Erpel

Erpel, die alte Herrlichkeit am Rhein, liegt zwischen Linz und Unkel am Südfuß des Übergangs von Rhein-Westerwald ins Siebengebirge. Lokalpatrioten bilden aus dem Ortsnamen das Anagramm „Perle“ und beziehen sich dabei auf Lage und den mittlelalterlichen Stadtkern, der trotz Kriegswirren und Moderne noch so ähnlich erscheint, wie es Merian 1664 auf einem Kupferstich festgehalten hat.

Bekannt ist Erpel vor allem wegen der Erpeler Ley (191m), neben der Loreley und dem Drachenfels der markanteste Bergsporn am Rhein. Die Erpeler Ley ist ein Basaltfels, der schon in römischer Zeit als Steinbruch diente. Seit 1941 steht die Erpeler Ley unter Naturschutz, weil sich hier einige seltene, wärmeliebende Arten zurückgezogen haben, etwa die Zippammer und der Wanderfalke bzw. an Pflanzen die Goldaster und das Federgras.

Auf dem Gipfelplateau der Erpeler Ley steht ein Holzkreuz, das zum Gedenken an die Opfer im Kampf um die Brücke von Remagen errichtet wurde. Von hier hat man einen Panoramablick vom Siebengebirge mit Unkel im Vordergrund über die linksrheinische Goldene Meile mit der Römerstadt Remagen und der Mündung der Ahr bis zur bunten Stadt Linz am Rhein. Am Südhangrand erinnert ein achtzig Zentner schwerer Trachytblock an die erste Fahrt eines lenkbaren Zeppelins über den Rhein im Jahr 1909. Pilot war Graf von Zeppelin höchstpersönlich.

Erpel wurde im Zweiten Weltkrieg stark in Mitleidenschaft gezogen, konnte aber trotzdem sein mittelalterliches Stadtbild bewahren. Von der ehemaligen Stadtbefestigung aus dem Jahr 1420 ist noch das Neutor erhalten. Das Linzer Tor im Süden und das Schleidentor östlich vom Marktplatz sind nicht erhalten, das Rheintor aus dem frühen 13. Jahrhundert wurde um 1589 mit dem Fronhof überbaut. Der Fronhof wurde vom Kölner Domkapitel errichtet und 1725 mit einem sechsseitigen Gartenhaus erweitert. Die Anlage diente vorrangig den Amtsverwaltern während der Weinlese als Aufenthaltsort.

Malerische Fachwerkbauten und freistehende Häuser in hochgelegenen Gärten gruppieren sich um die spätromanische St. Severinus Kirche. Die um 1230 erbaute Kirche St. Severinus vereint frühromanische und frühgotische Bauabschnitte in sich. Der Turm stammt von einer älteren Kirche vermutlich aus dem 10. Jahrhundert. Der Turm enthält auch die große Osannaglocke aus dem Jahr 1388. Die Kirchenfenster im Chor wurden im 15. Jahrhundert vergrößert, weitere Umbauten erfolgten im 18. Jahrhundert. Nach einer Legende nahm das ältere Gotteshaus die Gebeine der Heiligen drei Könige auf, als der Erzbischof Rainald von Dassel sie 1164 von Mailand nach Köln brachte. Daran erinnern die drei Kronen im oberen Feld des Ortswappens.

Vom Kirchplatz aus sieht man das barocke Rathaus mit Mansarddach und kleinem Dachreiter, das 1780 an der Stelle eines kleineren Bürger- und Gerichtshauses von 1624 durch den Maurermeister und Architekten Franz Ignaz Freeg errichtet wurde. Zwischen 1816 und 1822 residierte hier der Landrat des Kreises Linz.

Verlässt man Erpel, geht es direkt steil bergan auf die Linzer Höhe. Der im Erpeler Kirchspielwald gelegene Asberg (441m) ist die höchste Erhebung der Linzer Höhe und des gesamten Landkreises Neuwied.

Am dritten Sonntag im September findet in Erpel das Weinfest statt. Freitags und Samstag stehen der Wein und das Feiern im Vordergrund. Sonntags veranstalten die Erpeler zur Dahlienblüte einen großen Blumenkorso durch die Gassen der Altstadt. Über 50.000 Blüten werden den Tausenden von Zuschauern in liebevoll hergerichteten Wagen präsentiert. Und montags zum Abschluss des Weinfests kommt die Remagener Weinkönigin vom anderen Ufer mit ihrem Gefolge, so dass es noch mal hoch her geht.