Wispertaunus

Gutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut WernerGutsausschank Rauenthaler Berg im Weingut Werner

Die Wisper ist ein 30km langer Zufluss des Rheins, die am Mappershainer Kopf (548m) auf der Kemeler Heide entspringt und in Lorch mündet. Historisch gesehen war die Wisper die nordwestliche Begrenzung des Rheingaus. Zu beiden Ufern standen daher Befestigungsanlagen, von denen heute nur noch Ruine zu sehen sind: Lauksburg, Kammerburg, Burg Rheinberg, Burg Waldeck, Ruine Nollig, Burg Haneck und bereits im rheinland-pfälzischen Hintertaunus gelegen die Sauerburg.

Die Ruinen sind stille Zeugen einer bewegten Vergangenheit, die ein letztes Mal im 20. Jahrhundert überregional von sich reden machte. Nach dem Ersten Weltkrieg besetzten 1919 die Alliierten das Rheinland. Nur ein kleiner, schmaler Streifen vom Rhein durchs Wispertal bis zum Aartal wurde übersehen. Es entstand der Freistaat Flaschenhals.

Regierungschef im Freistaat Flaschenhals war der Bürgermeister von Lorch, Edmund Pnischek. Er ließ eigenes Geld und eigene Briefmarken drucken, stellte seinen Bürgern – rund 17.000 an der Zahl – Pässe für den Freistaat Flaschenhals aus und hatte tatsächlich Pläne, in Berlin eine Botschaft einzurichten und diplomatische Beziehungen zu anderen Ländern aufzunehmen. 1923 setzten die Franzosen dem kleinen Freistaat im Wispertal ein Ende.

Neben Geschichte hat der Wispertaunus allerdings noch viel mehr zu bieten. Das Wispertal zählt als eines der schönsten Nebentäler des Rheins. Tief eingeschnitten in die Schieferhänge des Taunus bildet die untere Hälfte der Wisper ein kurvenreiches Tal, das von der Natur reich gesegnet wurde. Viele Orchideenarten und andere seltene Pflanzen sind hier heimisch. Zu den Standortbedingungen gehört auch der Wisperwind, eine besonders in den Morgenstunden aus dem Wispertal gegen das Rheintal gerichtete kalte Luftströmung.

Noch mehr als die Pflanzen lieben aber die Fische den Wispertaunus. Die Wisper ist ein nahezu unbelastetes Gewässersystem, das im Unterlauf durchgängig ist für Wanderfische. Deshalb fühlen sich hier Bach- und Meerforellen wohl und sind unter der Bezeichnung Wisperforelle ein kulinarischer Hochgenuss, der im gesamten Rheingau geschätzt wird. Seit 2003 sind in der Wisper auch wieder Lachse heimisch.

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