Essen-Werden

Ins Ruhrtal zwischen Essen und Heidhausen schmiegt sich der Stadtteil Werden, das auch gerne als Perle an der Ruhr bezeichnet wird. Die einstige Abtei-Stadt Werden liegt unterhalb des Baldeneysees und besitzt eine schöne Altbausubstanz, die sich rund um die St. Ludgerus Basilika erstreckt.

Die Brehminsel, in Werden einfach die oder auch der Brehm genannt, wurde bereits im 16. Jahrhundert von der Abtei Werden genutzt. Im ausgehenden 19. Jahrhundert mietete ein Tuchweberfabrikant die Brehminsel und ließ Bäume pflanzen. Davon haben die Werdener heute noch was. Die Brehm, umspielt von der Ruhr und dem Heyerstrang, ist Werdens Stadtpark im Wasser mit alten Bäumen, einem Spielplatz, Platz für Ballsportarten und einer Seilbahn.

Am nördlichen Ende der Insel liegt die Schleuse Neukirchen, die 1777-78 erbaut wurde und einen wichtigen Anteil daran hatte, dass die Ruhr schiffbar gemacht werden konnte. Die Neukircher Schleuse wurde vom Abt des Klosters Werden gebaut, um das Neukircher Wehr zu überwinden, das Energie für die Mühlen lieferte. In der so genannten Weißen Mühle ist seit 2003 ein Teil der Folkwang Hochschule mit Unterrichtsräumen des Studiengangs Musical beheimatet.

Über eine kleine Brücke gelangt man von der Brehminsel zur Altstadt. Am Werdener Markt steht das alte Rathaus, ein auffälliger Bau aus dem Jahr 1880, der 1912-13 umgebaut wurde und heute beispielsweise die Stadtbibliothek beherbergt. Das alte Rathaus ist zweigeschossig im historisierenden Stil mit Elementen der Renaissance. Man sieht unten Rundbogenfenster, darüber Fenster mit klassizistischem Schmuck und Volutengiebel. Auf dem Rathaus ist ein Dachreiter mit einer Glocke. Erker und ein Säulenportal bilden weitere Schmuckelemente.

Direkt daneben befindet sich die Hirsch-Apotheke, deren Bau aus der Zeit um 1800 stammt. Gegenüber auf der Straßenseite steht ein Wohn- und Geschäftshaus von 1902. Auf einem kleinen Platz daneben steht St. Liudger auf einer hohen Stele in einem Brunnen. Er war im 8. Jahrhundert der Gründer des Benediktinerklosters Werden. Seiner wird jährlich im September mit einer Prozession gedacht.

Über achtzig Baudenkmäler sind in Werden zu finden. Eines der ältesten Wohnhäuser ist das Romanische Haus in der Hufergasse 7/9. Es ist aus dem 12. Jahrhundert und zwischen weitere Häuser eingebaut. Man erkennt es geübten Blickes, wenn man auf Natursteinmauern achtet. Das schlanke Haus ist oben verschiefert.

Parallell zur Hufergasse, die quasi hinter dem Rathaus abzweigt, verläuft die Heckstraße, die vom Platz vor dem Rathaus aus erkundet werden kann. In der Heckstraße 54/56 steht die evangelische Stadtkirche Essen-Werden, die 1900 geweiht wurde. Die Backstein-Saalkirche auf einem Kreuzgrundriss mit Formen der Renaissance hat im Inneren wertvolle Jugendstil-Malereien. Für eine reformierte Kirche ist sie ausnehmend aufwändig gestaltet.

In der Heckstraße 67 steht das auffällige Haus Heck. Der alte Rittersitz wurde um 1400 als „dat hys an der Hecghe“ benannt. Das hohe zweigeschossige Natursteinhaus mit dem Turm, der vermutlich aus dem 11. Jahrhundert stammt, war im 16. Jahrhundert lediglich Ruine und wurde wieder aufgebaut. Es diente als Ruhrzollinspektion und gehört seit 1966 zur evangelischen Kirchengemeinde Werden.

Geht man die Heckstraße weiter in Richtung Ruhr kommt man zur katholischen St. Lucius Kirche. Ihr Ursprung liegt im Jahr 995. Sie war die Filialkirche des Klosters Werden. Am Anfang war es eine Saalkirche mit Chor und Apsis. Bereits 1063 war daraus eine dreischiffige Kirche geworden, mit Nebenchören. Der Westbau kam zum Ende des 11. Jahrhunderts hinzu und die Kirche erhielt eine Ausmalung. Nach der Säkularisation war die Kirche unter anderem Kornlager oder Wohnraum und wurde 1965 neu geweiht.