Frettertal

Fretter ist nicht nur der Name eines Zuflusses der Lenne, sondern auch ein Ortsteil von Finnentrop, der an eben jenem Fretterbach liegt. Der Fretterbach entspringt bei Fehrenbracht und mündet nach 17km in Lenhausen in die Lenne. Südöstlich des Ortes Fretter ragen Emmert (442m) und Kautenberg (470m) hoch auf, noch überragt durch Primenekes Kopf (519m). Auf den bewaldeten Hängen dieser Berge lässt es sich hervorragend wandern. Unter anderem führt der Christine-Koch-Weg (markiert mit X18) durch Fretter hindurch und hinauf auf Primenekes Kopf.

Wie viele andere Bäche im Lennebergland auch hatte der Fretterbach viele Jahrhunderte lang einiges zu tun: Alle möglichen Arten von Wasserrädern wollten angetrieben sein. Zum Beispiel das hölzerne Wasserrad von Ruhrmanns Mühle. Genau genommen müsste man eigentlich von einer Stampfe sprechen, denn in der um 1900 errichteten Anlage wurde kein Korn gemahlen, sondern Knochen zerstampft.

Einmalig in Westfalen ist die Technik des Stampfwerks in Ruhrmanns Mühle. Es handelt sich dabei um eine gusseiserne Kalifornische Poche, die um 1860 entstand und ursprünglich in einem Hüttenwerk Dienst getan hatte. Dreißig bis vierzig Zentner Knochen zerkleinerte die Knochenmühle jeden Winter. Das Material fand anschließend in der Landwirtschaft als organischer Dünger Verwendung. Seit 1945 steht Ruhrmanns Mühle still, wurde aber in den 1980er Jahren restauriert und zählt heute zu den bedeutendsten technischen Kulturdenkmälern der Region.

Noch eine zweite Mühle am Fretterbach ist sehenswert, die alte Kornmühle im Finnentroper Ortsteil Frettermühle, die auch Jagemanns Mühle genannt wird. Vor über 600 Jahren wurde sie hier an der Fretter errichtet. Bis in die 1980er Jahre hinein stand sie noch im Dienst, seither wird hier kein Korn mehr gemahlen. Statt dessen erzeugt das Wasserrad heute Strom. Sollte allerdings jemals der Bedarf wieder da sein, ließe sie sich rasch wieder auf den Mahlbetrieb umstellen. Ach ja, und wenn man als müder Wanderer hier ankommt, kann man sich im Cafébetrieb der Mühle etwas erfrischen lassen.

Aber natürlich gibt es im Tal des Fretterbachs auch noch andere Sehenswürdigkeiten als nur Mühlen. Fledermäuse zum Beispiel. Oder genauer gesagt einen ehemaligen Eisenbahntunnel, der vielen Fledermäusen als Winterquartier dient. 1984 war die Eisenbahnstrecke durch das Frettertal stillgelegt worden, zu der der Fledermaustunnel gehörte. 2007 wurde feierlich der Sauerland-Radring eröffnet, der unter anderem diese ehemalige Bahntrasse für die Streckenführung nutzt, und dabei auch durch den 689m langen Tunnel verläuft. Nur in den Wintermonaten, wenn die Fledermäuse in der künstlichen Höhle Unterschlupf suchen, werden die Tore für menschliche Besucher geschlossen. Schließlich sollen die gefährdeten Tiere in Ruhe die kalte Zeit verschlafen können.

Der Name des bekanntesten Sohnes Fretters ist vermutlich nicht allzu vielen geläufig. Aber die Idee, die er von seinen ausgedehnten Reisen durch Europa mitbrachte, ist bis heute aktuell: der 1864 in Fretter geborene Gartenbaumeister Franz-Josef Börger gründete den ersten Pfadfinderstamm Deutschlands. Auch als auf Burg Altena die erste Jugendherberge der Welt eingerichtet wurde, war er beteiligt. 1953 starb Börger und fand seine letzte Ruhestätte in seinem Geburtsort Fretter.

Eine sagenumwobene Sehenswürdigkeit ist im Wald zu finden, nahe der Straße L 737 zwischen Fretter und Obervalbert. In der Nähe des Ortes Schöndelt liegt der Hexenstein. Er wird auch Predigt- oder Opferstein genannt, und sieht aus wie eine flache, runde Platte. Der Sage nach diente er einst als Kanzel für Predigten bei Gottesdiensten hier im Wald. Doch dann sollen es die Leute leid geworden sein, so weit zu laufen, und blieben lieber daheim.

Ein Bauer habe den Stein mitgenommen und nahe dem Stall auf seinen Hof gelegt, erzählt die Sage weiter. Das sei ihm allerdings nicht gut bekommen: All sein Vieh, das über den Stein lief, sei eingegangen und die Hufabdrücke der Tiere noch heute im Stein sichtbar. Nun, wer sich davon selbst überzeugen möchte, sollte den Hexenstein zum Etappenziel auf seiner nächsten Wanderung machen.