St. Ludgerus Basilika (Kloster Werden)

Der Essener Stadtteil Werden, der sich zwischen dem Kettwiger See und dem Baldeneysee links und rechts der Ruhr erstreckt, geht auf die Gründung der Benediktinerabtei Werden zurück.

Gründer des Klosters Werden war der heilige Liudger (742-809). Der bei Utrecht geborene Missionar wirkte zunächst bei Friesland, bevor er nach Westfalen kam. Er wurde 805 der erste Bischof von Münster und hatte fleißig Schenkungen entgegengenommen, gesammelt und getauscht, bevor er um 799 das Kloster Werden gründen konnte. Das Privileg dazu bekam er von Karl dem Großen im Jahr 802, so eine Urkunde, von der es heißt, sie sei womöglich eine Fälschung. Das Kloster Werden wurde 1803 säkularisiert und damit aufgehoben.

Ganz in echt sieht man heute noch die Ergebnisse der Klostergründung mit der St. Ludgerus Basilika und dem Kloster Werden, in dem die Folkwang Universität der Künste ihren Hauptsitz hat. Die Gebäude der ehemaligen Abtei Werden am Klemensborn nahe dem Alten Rathaus am Werdener Markt stehen mit einem Teil der Stadtmauer sowie dem Preußenflügel mit Turm unter Denkmalschutz und stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Der Torbau der Abteilichen Residenz entstand 1794 im klassizistischen Stil und gewährt den Zutritt zum Innenhof. Dort steht man dann vor einem barocken Mittelbau, dreigeschossig, 15-achsig und mit einem Mansarddach gedeckt. Auffallend ist auch das großen Mittelrisalit mit einem geschwungenen Giebel. Links und rechts schließen sich Seitenflügel an. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Abtei große Schäden und wurde in den 1950er Jahren wieder aufgebaut.

In der seit 1979 der Öffentlichkeit zugängigen Schatzkammer St. Ludgerus ist neben rund achtzig Kunstwerken der goldene Ludgeruskelch zu bewundern, der wohl um das Jahr 1000 gefertigt wurde. Ein weiteres Highlight ist die kleine Dose aus Elfenbein (Elfenbeinpyxis), in der Hostien aufbewahrt werden. Die Pyxis stammt aus dem 6. Jahrhundert und wurde von Liudger auf einer Reise nach Rom mitgebracht.

Liudger gründete auch das Kloster in Helmstedt. Hier wurde um 1060 ein Großkruzifix aus Bronze gefertigt und kam später nach Werden. Das Helmstedter Kreuz (auch Werdener Kruzifix genannt) ist eines der wichtigsten Spätwerke der Zeit ottonischer Kunst.

Der Schrein, in dem die Reliquien des heiligen Liudger gesammelt sind, ist eine gold- und silberglänzende Arbeit aus dem Jahr 1787, der für die Ludgerusprozession geschaffen wurde. Die jährlich am ersten Sonntag im September stattfindende Prozession wird seit dem 12. Jahrhundert durchgeführt und geht auf den Abt Bernhard zurück, der sie zum Dank für das Ende einer Schlechtwetterphase initiiert hat.

Die Pfarrkirche St. Ludgerus entstand Anfang des 9. Jahrhundert als Abteikirche des Klosters Werden und wurde im 13. Jahrhundert romanisch umgestaltet. Die Kirche wurde zu einer romanischen-gotischen dreischiffigen Emporenbasilika mit einem Querschiff und erhielt den markanten großen Vierungsturm. Der Kirchturm ist oktogonal und hat einen spitzen Helm. Im Inneren sind noch Reste von Wandmalereien aus dem 10. Jahrhundert erhalten. 1983 wurde die St. Ludgerus Kirche durch den Papst zur Basilica minor erhoben.

Die Folkwang Universität der Künste mit ihrem Hauptsitz in den Gebäuden der einstigen Abtei Werden, wurde 1927 gegründet. Mit rund 1.650 Studenten ist sie die zweitgrößte Kunsthochschule Deutschlands. Sie widmet sich der Musik, dem Theater, Tanz und Gestaltung im Bereich der darstellenden und bildenden Künste sowie der Kunstwissenschaft. Bekannte Absolventen der Folkwang Universität sind etwa die Schauspieler Jürgen Prochnow, Thekla Carola Wied, Michael Mendel und Armin Rhode und die Choreographin Pina Bausch.

Der Name Folkwang ist altnordisch und kann mit Volksfeld übersetzt werden. Folkwang ist in der nordischen Mythologie der Wohnsitz der Göttin Freya, Göttin der Liebe und Ehre. Anfang des 20 Jahrhunderts entstand der Folkwang-Gedanke: Kunst und Leben seien versöhnbar. Kunstsammler Karl-Ernst Osthaus gründete 1902 das Folkwang-Museum in Hagen, das nach seinem Tod nach Essen verkauft wurde und als spiritus rector der Folkwang-Schule diente.