Georoute Ruhr Etappe 2 Essen-Kettwig – Essen-Kupferdreh


Erstellt von: SGV
Streckenlänge: 23 km
Gehzeit o. Pause: 5 Stunden 35 Min.
Höchster Punkt: 147 m
Tiefster Punkt: 38 m
Georoute Ruhr Wanderzeichen

Die zweite Wanderung auf der Georoute Ruhr beginnt am Stauwehr des Kettwiger Sees, dem westlichsten der sechs Ruhrstauseen. Von hier nutzt man den alten Leinpfad entlang der Ruhr und folgt ihm entlang des Nordufers des Kettwiger Sees. Man passiert den Bahnhof Essen-Kettwig und steuert die Ruine der Burg Luttelnau an, ein Rittersitz, der in Form einer Turmhügelburg (Motte) angelegt wurde.

Burg Luttelnau ist die einzige noch in Teilen erhaltene Motte an der Ruhr. Von der Turmhügelburg ist noch der Kattenturm erhalten. Der Kattenturm aus unverputztem Ruhrsandstein erhebt sich 13m hoch auf einem Hügel mit 25m im Durchmesser. Die nordöstliche Hälfte des Kattenturms ist eingestürzt, aber die einstigen drei Turmgeschosse sind noch gut zu erkennen. Am gegenüberliegenden Ufer steht Schloss Oefte, dessen Ursprung im 9. Jahrhundert vermutet wird. Seine heutige Gestalt erhielt das nicht öffentlich zugängliche Schloss Oefte allerdings erst im 19. Jahrhundert.

Am Kattenturm knickt die Georoute Ruhr nach links ab und verlässt das Ruhrufer, um hoch hinauf durch den Kettwiger Stadtwald zu führen. Beim Anstieg in einer engen Linkskurve trifft man auf den alten Steinbruch Mitzwinkel. Am Ende der Bruchwand und dort noch wenige Meter um die Felsnase herum findet man ein kleines Kohleflöz, das sogenannte Flöz Neuflöz. Oberhalb des Steinbruchs erreicht man eine Aussichtsplattform mit Parkbank, die zu einer kleinen Rast mit tollen Panoramablicken über das Ruhrtal einladen.

Parallel zur Ruhrtal straße führt die Georoute Ruhr am alten Dohms Erbstollen vorbei. Er diente zur Entwässerung der Zeche Büskes Siepen, die 1858-68 in Betrieb war. Noch heute kann man aus der Böschung austretendes Grubenwasser sehen. Durchs Wolfsbachtal leitet die Georoute Ruhr nordwärts in den Heissiwald. Unterhalb des Wildgatters Essen geht es zur Platte, wo man einen schönen Blick auf den Südzipfel des Baldeneysees und die Ruhrinsel Brehm erwischt und ggf. auch in einer der Gaststätten einkehren kann.

Jetzt leitet die Georoute Ruhr hinab an die Ruhr ins Löwental, vorbei an der 1856-58 errichteten Villa Wiese, die zeitweise dem Bergbamt Werden als Amtssitz diente. Zwei Tafeln im Löwental informieren über den damaligen Kohlenbergbau und erläutern die zu sehenden Gesteinsschichten. So erfährt beispielsweise, dass man anhand eines Rippelmusters auf einem Sandstein erkennen kann, dass sich dort vor über 300 Millionen Jahren ein Meeresgrund befand.

Unterhalb der Brehminsel quert man die Ruhr und kommt in den Essener Stadtteil Werden. Die Georoute Ruhr führt hinauf in die Gemarkung Pastoratsberg, wo einst eine karolingische Ringwallanlage stand und in dieser die St. Clemens Kirche. Von beidem ist nicht mehr viel zu sehen. Bilderbuchhaft sind jedoch die Gesteinsfalten in der Böschung beiderseits der Kreuzung Klemensborn-Albermannstraße zu sehen. Sie verdeutlichen, mit welchen Kräften aus dem Erdinneren ganze Gesteinspakete zu Falten zusammengeschoben wurden. Eine Tafel informiert vor Ort.

Im Zentrum von Werden passiert die Georoute Ruhr das ehemalige Haupthaus des Klosters Werden, das seit 1945 von der Essener Folkwang Universität genutzt wird. Kloster Werden wurde wohl im späten 8. Jahrhundert gegründet und war dann fast tausend Jahre eine Reichsabtei, also direkt dem Kaiser unterstellt.

Hinter dem Folkwanggebäude erheben sich die ehemalige Klosterkirche und heutige katholische Pfarrkirche St. Ludgerus. Sie wurde im Kern 799 erbaut und nach mehreren Bränden um 1275 in der heutigen Form wieder hergestellt. 1993 erhob Papst Johannes Paul II. die Ludgeruskirche in Werden zu einer Basilica minor.

In der karolingischen Ringkrypta liegen die Gebeine des heiligen Liudger, Begründer des Klosters Werden und des Bistums Münster. In der angeschlossenen Ludgerus-Schatzkammer befindet sich mit dem Helmstedter Kreuz ein bedeutendes Kunstwerk des Übergangs von der ottonischen zur romanischen Plastik sowie mit dem Ludgerus-Schrein einer der wenigen barocken Reliquienschreine.

Von der Ludgerus-Basilika wandert man auf der Georoute Ruhr durch die Altstadt von Werden zur evangelischen Kirche, die 1897-1900 erbaut wurde und im Innenraum mit für eine evangelische Kirche ungewöhnlich reichen Schmuckelementen ausgestaltet ist.

Am Stauwehr des Baldeneysees – dem größten der sechs Ruhrstauseen – quert die Georoute Ruhr erneut die Ruhr und leitet unterhalb des weltbekannten Villa Hügel am Ufer des Baldeneysees hinauf zum Schloss Baldeney, das aus einer mittelalterlichen Wasserburg hervorgegangen ist und dem der 1933 fertiggestellte Baldeneysee seinen Namen verdankt.

Unterhalb des Schellenberger Walds geht es auf der Georoute Ruhr weiter entlang des Baldeneysees. Neben dem alten Wohnhaus an der Straße Lanfermannfähre Nr. 657 führt ein kleiner Abzweig zu einem einzigartigen geologischen Aufschluss. Nur dort, an dieser etwa 80m langen Felswand ist die größte Überschiebung des Ruhrgebietes zu sehen. Durch tektonische Kräfte im Erdinneren wurde entlang dieser Störung der Gesteinsverband unterbrochen und bis zu 1km übereinander geschoben. Der Sutan ist vom Raum Kettwig über ca. 120km bis zur Zeche Westfalen in Ahlen zu verfolgen. Hier am Baldeneysee beträgt der Überschiebungsbetrag gut 300m. Eine Infotafel am Ort erklärt die Details.

Weiter entlang der Lanfermannfähre gelangt man zur ehemaligen Zeche Carl Funke, von der heute noch das Fördergerüst des Schachts Carl Funke I als Industriedenkmal erhalten ist.

Auf der Schlusspassage dieser Tageswanderung auf der Georoute Ruhr wandert man durch das Vogelschutzgebiet Heisinger Bogen, das bereits in den 1930er Jahren direkt mit dem Bau des Baldeneysees angelegt wurde. Hier fühlen sich heute nicht nur Graureiher, Kormorane und Enten wohl, sondern auch die Nilgans und der Eisvogel.

Am Ende des Heisinger Bogens führt die Georoute Ruhr an der geologischen Wand Kampmannbrücke vorbei. In dem zur Parkanlage umgestalteten Steinbruchgelände sind mehrere Kohleflöze zu sehen: Flöz Dünnebank, Flöz Dickebank und Flöz Angelika. Letzteres wurde früher im Stollenbetrieb abgebaut. Rekonstruierte Stolleneingänge und eine Kohleverladeeinrichtung mit Kreiselkipper erinnern noch an den frühen Bergbau.

Der weitere Weg über die Kampmannbrücke bringt den Wanderer schließlich auf die Zielgeraden zum Marktplatz im Essener Stadtteil Kupferdreh.

Georoute Ruhr Etappen


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IVW