Schloss Sinzig

Ein Schloss wie eine Burg, weniger verspielt, denn trutzig. Das Schloss Sinzig fußt auf Anfängen des Jahres 1337. Kaiser Ludwig der Bayer erlaubte den Bau einer Burg dem Markgrafen Wilhelm I. von Jülich. 1348 wurde mit dem Bau einer Wasserburg begonnen, die vier Ecktürme besaß und um 1569 ausgebaut wurde. Knapp hundert Jahre später war die Burg noch nicht wehrhaft genug und die Verteidigungsanlage wurde weiter ausgebaut, was aber gegen die Franzosen 1689 nichts genutzt hat, denn sie wurde in Brand gesteckt.

Aus der frühen Zeit blieben alte Befestigungsteile erhalten, wie ein Rundturm sowie ein Graben. Das heutige Schloss Sinzig geht auf die Bautätigkeiten des Ehepaares Gustav (wohlhabender Kölner Kaufmann) und Adele Bunge, geborene Andreae, zurück. Sie ließen Schloss Sinzig durch den damaligen Stararchitekten Ernst Friedrich Zwirner mit Turm und Treppengiebel neu erbauen. Zwirner – später Dombaumeister in Köln – zeichnete u.a. verantwortlich für den Mäuseturm in Bingen, Schloss Herdringen in Ansberg und die Apollinariskirche in Remagen.

Die Innenausmalung des Schlosses Sinzig übernahm der Bruder von Adele, der Historienmaler Karl Christian Andreae. Sehr schön sind etwa die Andreae-Ausmalungen im Turmzimmer, wo sich heute Menschen trauen lassen können.

Die repräsentative Sommervilla ging 1954 ins Eigentum der Stadt Sinzig über. Zwei Jahre später konnte das Heimatmuseum hier Einzug halten. Das Heimatmuseum Sinzig beherbergt Kunstsammlungen wie auch die stadtgeschichtliche Sammlung. Die Kunstsammlung berücksichtigt natürlich Werke von Andreae, wie beispielsweise Glasfensterentwürfe für Kirchen. Dazu finden sich zahlreiche Werke von Künstlern des Düsseldorfer Akademie aus dem 19. Jahrhundert in der Ausstellung, die der Stadt vererbt wurden. Grafiken aus der Zeit der Rheinromantik sind ebenfalls zu sehen. Zu den Raritäten zählt auch das Medizinbuch des Paracelsus aus dem Jahr 1530.

Die stadtgeschichtliche Sammlung bietet ein Modell einer Sinziger Stadtansicht aus dem 17. Jahrhundert. Das ist vielleicht ein guter Ausgangspunkt für einen historischen Rundgang. Natürlich sind auch die Fundstücke aus der Römerzeit zu sehen und es wird Heimatkunde betrieben.

Schloss Sinzig ist umgeben von einem schmucken Landschaftspark, den Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné um 1840 plante. Lenné war ebenfalls wie Architekt Zwirner einer der ganz Großen seiner Zeit: Lenné legte u.a. die Pfaueninsel und den Tiergarten in Berlin an, baute die Kuranlagen in Bad Neuenahr, den Botanischen Garten in Köln und den Kurpark in Bad Homburg.