Friedewald (Westerwald)

Bereits im Jahr 1324 verlieh Kaiser Ludwig der Bayer dem Flecken Friedewald die gleichen Rechte wie der Reichsstadt Frankfurt am Main. Daran erinnert heute eine Denkmal, von dem man aus einen schönen Blick über das Daadenbachtal und zum Hohenseelbachskopf (504m) hat.

Mittelpunkt des Ortes ist das Schloss Friedewald, das 1580 am Ort der früheren Burg von Graf Heinrich IV. von Sayn errichtet worden ist. Heinrich hatte Friedewald zu seinem Alterssitz auserkoren und wollte eine repräsentative Bleibe, die er architektonisch stark an das Heidelberger Schloss anlehnen ließ.

Ab 1750 geriet das Schloss in Verfall und kam 1815 in das Eigentum Preußens. Das Schloss wurde Sitz des Königlichen Kreisgerichts, das Hohe Haus diente als Archiv und Gefängnis. 1886 kaufte dann Alexander Graf von Hachenburg die Ruine für fünf Taler von der preußischen Domänenverwaltung und baute es orginalgetreu wieder auf. 1912 musste er sein Lebenswerk aus Geldmangel jedoch an Prinz Otto zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg verkaufen, der dann weitere große Nebenbauten errichten ließ. 1954 wurde das Schloss Friedewald von der Evangelischen Sozialakademie als Tagungs- und Schulungsstätte angekauft. Sie ist die einzige Einrichtung dieser Art der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Der Schlosskomplex wird eingerahmt von einer 5ha großen Parkanlage im englischen Stil. Bei der Bepflanzung wurden überwiegend Bäume eingesetzt, die aus dem Ausland importiert wurden. Zu diesen Bäumen zählen neben amerikanischen Rotbuchen auch mehrere mittlerweile 120 Jahre alte Mammutbäume. Der Park nutzt die Höhenunterschiede des Geländes geschickt aus und bietet immer wieder überraschende Blickwinkel. In die Parkanlage ist ein Rosengarten integriert.

Der Schlosskomplex ist rechteckig angelegt. Der straßenseitig gelegene Ostflügel mit dem Zwiebelhaubenturm und der Südflügel stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Das Obergeschoss des Ostflügels und der gesamte Nordflügel wurden 1913-14 errichtet. Schützend spreizt heute noch der kaiserliche Doppeladler seine Schwingen über das Eingangstor von Schloss Friedewald. An den Gemäuern sind zahlreiche Detailarbeiten zu bewundern, die in die schweren Bastaltsteinen gehauen worden sind. Besondere Beispiele dafür sind das Herkules-Motiv (Herkules mit den Säulen und Herkules den Eber bändigend), die Wappen des Grafen Heinrich und seiner Gemahlin Jutta von Mallingkrodt, die Löwen- und Fratzengesichter und die Figuren in den Muschelnischen, die (von links nach rechts) die fünf Kardinaltugenden Weisheit, Gerechtigkeit, Wahrheit, Mäßigung und Stärke darstellen.

Seit 2006 wird das Schloss Friedewald vom gleichnamigen Schlosshotel betrieben und steht als Restaurant und Veranstaltungsort jedermann offen. Im Ortskern von Friedewald locken einige sehr gut erhaltene Fachwerkhäuser in direkter Nähe zum Schloss. An Schloss Friedewald führt der 2009 eröffnete Premiumwanderweg Druidensteig vorbei.

Auf dem Weg von Friedewald in Richtung Daaden erreicht man die Gemarkung Auf der Burg. Weil dem Grafen von Sayn dieser Platz so gefiel, wollte er, dass man ihn hier später bestatten solle und ließ eine Gruft errichten. Noch heute steht mitten im Wald ein eisernes Tor und ein weißer Engel, die Gruft jedoch blieb ungenutzt. Heute ist die Grafengruft ein beliebter Wegepunkt für die Wanderung rund um Friedewald.

Regionaler Bezug:

Daaden Landkreis Altenkirchen Rheinland-Pfalz Daadener Land Hoher Westerwald Westerwald
Vgwort