Römerkastell Saalburg

Auf halber Strecke zwischen Bad Homburg und Wehrheim befindet sich das Römerkastell Saalburg. Es ist auf dem gesamten, 550km langen Verlauf des Limes von Rheinbrohl im Rhein-Westerwald bis nach Eining in der Hallertau das einzige Römerkastell, das wieder aufgebaut wurde und heute anschaulich vermittelt, wie die Grenzsicherungsanlagen des Römischen Reichs gegenüber Germanien ausgesehen haben.

Zu verdanken ist der Aufbau des Römerkastells Saalburg zwei Personen: Zum einen dem Baurat Louis Jacobi aus Bad Homburg, der ab 1870 die Ausgrabungen an der Saalburg leitete und mit bescheidenen Mitteln, aber umso größeren Engagement die Saalburg auf die politische und wissenschaftliche Agenda setzte. Zum Zweiten Kaiser Wilhelm II. Als häufiger Kurgast in Bad Homburg nah am Geschehen, veranlasste er 1897 die Rekonstruktion des Saalburg-Kastells.

Die Ursprünge des Kastells Saalburg beginnen im Jahr 90 n.Chr. mit der Errichtung einer einfachen Holzbefestigung zur Stationierung einer 160köpfigen Hilfstruppe am Nordrand des Römischen Reichs. Etwa um das Jahr 135 wurde die Truppenstärke auf 500 Mann unter Waffen plus entsprechende Zivilkräfte ausgebaut und ein Bauwerk aus Stein errichtet, das in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts seine heute rekonstruierte Größe von 147m x 221m erreichte.

Mit dem Fall des Limes um das Jahr 260 n.Chr. scheint das Kastell Saalburg planmäßig geräumt worden zu sein. Danach diente es über Jahrhunderte als günstiger Steinbruch, bis von 1898-1907 der Wiederaufbau des Limes-Kastells erfolgte. Die heutigen Bauten stehen auf den alten römischen Grundmauern, entsprechen also genau dem Grundriss, der um 2. Jahrhundert angelegt wurde.

Durch das Haupttor, die Porta Praetoria, gelangt man ins Saalburg-Kastell. Rechter Hand liegt das Horreum. Es war der Getreidespeicher für das Kastell und beherbergt heute das Saalburgmuseum. Hier werden Funde gezeigt, die am Limes im Taunus gemacht worden sind. Z.B. Handwerksgeräte, Waffen, Tongeschirr und – besonders selten – auch Holz- und Ledergegenstände, die aus dem Saalburgbrunnen geborgen worden sind.

Gegenüber des Horreums liegt der Institutsbau, der die Wohnung des früheren Kohortenführer – das Praetorium – mit einschließt. Hier wird im Saalburg Foschungsinstitut zur Geschichte des Limes gearbeitet und eine große Fachbibliothek mit über 30.000 Büchern zur römischen Archäologie unterhalten. In der früheren Kommandatur – der Principa – ist die Direktion untergebracht.

Im Rahmen des Ausbaus der Saalburg zu einem Archäologischen Park wurden auch weitere Gebäude eingerichtet, u.a. ein neues Museumsgebäude, das den Werkstattgebäuden im Kastell Saalburg – den Fabricae – nach empfunden ist. Auch die Einrichtung eines kleinen Saalburg-Lehrpfads passt in das Konzept eines großen archäologischen Freilichtmuseums.

Vor dem Saalburg-Gelände liegen die ausgegrabenen Reste der zum Kastell gehörigen Siedlung, dem Vicus. Auch das ist einzigartig am gesamten Limesverlauf, konzentrieren sich doch sonst die Ausgrabungen nur auf die Wehranlagen. Im Vicus der Saalburg lebten rund 1.500 Personen. Daher war auch das Kastellbad sehr großzügig angelegt.

Der Vicus liegt im Süden der Saalburg, da nördlich des Kastells direkt der Limes auf seinem Weg vom Feldbergkastell zum Kastell Kapersburg verlief. Den Limes erreichte man durch die Porta Decumana, das rückwärtige Kastelltor. Hier ist ein Stück Limes nachgebaut worden, um die Kombination auf Pfahlgraben und Holzpalisade zu veranschaulichen.

Draußen am Parkplatz vor der Saalburg erinnert ein Gedenkstein noch an eine weitere historische Begebenheit. 1904 war die Saalburg Start- und Zielpunkt des Gordon-Bennett-Cups, dem – wenn man so will – ersten Formel-1-Rennen auf deutschem Boden. Auch hier hatte sich Kaiser Wilhelm II. aktiv eingeschaltet. Er kam aus Bad Homburg angereist und beobachtete das Rennen, das vier Mal hintereinander über 128km durch den Taunus führte. Sieger wurde übrigens Léon Théry, der mit einem Schnitt von fast 90km/h auf schlecht befestigten Straßen mit Höhenunterschieden über 400m brauste und dabei rund 1 Mio. Zuschauer beeindruckte.

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