Schloss Braunfels

Das sich seit 800 Jahren im Familienbesitz der Familie Solms befindende Schloss in Braunfels thront auf einem Berg und wirkt mit seinen vielen Zinnen und Verzierungen auf den Besucher wie ein Märchenschloss. Dabei hatte die ursprüngliche Anlage wirklich eine ernste Aufgabe zu übernehmen: Das 1246 erstmals erwähnte Castellum Bruninvels wurde als Verteidigungsburg gegen die Grafen von Nassau erbaut und wurde nach Zerstörung von Burg Solms der Stammsitz des Hauses Solms.

Burg Braunfels wurde in den Jahrhunderten nach und nach erweitert, bis 1679 ein Großbrand Braunfels und die Burg niederlegte. Nach einem schnellen Aufbau war es dann Fürst Ferdinand, der ab 1845 aus Burg Braunfels ein neugotisches Schloss Braunfels werden ließ. Es entstand eine Phantasieburg, die den verklärten Idealen des Mittelalters entsprechen sollte. Vorbild dieses Architekturstils war Burg Rheinstein im Binger Wald. Parallel zum Ausbau von Schloss Braunfels ließ Fürst Ferdinand die Dianaburg bei Greifenstein als Jagdschloss erbauen.

Um 1880 folgten durch Fürst Georg ein zweiter Bergfried, Zu- und Anbauten von Erkern und kleinen Türmen im Stil des Historismus. Fertig war die heterogene und dadurch sehr eindrücklich Silhouette, wie wir sie auch heute noch sehen mit Kernburg und dem Alten Stock (historischer Bergfried) aus dem 13. Jahrhundert, barocken Zubauten wie dem Ottonischen Bau und dem Marstall aus dem späten 17. und frühen 18. Jahrhundert sowie den netten zweiten Bergfried mit Flankentürmchen aus dem 19. Jahrhundert.

Im Schloss Braunfels kann man die früheren fürstlichen Räumlichkeiten besichtigen, die Mobiliar und Kunstsammlungen der Familie Solms zeigen. Im Zentrum der Rittersaal mit einer Sammlung von Waffen und Rüstungen. Älteste Gegenstände sind ein gotisches Schwert und ein Kettenhemd aus der Zeit der Kreuzzüge, bestehend aus 60.000 kleinen Ringen. Kunsthistorischer Höhepunkt der fürstlichen Räume ist das Flämische Zimmer mit Portraits und Genreszenen von Malern wie Adriaen van de Velde und Jan Miense Molenaer. Das Tischbeinzimmer ist nach der Malerfamilie benannt, die in mehreren Generationen im 18. Jahrhundert im Auftrag der Grafen von Solms arbeitete.

In den Altenberger Räumen werden Stücke aus dem 1803 säkularisierten Kloster Altenberg gezeigt. Der touristische Höhepunkt – wenngleich kunstgeschichtlich nicht abschließend belegt – ist ein Ring der heiligen Elisabeth von Thüringen, deren Tochter später Leiterin des Klosters Altenberg wurde. Das Gotische Zimmer enthält einen spätgotischen Altar und eine rheinische Madonna (um 1400). Von 1330 stammt der Altenberger Altar, ein Flügelaltar mit gotischem Maßwerk und die Skulptur einer Madonna mit Kind aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Das Familienmuseum im Langen Bau enthält weitere Waffen- und Kunstsammlungen, Münzen, Orden, Kleidungsstücke sowie eine Sammlung böhmischen Glases. Ein ungeklärter Fund ist ein Fruchtbarkeitsgott aus dem 3. Jahrtausend v. Chr., ausgegraben 1959 bei Kraftsolms, von einer Art, die üblicherweise in Kleinasien vorkommt. Zu den Antiquitäten im Familienbesitz gehört ferner eine Sammlung von Meißner Porzellan, eine Skulpturensammlung und Tafelsilber.

An der zum Lahntal ausgerichteten Seite von Schloss Braunfels befindet sich die Batterie, auf der vier bronzene Kanonen aus dem 16. Jahrhundert aufgestellt sind. Von der Terrasse reicht der Ausblick nach Südosten weit ins Land über die Altstadt von Braunfels hinaus.

In das Schlossareal eingebunden ist die 1501 im gotischen Stil errichtete Schlosskirche Braunfels. Hierzu wurde der älteste Zwinger unterhalb der Obersten Pforte überwölbt und die Kirche aufgesetzt. Im Inneren der Schlosskirche befindet sich an der Ostwand des rechten Seitenschiffes, die lebensgroße, prachtvoll gestaltete, farbige Grabplatte des Grafen Conrad zu Solms-Braunfels (1540–1592) mit seiner Gemahlin Elisabeth, geb. Gräfin zu Nassau-Dillenburg (1542–1603). Seit 2005 ist die Schlosskirche Braunfels die jüngste Simultankirche in Deutschland, in der abwechselnd katholische und evangelische Christen zum Gottesdienst laden.