Königstein

Im Übergang vom Hochtaunus in den Main-Taunus liegt Königstein am Westrand der Hohen Mark. Früher bettelarm, ist Königstein heute einer der reichsten Städte in Deutschland. Geschuldet ist dies der günstigen Lage: Königstein liegt landschaftlich schön im Taunus und verkehrstechnisch fast im Herzen der Metropolregion Rhein-Main. Kein Wunder, dass hier gerne Großverdiener residieren.

Einer dieser (ehemaligen) Großverdiener ist Bauunternehmer Jürgen Schneider, der u.a. die Zeil-Galerie in Frankfurt und die Mädler-Passage in Leipzig baute. Bekannt ist er aber nicht wegen dieser Bauten, sondern wegen unterlassener Zahlungen an die vielen Baufirmen, die diese Großprojekte realisierten. Die Pleite, die Schneider 1994 hinlegte, brachte Schulden über 4 Milliarden Euro zutage. Seine Flucht beschäftigte wochenlang die Medien und der damalige Deutsche Bank Chef Kopper prägte mit seinem Vergleich, dass die vielen Handwerkerpleiten letztlich für die Bank nur Peanuts seien, das Unwort des Jahres.

Warum dieser Exkurs? Ganz einfach: Schneider ehemaliger Firmensitz ist die Villa Andreae in Königstein und diese zählt nach wie vor zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Kurorts im Taunus. Die Villa Andreae liegt gegenüber von Burg Königstein und wurde 1891 für den Frankfurter Bankier Albert Andreae de Neufville erbaut. Die Villa verfügt über 29 Zimmer und einen Park mit 20.000qm Fläche.

Noch schöner als die Villa Andreae ist in Königstein wahrscheinlich nur noch das Luxemburgische Schloss, das 1858 von Herzog Adolph von Nassau, später Großherzog von Luxemburg, gekauft und dann zu deinem Sommerschloss für seine Frau umgebaut wurde. 1952 brachen die Luxemburger ihre Zelte in Königstein ab und verkauften das mittlerweile Luxemburgische Schloss genannte Anwesen. Seit 1970 ist es im Besitz des hessischen Justizministeriums, das hier das Amtsgericht Königstein angesiedelt hat.

Das Stadtbild von Königstein wird auch maßgeblich durch das alte Rathaus geprägt. Es war früher ein befestigter Torbau und bildete den Zugang zur Burg Königstein. Zwischen 1676-1909 diente der malerische Fachwerkbau dann als Rathaus. Seit 1968 wird im alten Rathaus das Burg- und Stadtmuseum Königstein betrieben. Glanzstück der Sammlung ist das Modell von Burg Königstein im Maßstab 1:100, das von Karl Söhngen 1909-10 hergestellt wurde und die Festung im unzerstörten Zustand von 1790 zeigt.

Die katholische Pfarrkirche St. Marien wurde 1744-50 erbaut und zählt zu den schönsten Barockkirchen im Rhein-Main-Gebiet. Die Marienkirche ersetzte eine gotische Kirche aus dem 15. Jahrhundert, deren Eingang heute noch an der Außenwand zu sehen ist. Die Innenausstattung der Marienkirche gehört zu den bedeutendsten des Mittelrheingebietes.

Der Hochaltar der St. Marienkirche wurde 1785 vom kurfürstlichen Hofstukkator Johann Peter Jäger aus Mainz geschaffen. Zur Ausstattung der Kirche gehört auch eine spätgotische Steinskulptur der Muttergottes aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, die so genannte Königsteiner Madonna.

Jüngeren Datums ist die evangelische Immanuelkirche. 1888 im Stile der Neugotik errichtet, liegt sie unterhalb von Burg Königstein im Schatten des Burghains. Mit ihrer nahezu vollkommen erhaltenen und liebevoll gepflegten Ausstattung ist die Immanuelkirche Königstein eine beliebte Traukirche. Wie die Immanuelkirche selbst wurde auch das 1912 gebaute Gemeindehaus durch Herzogin Adelheid von Nassau unterstützt, weshalb dieses Versammlungshaus auf den Namen Herzogin-Adelheid-Stift hört.

Im Schatten der Burg Königstein vergisst man fast, dass Königstein auch ein Kurort ist. Gut, dass einem diese Tatsache schnell wieder durch das schmucke Kurhaus ins Bewusstsein rückt. Bereits 1860 wurde das Kurhaus im Schwarzwald-Stil für den Bankier Matthias Franz Borgnis erbaut. 1926 kam die Villa Borgnis an die Stadt, die das schmucke Ensemble seitdem als Kurhaus nutzt. In der Villa Borgnis wurde übrigens 1947 die Junge Union – die Jugendorganisation der CDU/CSU – gegründet.

Von der Kernstadt durch die Bundesstraße getrennt liegt das Kurbad Königstein. Durch die blau-orange Farbgebung ist das Kurbad Königstein unübersehbar und vermittelt direkt einen klaren Eindruck von seiner Bauphase: den späten 1970er Jahren. Neben Innenbecken sowie Sauna findet eine Reihe von Kureinrichtungen im Gebäude Platz, 1989 kam ein Außenbecken hinzu. Vor dem Bad befindet sich ein Ausgangspunkt in den Heilklimapark Hochtaunus.

Im Übergang von Königstein nach Falkenstein liegt die Villa Rothschild. Die legendäre Bankiersfamilie aus Frankfurt ließ das Anwesen 1888 in einen 104.000qm großen Park bauen und zur Einweihung kamen illustre Gäste wie der Prince of Wales und Kaiserin Victoria. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Land Hessen die Villa Rothschild und stellte es als Tagungshaus für den Parlamentarischen Rat zur Verfügung, die hier 1949 auf der Konferenz der Ministerpräsidenten die Weichen für die Verabschiedung des deutschen Grundgesetzes stellten. Heute ist die Villa Rothschild ein Hotel, das der Stadt Königstein gehört.

Neben vielen Veranstaltungen rund um die Burg Königstein und die Altstadt gibt es seit 1981 immer zu Pfingsten das Bahnhofsfest Königstein. Veranstalter ist der Verein Historische Eisenbahn Frankfurt. Unter dem Motto „Mit Volldampf in den Taunus“ fahren dann auf der Strecke von Königstein nach Frankfurt-Höchst historische Züge, die u.a. mit Dampflokomotiven der Reihen 01 118 und 52 4867 bespannt sind.

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