Niederselters

Was am Rhein der Wein, ist im Goldenen Grund das Mineralwasser. Und da hat es insbesondere eine Quelle in Niederselters zu internationaler Bekanntheit gebracht. Nach ihr wurde ab dem 17. Jahrhundert das Selterswasser benannt, das in Tonkrügen aus dem Kannenbäckerland weltweit exportiert wurde. Und auch das international bekannte Kopfschmerzmittel Alka Seltzer verdankt seinen Namen dem kleinen Niederselters und seinem Quellwasser.

Der alte Ortskern von Niederselters liegt in einer Schleife des Emsbaches, der ihn von Osten kommend im Süden umrundet und in nordwestlicher Richtung wieder verlässt. Zahlreiche Brücken führen über ihn und auch die neoromanische katholische Pfarrkirche St. Christopherus von 1909 liegt direkt am Emsbach. Im Ort selbst steht auch noch die alte Kirche von 1717, die als Veranstaltungs- und Kulturzentrum dient.

Das prägnanteste Bauwerk in Niederselters ist sicherlich das klassizistische Rathaus der Gemeinde Selters von 1789. Es wurde ursprünglich als Kaserne für die kurtrierischen Truppen errichtet, die hier am äußersten östlichen Ende des Herrschaftsgebietes der Trierer Kurfürsten die einträgliche Selterswasserquelle zu beschützen hatten.

Die Heilkraft des Quellwassers aus Selters wurde bereits 1536 vom Wormser Stadtarzt Jakob Theodor Tabernaemontanus gerühmt. Schon deutlich vorher – im Jahr 722 – wurde die Selters-Quelle urkundlich erwähnt. Die wirtschaftliche Ausbeute des Mineralwassers startete im späten 17. Jahrhundert. Riesige Gewinne sprudelten ebenso wie die Quelle über Jahrhunderte in die jeweiligen Besitzer der Selters-Quelle.

Dann aber wie fast immer im Leben folgte der Abstieg: Die Einschränkungen der Ergiebigkeit nach dem Aufbrechen der Quelle im benachbarten Oberselters und vor allem mehrere Besitzerwechsel führten dazu, dass das ehemals als Königlich-Selters ausgezeichnete Wasser seit 1999 nicht mehr abgefüllt wird. Das heute noch verkaufte Markenprodukt Selters wird in Selters an der Lahn bei Löhnberg gewonnen. Dennoch kann man sich in Niederselters noch kostenfrei seinen Haustrunk am 1750 in Stein gefassten Börnchen am Emsbach abfüllen.

Vom früheren Kurbetrieb zeugt das im 17. Jahrhundert erbaute Hotel Zum doppelten Adler gegenüber der neuen Kirche. Heute ist es das Pfarrheim der katholischen Kirchengemeinde. Das Brunnenmädchen, ein Denkmal für die Arbeiterinnen der Mineralquelle erinnert an diese wechselvolle Geschichte der Selterser Mineralquelle.

Ca. 500 Meter von der Quelle am Waldrand Richtung Oberbrechen liegt die in der Region als Wallfahrtsstätte beliebte Mariengrotte. Folgt man dem befestigten Weg bergauf weiter, so kommt man auf einer Bergkuppe über dem engen kleinen Tal zum Naturdenkmal Werschbuche.

An der Werschbuche ging einst die berühmte hohe Straße auf einem Bergrücken von Süden kommend vorbei, die Frankfurt mit Köln, aber auch Wien mit den österreichischen Besitzungen in den Niederlanden, ja sogar Byzanz mit London verband. Bei Niederbrechen verlässt die hohe Straße dann die Höhen des Werschberges (250m), bevor sie nach Limburg weiterführt.