Erndtebrück

In einer Mulde am Zusammenfluss von Eder und Benfe liegt Erndtebrück. Die Benfe ist ein 11km langer Bach, der in der Nähe des gleichnamigen Orts unweit der Eder-Quelle entspringt. Benfe liegt eingebettet zwischen Jagdberg (635m), dem Weibelskopf (621m) und dem Aukopf (645m).

Erstmals wird Erndtebrück 1256 durch Ritter Conradus von Ermingardibruggern (Irmgartbrucken) erwähnt. An der Eder entlang, weiter durch das Siegerland und bis hin nach Köln verlief eine bedeutende mittelalterliche Handelsstraße, die Kölnische Straße, die auch durch Erndtebrück führte. Ermingard gilt als Schutzheiliger der Brücke, auf der die Kölnische Straße die Eder überquerte. Und Ritter Conradus dürfte mit seiner Sippe recht gut von den Wegezöllen über eben diese Brücke gelebt haben.

Auch sehr viel später spielte der Verkehr in Erndtebrück eine große Rolle. Um 1900 führten mehrere wichtige Bahnstrecken zwischen Kreuztal und Marburg, Bad Berleburg und Altenhundem durch den Ort. Der wurde so zum wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Wittgensteiner Land und für das benachbarte Siegerland. Ein Bahnbetriebswerk unterstrich diese Bedeutung, Erndtebrück wurde zum Eisenbahnerdorf. Heute trägt der Ort an manchen Tagen schwer an dieser Vergangenheit, denn die viel befahrene B 62 führt mitten durch ihn hindurch.

Ganz angemessen für eine Gemeinde, in der die Fortbewegung schon immer eine solch große Rolle spielte, ist die private Oldtimer-Sammlung von Rudolf Bald, die in Erndtebrück besichtigt werden kann. Rund zwanzig liebevoll restaurierte Motorräder, mehrere Autos und ein legendärer Lanz-Bulldog lassen sich hier bestaunen.

Im ehemaligen Rathaus ist das Heimatmuseum Erndtebrück untergebracht. Die unterschiedlichsten Exponate informieren den interessierten Besucher in 18 Räumen über die Geschichte des Ortes und vor allem die große Bedeutung der Eisenbahn für Erndtebrück. So ist zum Beispiel der letzte Vorkriegsfahrplan aus dem Jahr 1939 hier zu besichtigen. Daneben befindet sich in den Räumen eine Teddybären- und Puppen-Ausstellung.

Nur einen Katzensprung nördlich vom Erndtebrücker Zentrum, umgeben von Gewerbegebieten, liegt das interessante Naturschutzgebiet Auf der Struth. Es ist ein echtes Hochmoor im Edertal, noch dazu eines der letzten seiner Art. Über drei Meter dick ist an den stärksten Stellen die Torfschicht, die zahlreichen gefährdeten Pflanzenarten einen Lebensraum bietet. Allerdings ist Wittgensteins ältestes Moor gefährdet durch eine eingeschleppte Zierpflanze, den Spierstrauch, der sich auf der Fläche breit macht. Mit einer Verdunkelung durch Folie soll der wuchernden Plage Einhalt geboten werden. Mit welchem Erfolg, das ist noch ungewiss.

Militärgeschichte erlebbar macht das Museum im Gefechtsführungsbunker Erich auf dem Wabrich (568m) südöstlich der Innenstadt von Erndtebrück. Vor allem die Zeit des Kalten Krieges wird hier gezeigt. In dieser Zeit wurde vom Bunker Erich aus per Radar der Luftraum überwacht.

Südöstlich von Erndtebrück erhebt sich der Ebschloh (684m), der höchste Berg in der Gemeinde Erndtebrück. Über den Ebschloh verläuft ein Teil der Rhein-Weser-Wasserscheide: An der Südflanke des Ebschloh entspringt der kleine Oberndorfer Bach, der über den Rüppersbach der Lahn zufließt. An der Nordflanke des Ebschlohs entspringt der Rammelsbach, der in die Eder mündet, die selbst nordwestlich am Berg vorbeizieht. Auf dem Ebschloh befinden sich zwei schon von weitem sichtbare Radarkuppeln, unter denen Radarantennen für die Flugüberwachung installiert sind. Unterhalb der unteren Radarkuppel befindet sich auf rund 660m ü. NN der Schießstand Ebschloh.