Mühlhofe

Zwischen dem Ebbekamm und dem Bergkamm entlang der Kreisgrenze nach Olpe verläuft das Tal von Lister im Westen und Ihne im Osten. Und genau hier, am Oberlauf der Ihne, wo zahlreiche ihrer Zuflüsse sich vereinen, liegt der Meinerzhagener Ortsteil Mühlhofe. Östlich des Ortes erhebt sich die Nordhelle - aber aufgepasst. Dabei handelt es sich nicht um die bekannte Nordhelle, den höchsten Berg im Ebbegebirge mit seinen 663m ü. NN. Die Nordhelle bei Mühlhofe ist ein deutlich niedrigerer Gipfel mit nur 437m ü. NN Höhe, der zufällig den gleichen Namen trägt wie der große Bruder etwas weiter nordwestlich.

Der Namen Mühlhofe kommt nicht von ungefähr. Der Wasserreichtum des Ebbegebirges sorgte vor der Erfindung von Dampfmaschine oder elektrischen Antrieben dafür, dass zahlreiche Mühlen entstanden. Durch Wasserkraft angetrieben, lieferten sie die nötige Energie für allerlei Gewerbe, vom Mahlen von Getreide über den Antrieb von Schmiedehämmern bis zum Zerstampfen von Knochen.

Genau eine solche Knochenmühle ist in Mühlhofe zu sehen. Sie ist eine von nur noch wenigen erhaltenen Knochenmühlen in Westfalen. In Fretter und in Isingheim bei Eslohe stehen zwei weitere. Es ist belegt, dass in Mühlhofe schon 1548 eine Mühle stand, damals allerdings handelte es sich um eine Getreidemühle. 1837 wurde der Bruchsteinbau errichtet, der bis heute erhalten ist. 55 Jahre später kam das benachbarte Wohngebäude hinzu. Das Wasser für den Betrieb der Mühle lieferte die Ihne, deren Wasser zunächst im Mühlteich angestaut wurde, um anschließend das oberschlächtige Wasserrad anzutreiben.

Eine Knochenmühle ist genau das, was man darunter vermuten würde: eine Mühle, die Knochen zermahlt. Wobei man dabei eher von einem Zerstampfen als von einem Mahlvorgang sprechen sollte. Was sich zunächst ein wenig makaber anhört, hatte einen ganz praktischen Nutzen. Denn Knochenmehl ist ein organischer Dünger, der bis 1939 in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. Später wurden aus dem Knochenmehl auch Seife und Leim produziert. Die Knochenmühle in Mühlhofe steht seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges still. Nachdem sie zunächst langsam zerfiel, nahm man sich ihrer in den 1980er Jahren an, restaurierte sie und stellte sie unter Denkmalschutz. Heute ist sie prinzipiell wieder voll funktionstüchtig.

Direkt um die Ecke sozusagen liegt Haumche, ebenfalls ein aus nur wenigen Häusern bestehender Ortsteil von Meinerzhagen. Hier ist es ein Bodendenkmal, das sich als Ziel oder Zwischenstation einer Wanderung lohnt. Im Wald sind nämlich deutlich sichtbar die Spuren einer alten Handelsstraße, der sogenannten Heidenstraße. Als Hohlweg hat sich die Straße so nachdrücklich in den Boden gegraben, dass sie bis heute sichtbar ist. Es ist die alte Heidenstraße, die einst Köln und Leipzig verband.

Und wer schon im Wald unterwegs ist, kann auch gleich noch ein wenig urwüchsige Natur besuchen. Nur eine kurze Strecke nordwestlich von Haumche und Mühlhofe liegt Mittelhagen. Folgt man von dort aus dem Homberger Bach nördlich in Richtung Nordhelle (663m), erreicht man nahe dem Quellgebiet des Bachs die Naturwaldzelle Im Hirschbruch. Hier kann man deutlich sehen, wie die wassereichen Täler des Ebbegebirges einst alle ausgesehen haben mögen: Knorrige Birken, Farne und Moose, die in dem stets feuchten Terrain beste Bedingungen vorfinden. Über knapp 7ha erstreckt sich diese Naturwaldzelle.