Wehrheim

Wenn man beim Apfelblütenfest die Apfelblütenkönigin mit dem Apfelbaumbeauftragten Rosenapfelküchlein essen sieht, dann ist man im hessischen Taunus und zwar genau in Wehrheim, dem Apfeldorf im Usinger Land.

Die Bezeichnung Apfeldorf hat die Gemeinde Wehrheim ihrem hohen Anteil an Streuobstwiesen zu verdanken, mit Baumbeständen, die teilweise über hundert Jahre alt sind. Einer dieser Methusalems steht im Ortsteil Friedrichsthal. Die Früchte des mächtigen Apfelbaums sind gelb-rot, mittelgroß und duften wunderbar. Doch niemand kannte die Sortenbezeichnung, bis der Apfelbaumbeauftragte er herausfand: Es ist ein Dietzels Rosenapfel – eine echte Rarität.

Aber auch neben Äpfeln gibt’s in Wehrheim was zu sehen. Das Wahrzeichen der Stadt Wehrheim ist das aus dem Jahre 1778 stammende Untertor, das ehemalige Stadttor. Direkt angegliedert ist im Torwächterhaus das Wehrheimer Stadttormuseum, in dem auch Fundstücke aus der Bronzezeit ausgestellt werden. Ältestes Stück dürfte eine alte Urne der Bronzezeit sein, die auf über 3.000 Jahre geschätzt wird.

Im Ortskern selbst leuchtet das rote Rathaus. Ähnlich wie in Berlin verdankt das rote Rathaus seinen Namen den roten Backsteinen, aus denen es erbaut ist, und nicht etwa einer politischen Gesinnung. Es wurde 1859 errichtet und besitzt einen Turm mit Glocken, die noch immer zu besonderen Anlässen geläutet werden. Die eigentlichen Ämter werden jedoch nicht mehr im roten Rathaus ausgeübt, sondern in einem neuen moderneren Gebäude.

Die evangelische Kirche ist die etwas jüngere aber größere der beiden Wehrheimer Kirchen und stammt aus dem Jahre 1782. Sehenswertes Merkmal der Kirche ist die 2006 renovierte Orgel. Es handelt sich bei der Orgel um eine von nur noch drei bespielbaren Bürgy-Orgeln aus dem Jahre 1783. Der 2005 renovierte Innenraum ist barock gehalten. Die Glocken des Kirchturmes sind drei an der Zahl. Die älteste aus dem Jahre 1638 und die neuste aus dem Jahr 1951. Wissenswert ist noch, dass die geschnitzte Kreuzigungsgruppe aus der über 300 Jahre alten Lutherlinde des Ortes stammt, die wegen Straßenbaumaßnahmen in den 1950er Jahren gefällt wurde.

Die katholische St. Michael Kirche wurde bereits 1713 im Auftrag des Erzbischofs von Trier auf den Resten der Wehrheimer Burganlage erbaut. Die Kirche wartet mit überwiegend neubarocken Elementen auf. Neugotische Formen, wie die Fenster findet man jedoch durchaus auch. Die unterschiedlichen Stilelemente sind auf die mehrfach durchgeführten Umbauten der Kirche zurückzuführen. Ältester Bestandteil von 1694 ist das über dem Altar befindliche Kreuz; neben dem Altar steht das marmorne Taufbecken aus dem Jahr 1729.

Etwas abseits der Stadtkerns von Wehrheim liegt im kleinen Bizzenbachtal ein alter jüdischer Friedhof. Er wurde 1864 von der jüdischen Gemeinde errichtet. Der älteste noch lesbare Grabstein (Mazewa) stammt von 1874. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden zahlreiche Steine zerstört. Heute sind noch etwa ein Dutzend Grabsteine vorhanden.