Niederbrechen

Niederbrechen liegt an der Einmündung des Wörsbachs in den Emsbach und bildet damit den Nordrand des Goldenen Grunds, einer landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft im zentralen Taunus. Zuvor bilden die beiden Täler von Wörsbach und Emsbach die natürlichen Grenzen des Goldenen Grunds, der ab Bad Camberg eine Verlängerung der Idsteiner Senke ausbildet.

Brechen wurde bereits 772 als Brachina erstmals erwähnt und erhielt später – 1363 – die Stadtrechte von Kaiser Karl IV. verliegen. Bestens erhalten ist der mächtige Gefangenenturm als letzter der sieben Türme der Stadtbefestigung, die von 1367-79 errichtet wurde.

Gleich mehrere Reste der alten Stadtmauer zeugen von der einstigen Bedeutung Niederbrechens als östlichem Vorposten des Kurfürstentums Trier. Von den drei Stadttoren sind die Standorte von Untertor und Langhecker Tor noch gut zu erkennen, ebenso die ehemaligen kleinen Torwächterhäuser, die sich an die Stadtmauer anlehnen.

Das alte Fachwerk-Rathaus aus dem Jahr 1700 in Niederbrechen war einst Zehnthaus und Sitz des Amtmannes und steht zwischen einigen anderen vorbildlich restaurierten und preisgekrönten Fachwerkbauten. In seinem Giebel blickt der sagenumwobene Rothesmann, eine barocke Schnitzerei im Fachwerk des Gebäudes, auf das Treiben im Ort.

Über dem Dorf thront die von 1899-1901 erbaute neugotische Pfarrkirche St. Maximin, die wegen ihrer Lage und Größe oft als Dom zum Goldenen Grund bezeichnet wird und die auf den Resten zahlreicher Vorgängerbauten steht. Im Innern ist vor allem die spätgotische Madonna im Goldenen Grund zu erwähnen.

Zur Kirchweihe am zweiten Oktoberwochenende steigt zu Ehren der Pfarrkirche die Niederbrechener Kirmes, die Tausende von Besuchern speziell durch den Rockabend am Freitag und den beliebten Montags-Frühschoppen anlockt.

Die Hänge östlich und westlich des Dorfes, die bis in die 1960er Jahre des 20. Jahrhunderts ausgedehnte Weinberge waren, sind heute Naturschutzgebiete. Von hier aus hat man herrliche Ausblicke auf die sanften Hügel des Goldenen Grundes und kann eine einzigartige Fauna mit Orchideen, wie der Bocksriemenzunge und einigen endemischen, also nur hier vorkommenden Arten entdecken.

Zwei heutzutage selten gewordene Hohlwege finden sich am nordwestlichen und östlichen Ortsrand von Niederbrechen: Im Verlauf der Dietkircher Straße, die der alten Poststraße von Wiesbaden nach Gießen folgt und auf dem Niederbrecher Holzweg, einem Seitenzweig der alten Heerstraße, der von der Bundesstraße 8 auf die Höhen ansteigt und Richtung Villmar verläuft.