Stierstadt

Stierstadt ist ein Stadtteil von Oberursel und liegt südlich auf halbem Weg nach Steinbach. Auffällig ist in der Wohngemeinde der Kirchturm der katholischen St. Sebastian Kirche, der auf das Jahr 1348 datiert.

Der Turm war Teil einer Kapelle, die 1670 durch eine kleine Kirche ersetzt wurde. Diese baufällige Kirche wurde 1969 durch einen modernen Neubau neben dem denkmalgeschützten Turm ersetzt. Die neue St. Sebastian Kirche zeichnet sich durch ein expressionistisches Raumgefüge aus, der einen schönen Kontrapunkt zum mittelalterlichen Kirchturm darstellt.

Der St. Sebastian Kirche wird mit der Stierstädter Kerb am zweiten Wochenende im Juli gedacht. Speziell der Frühschoppen am Kirmesmontag erfreut sich überregionaler Beliebtheit. Seit 2002 gibt es in Stierstadt eine weitere gut besuchte Veranstaltung: den Stierstädter Grenzgang. Er führt auf eine Strecke von 15km entlang der Gemarkungsgrenze von Stierstadt hoch in den Taunus und entlang der Nachbarorte Steinbach, Oberhöchstadt, Bommersheim und Weißkirchen.

Apropos Weißkirchen: Hier gibt es direkt an der S-Bahn-Strecke einen schönen Wasserturm zu sehen. Er ist allerdings nicht zugänglich. Trotzdem hat sich der Wasserturm Weißkirchen den Status eines Wahrzeichens für der kleinsten Stadtteil von Oberursel verdient. Der Turm wurde von der Firma Georg Schütz errichtet und macht noch heute mit seinem Kupferdach einen imposanten Eindruck.

Noch einmal kurz zurück nach Stierstadt: Hier lebte und arbeitete von 1954-67 Victor Otto Stomps. In einem Fachwerkhaus am Bahndamm, dass er in Bezug auf seinen Kontostand liebevoll Schloss Sanssouris – Schloss ohne Mäuse – nannte, betrieb er den Kleinverlag Eremitenpresse. VauO Stomps gilt als einer der Originale des Literaturbetriebs im Nachkriegsdeutschland, dem die Kunst wichtiger war, als die Finanzen. Für seine eigenen Arbeiten erhielt der später Wahlberliner den Theodor-Fontane-Preis. Seit 1979 wird von der Mainzer Minipressen-Messe der Victor Otto Stomps-Preis verliehen, mit dem Qualität und persönliches Engagement im Bereich der Kleinverlagsszene honoriert wird.