Kransberg (Usingen)

Kransberg liegt im Wiesbachtal, einem Nebental der Usa, rund 2km östlich von Usingen im Hochtaunus. Der malerische Ort ist Heimat zweier kulinarischer Spezialitäten: der Bratwust ohne Namen und der Kransberger Wuzz.

Die Bratwurst ohne Namen wird nach Thüringer Art hergestellt, darf sich aufgrund einer EU-Verordnung aber nicht mehr so nennen, weil Kransberg offensichtlich nicht in Thüringen liegt. Deshalb hat die beliebte Kransberger Bratwurst heute den sonderbaren „Wurst ohne Namen“-Namen. Bevor die Schweine für die Wurstherstellung verwendet werden, kann es jedoch sein, dass sie bereits vorher als Kransberger Wuzz im Ganzen für mehrere Stunden über herzhafter Buchenholzglut gegart wurden. Dem Hörensagen nach ein Hochgenuss.

Aber nicht nur kulinarisch, auch historisch ist Kransberg interessant. Von ganz frühen Besiedlungsspuren aus der Jungsteinzeit bis heute lassen sich steinerne Zeugen der Zeit finden. So gibt es auf dem Holzberg (280m) zwischen Kransberg, Friedrichsthal und Langenhain-Ziegenberg Reste einer alten Ringwallanlage aus dem Jahr 900 v.Chr. und innerhalb dieser Ringwälle die Marienkapelle.

Die Existenz einer Kapelle an diesem Ort wurde bereits 1218 erwähnt. Die heutige Marienkapelle besitzt einen kleinen Chorraum und einen abgeschlossenen Altarraum. Innerhalb dieses Raumes befindet sich gut sichtbar ein altes Gemälde von Maria und Johannes dem Täufer. Die Kapelle dient als Wallfahrtsort und ist ganzjährig geöffnet. Sie wurde 1978 renoviert.

Neben der Marienkapelle existieren noch drei weitere sehenswerte Gotteshäuser in Kransberg. Die größte Kirche ist die neugotische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer aus dem Jahre 1875. Sie ist ein monumentaler Steinbau und thront leicht erhöht über Kransberg. Innen befinden sich eine geschnitzte Kanzel vom 1609, die ebenso wie die Kommunionbänke aus dem Dom zu Limburg stammen. Im Altarstein, über dem sich der Hochaltar des Bildhauers Belz aus Schwanheim befindet, sind Reliquien der Heiligen Viktorianus und Fausta eingeschlossen.

Im Wald oberhalb von Schloss Kransberg liegt die hübsche Kreuzkapelle aus dem Jahr 1699, die als Privatkapelle des Grafen von Bassenheim gebaut wurde. An ihrer statt, stand zuvor ein Kreuz. Jedes Jahr im Mai wandern die Gläubigen aus der Umgebung zur Kapelle und halten einen Gottesdienst ab. Interessanterweise gehört die Kapelle nicht der Kirchengemeinde, sondern der öffentlichen Verwaltung.

Von der Kreuzkapelle führt eine kerzengerade Hainbuchenallee mit über 250 Jahre alten Bäumen zum Schloss und der dort befindlichen Schlosskapelle St. Nikolaus. Die Schlosskapelle stammt aus dem Jahre 1893 und geht auf einen Entwurf des Diözesanbaumeisters Maximilian Meckel zurück. Sie wurde als Gruftkapelle der Familie von Biegeleben, von 1874-1925 Eigentümer des Schlosses, gebaut und beherbergt u.a. die Gebeine des Grafen von Bassenheim und zweier im Kindbett gestorbener Amtsfrauen des ehemaligen Amtsmannes Haas.

Zur beschriebenen Schlosskapelle gehört natürlich auch ein Schloss. Schloss Kransberg wurde von Herman zu Kransberg, Graf zu Friedberg zwischen 1220-50 erbaut. Damals handelte es sich noch um eine Burg, die im 19. Jahrhundert durch den Darmstädter Baron Arnold von Biegeleben im neugotischen Stil zum heutigen Schloss umgebaut wurde. Von der ursprünglichen Burg sind heute nur noch Teile der Ringmauer und der Bergfried erhalten.

Das Schloss liegt auf einem Hügelkamm oberhalb des Ortes und hat eine bewegte Geschichte hinter sich. U.a. diente es in der Zeit des Nationalsozialismus als Teil des Führerhauptquartiers Adlerhorst zwischen Langenhain-Ziegenhorst und Butzbach-Wiesental sowie als Luftwaffenhauptquartier und Partyschloss von Feldmarschall Göring. Im Juni 1945 befreite ein amerikanischer Besatzungstrupp Schloss und Dorf Kransberg.

In der Nachkriegszeit waren in Schloss Kransberg illustre „Gäste“ inhaftiert, u.a. Hitlers Architekt und Reichsminister für Bewaffnung und Munition Albert Speer und Wernher von Braun, einer der Väter der bemannten Raumfahrt. Bis 1956 blieb das Schloss im Besitz der US Armee, dann ging es kurzzeitig an den Bundesnachrichtendienst und wieder zurück an die Amerikaner, bis es 1994 in Privatbesitz überführt wurde.

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