Lorchhausen

Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner
Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner

Lorchhausen liegt direkt am Rheinufer am Übergang vom hessischen Rheingau in den rheinland-pfälzischen Hintertaunus. Der Stadtteil von Lorch ist der westlichste und zugleich der tiefste Ort in ganz Hessen. Die milden Temperaturen und der mineralienreiche Boden machten Lorchhausen schon früh zu einem wichtigen Weinbauort.

1880 galt Lorchhausen neben Assmannshausen als das Rotweindorf im Rheingau. Heute wird auf 20ha Rebfläche vor allem Riesling kultiviert. Als nördliches Tor zum Rheingau beginnt in Lorchhausen die 1972 eröffnete Rheingauer Rieslingroute (für Autofahrer). Der 1976 eingeweihte Rheingauer Rieslingpfad (für Wanderer) führt auf seiner Schlussetappe von Assmannshausen und Lorch kommend hinüber ins rheinland-pfälzische Loreley-Burgen-Land.

Das charmante Weindorf Lorchhausen liegt zu Füßen der Pfarrkirche St. Bonifatius, die 1879 auf einem Felsen – dem so genannten Bischofsberg – im neugotischen Stil errichtet wurde. Die alte Kirche stand zuvor im Dorf, brannte aber 1872 ab. Übrig blieb nur der romanische Wehrturm, der auch Teil der mittelalterlichen Ortsbefestigung war.

Sehenswert ist auch die in den Weinbergen oberhalb Lorchhausens stehende Clemenskapelle aus dem Jahre 1909. Wer den Anstieg dorthin über den Kalvarienberg mit seinen Kreuzwegstationen unternimmt, wird mit einem schönen Blick über Lorchhausen und das Rheintal belohnt.

Lorchhausen ist ein beliebter Startpunkt für Wanderungen ins Naturschutzgebiet am Engweger Kopf (358m). Auch der Rheinsteig umrundet den Hügel, auf dem sehr seltene Pflanzen wie das Rheinische Brillenschötchen (Biscutella laevigata), die Japanische Trespe (Bromus japonicus), der Knollenkümmel (Bunium bulbocastanum) und der Schnabelsenf (Coincya monensis) heimisch sind. Baumfalke, Wendehals, Neuntöter und Schlingnattern wurden hier ebenfalls gesichtet. Das Rheintal-Zwergwidderchen (Aglaope infausta), eine Schmetterlingsart, kommt in Hessen nur hier vor.

Folgt man dem nur 3km langen Retzbach, der in Lorchhausen in den Rhein mündet, kommt man nicht nur am Engweger Kopf vorbei, sondern erreicht auch den Fuß der Silbergrube (422m), dem höchsten Berg im Wispertaunus.

Etwas östlich am Tiefenbach liegt die Ruine der Burg Waldeck, die vermutlich im 12. Jahrhundert als Mainzer Grenzfeste zur Sicherung des Rheingauer Gebücks gegenüber der Sauerburg errichtet wurde. Heute sind von der Burg Waldeck nur noch Mauerreste und ein Brunnen erhalten. Der Aufstieg vom Rheinhöhenweg auf den Burgberg ist durch Treppenstufen befestigt, so dass man die Reste der Anlage auf eigene Gefahr besichtigen kann.

Eine weitere Ruine – schon auf Lorcher Grund – liegt rheinaufwärts, die Ruine Nollig. Das rechteckige Gebäude stammt aus dem 14. Jahrhundert und war wohl eine Art Wachturm, der hoch auf dem Rücken des Nollig (331m) erbaut wurde. Bis heute ist umstritten, ob der Turm Teil der Stadtbefestigung von Lorch war. Das Gebäude ist in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden. Das Gelände rund um die Ruine Nollig gehört zu den Lebensräumen mit der höchsten Artenvielfalt am Rhein. Der Rheinsteig führt hinauf zur Ruine, die nicht mit dem Auto zu erreichen ist.