Hirzenhain (Eschenburg)

Eingerahmt von Bubalz (537m), Sang (574m) und Kurzbeul (566m) liegt das Fliegerdorf Hirzenhain im Übergang vom Schelder Wald in die Bottenhorner Hochfläche. Seinen Beinamen Fliegerdorf verdankt Hirzenhain der langen Tradition der Segelfliegerei. 1923 wurde hier der zweite Segelfliegerverein der Welt gegründet.

Zunächst betrieb der Segelflieger-Club einen kleinen Flugplatz am Kurzbeul, wo 1936-37 auch die Segelfliegerhalle errichtet wurde, die bis heute Sitz des Vereins ist. Hier am so genannten Eiershäuser Hang starten heute aber nur noch Modellflieger. Aus Sicherheitsgründen wurde 1965-66 direkt an der Landstraße von Eiershausen nach Hirzenhain-Bahnhof der neue Flugplatz Hirzenhain errichtet. Er ist als Sonderlandeplatz klassifiziert und auch für Motorflugzeuge bis zwei Tonnen Gewicht zugelassen.

Von 1955-95 war unterhalb von Hirzenhain im Schelder Wald die ehemalige Erzgrube Amalie als Haus der Luftsportjugend der zentrale Ausbildungsort für den Segelflieger-Nachwuchs aus ganz Deutschland. Heute dient das Fritz-Stamer-Haus als Tagungsort und Unterkunft für Gruppenreisende.

Nicht nur das Segelfliegen, auch das Skifahren hat in Hirzenhain eine jahrzehntelange Tradition. Seit über 50 Jahren gibt es den Skiclub Hirzenhain, der 1945 als einer der ersten hessischen Wintersportvereine gegründet wurde. Das erste Vereinsheim wurde 1947 auf der Hohen Koppe (540m) errichtet. Seit 1973 wird Ski alpin aber am Eiershäuser Hang des Kurzbeul (566m) betrieben. Ein 450m langer Skilift mit Flutlichtanlage zieht viele Skifahrer bei guten Schneeverhältnissen nach Hirzenhain.

Einmal angekommen in Hirzenhain, fällt dem Besucher sofort die malerische Dorfkirche im Zentrum ins Auge. Die evangelische Kirche Hirzenhain wurde 1725 an Stelle einer älteren Vorgängerkirche errichtet. Auf einem der tragenden Balken ist noch die Jahreszahl 1688 zu lesen. Bemerkenswert sind die Malereien, die bei einer Renovierung 1981-82 wieder freigelegt wurden.

Etwa zwei Kilometer östlich von Hirzenhain liegt der Ortsteil Hirzenhain-Bahnhof. Er entstand in Folge des Baus der 1911 eröffneten Schelde-Lahn-Bahn, die Dillenburg mit Wallau an der Lahn verband. Bereits 1872 fuhren erste Züge im Scheldetal, um die Hochöfen und Erzbergwerke mit der Industriestadt Dillenburg zu verbinden. Die Strecke vom Bahnhof Herrnberg im Scheldetal auf die Bottenhorner Hochfläche erforderte sogar den Einsatz einer Zahnradbahn. 1987 wurde die Strecke stillgelegt und später zurückgebaut. Den Ort Hirzenhain-Bahnhof gibt es aber immer noch, und er bietet immerhin 700 Einwohnern eine Heimat.

Ein Besuch von Hirzenhain ist gerade bei klarem Wetter zu empfehlen - dann lohnt sich nämlich eine Wanderung auf dem Hirzenhainer Höhenflug (14km) ganz besonders. Start dieser etwa vierstündigen Wanderung ist die alte Segelflughalle am Kurzbeul in Hirzenhain. Die Extratour führt über den Kamm des Bubalz, von dem aus man einen schönen Rundblick in die Umgebung werfen kann, über Hüteflächen auf der Warte bis nach Lixfeld. Der Rundweg erfordert eine mittlere Kondition.

Ideal ist natürlich, wenn man das gute Wetter zu Pfingsten hat. Dann nämlich steigt das sehr beliebte und über die Region bekannte Fliegerfest Hirzenhain. Drei Tage wird rund um die Segelfliegerhalle ausgelassen gefeiert.