Bernkastel (Bernkastel-Kues)

Links der Mosel das Winzerdorf Kues, rechts der Mosel die mittelalterliche Stadt Bernkastel (1291 erhielt man die Stadtrechte) und seit 1905 firmiert man zusammen als Bernkastel-Kues. Über Bernkastel wacht die Ruine der Burg Landshut, ehemaliger Sommersitz der Trierer Erzbischöfe und heute ein beliebter Aussichtspunkt über das Moseltal.

Einst war der mittelalterliche Stadtkern von Bernkastel ummauert. Ältestes Relikt der Stadtmauer ist das Graacher Tor, das letzte von früher acht Durchlässen. Das Graacher Tor wurde um 1300 gebaut. Das Ende der Stadtbefestigung kam 1689 mit den Soldaten von Ludwig XIV. Auch das Graacher Tor wurde geschleift. Ein Umbau des Tores fand im 18. Jahrhundert statt. Es büßte 2/3 an Höhe ein. 1985 wurde dann im Graacher Tor ein Heimatmuseum eingerichtet.

Ein Stadtrundgang beginnt sich ganz gut am Marktplatz mit dem St. Michaelsbrunnen aus dem Jahr 1606. Hier trifft man auch gleich auf das historische Panorama mit zahlreichen Häusern aus dem 16. und 17. Jahrhundert, die sich mit ihren Giebeln zum Platz hin verneigen, teils mit offenem Fachwerk, teil verputzt, oft mit Geschäften oder Lokalen im Untergeschoss und auch oft mit schönen Erkern versehen.

Das Gasthaus zur Badstube beispielsweise ist ein dreigeschossiger Fachwerkbau mit einem Hallenerdgeschoss und aus dem Jahr 1583 und wahrhaft schmuck ausgeführt. Benachbart ist das Rathaus im Renaissancestil. Der dreigeschossige Massivbau hatte einst unten eine offene Markthalle und stammt aus dem Jahr 1608.

Ein auffälliges Fachwerkhäuschen steht in der Karlstraße und heißt Spitzhäuschen und wer davorsteht, weiß warum. Hier wurde das Grundstück maximal bebaut auf kleiner Fläche. Das Haus aus dem Jahr 1416 kragt deutlich im zweiten Geschoss hervor und ganz spitz sitzt das Dachgeschoss auf.

In der Burgstraße zieht sich entlang der Front und über die Breite die Gaststätte Alter Klosterhof. Hier hatte man 1456 offensichtlich deutlich mehr Grund zur Verfügung. Das Fachwerkhaus ist im Kern mittelalterlich wurde jedoch mehrfach verändert.

An der Mosel entlang zieht sich die Straße Gestade. Dort säumen oftmals prächtige Massivbauten ab dem 18. Jahrhundert die Stadtansicht. Die repräsentativen Bauten, teils aus Schiefer, beherbergen Gastronomie oder wie das mit der Hausnummer 6, die Touristeninformation in der ehemaligen neugotischen Schule aus dem Jahr 1880.

Ein sehr interessantes Ensemble ist die katholische Pfarrkirche St. Michael und St. Sebastian aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die dreischiffige Pseudobasilika erhielt eine Mittelschifferweiterung im 17. Jahrhundert und 1968 wurde die barocke Fassade wiederhergestellt. Die hebt sich deutlich vom Schiefbruchsteinturm aus dem 14. Jahrhundert ab. Der 56m hohe Turm war wohl einst Teil der Stadtbefestigung und wurde erst später in die Kirche einbezogen.

Oberhalb des historischen Ortskern zieht sich die Weinlage Bernkasteler Doctor. Die hier kultivierten Rieslinge zählen zu den besten der Welt. Und der Bernkasteler Doctor ist wohl auch der teuerste Weinberg Deutschlands. Im Jahr 1900 erwarb der damalige Präsident des deutschen Weinbauverbands Julius Wegeler eine kleine Parzelle am Doktorberg und zahlte hundert Goldmark pro Rebstock (das wären heute wahrscheinlich so 800 Euro pro Pflanze).

Wandert man auf dem Moselsteig von Bernkastel Richtung Zeltingen-Rachtig, geht es zunächst am Rand des Bernkasteler Doktors ins Kallenfelsbachtal und dann weiter zum Aussichtspunkt Maria Zill. Von hier genießt man einen weiten Blick über das Moseltal und in die Mosel-Eifel am Kueser Moselbogen.

Wer Bernkastel im Ausnahmezustand erleben will, kommt zum Weinfest der Mittelmosel, eine fünftägige Veranstaltung rund um das erste Septemberwochenende. Während dieses Winzerfestes muss der Bürgermeister kurzzeitig abdanken und Mosella, die Orts-Weinkönigin von Bernkastel-Kues, regiert. Rund 200.000 Gäste kommen alljährlich zu diesem Spektakel in die 7.000-Einwohner-Stadt.