurde 1286 erstmals schriftlich festgehalten. Baustile von der Romanik bis zum Barock wurden hier miteinander verwoben. Der untere Teil des Turms zwischen Chor und Schiff ist romanisch und wurde auf das Ende des 12. Jahrhunderts datiert. Einige Jahrzehnte später wurden die zwei Obergeschosse aufgesetzt. 1518 wurde der Chorraum geweiht, der durch ein schmiedeeisernes Gitter vom Turm getrennt ist und dem Grafenhaus Solms-Hungen fiele Jahre als Grabkapelle diente. Zwischen 1596 und 1608 wurde das Kirchenschiff vergrößert.

Interessant sind auch die Sitzgelegenheiten der Fürsten, mit ihren Rückenlehnen, deren Muster an zigfach vergrößerte Schneeflocken erinnern. Im Turm wurden 1905 wertvolle Fresken unter Farbschichten entdeckt und wieder freigelegt, wie das Fresko Marientod, das von Johannes und eines das vermutlich Jacobus darstellt, weshalb einige Jakobsweg-Pilgerer in Hungen Station machen.

Westlich des Marktplatzes in Hungen steht das Schloss Hungen, dessen Ursprünge ins 15. Jahrhundert zurückreichen. Das Schloss steht an der Stelle einer Burg, die 1383 erstmalig erwähnt wurde. 1455 baute Graf Bernhard von Solms-Braunfels eine neue Burg, die in den folgenden Jahren erweitert wurde. 1572 räumte Graf Philipp auf, riss einige Teile nieder und baute andere neu, wie den Treppenturm. Später wurde das Schloss barock umgestaltet.

Zeitweilen diente Schloss Hungen den Nazis als Sammelort der geklauten jüdischen Kulturgüter. Später war es Altenheim und auch Gastarbeiterwohnheim. Zum Glück erwarb 1974 eine Eigentümergemeinschaft das Schloss. Ihnen ist es zu verdanken, dass es heute so märchenhaft hübsch und belebt ist. Rund 22 Wohnungen sind entstanden mit insgesamt 114 Räumen. Zwei Räumlichkeiten stehen für Konzerte und Ausstellungen zur Verfügung.

Der Blaue Saal, der den Namen durch den ihn schmückenden blauen Kachelofen hat, bietet Platz für bis zu neunzig Gäste, die Lesungen, Konzerte oder Kabarett genießen möchten. Als hier die Gastarbeiter untergebracht waren, wurden Wände in den Saal eingezogen, die nach der Übernahme durch die neuen Eigentümer wieder entfernt und der Saal im Stile des 18. Jahrhunderts restauriert wurde.

Bis zu 26 Pferde standen früher im gräflichen Stall. Heute ist der Pferdestall des Hungener Schlosses beliebter Ausstellungsort. Skulpturen, Malereien, Fotografie, Themenausstellungen – das Schloss ist ein zentraler Ort in Hungen, für Kunst und Kultur.

Hungen nennt sich selbst die Schäferstadt. Das resultiert aus dem Schäferfest, das seit 1922 alle zwei Jahre am letzten Sonntag im August in Hungen stattfindet und die Stadt zum Mittelpunkt der hessischen Schafzucht macht. Vorläufer des Schäferfestes waren die Zunfttage, die bereits im 14. Jahrhundert begangen wurden. Neben dem geselligen Teil dient das Schäferfest Hungen dem gegenseitigen Erfahrungsaustausch und der beruflichen Förderung der Schäfer.