Relikte der Ortsgeschichte - Eine Rundwanderung in Windeck


Erstellt von: Sokratekk
Streckenlänge: 14 km
Gehzeit o. Pause: 3 Std. 34 Min.
Höhenmeter ca. ↑366m  ↓366m
Kein Wegzeichen hinterlegt

"Wo die Sieg am schönsten ist!", lautet einer der vielzitierten Sätze, die die östliche Gemeinde des Rhein-Sieg-Kreises recht treffend beschreibt. Dieser Spruch muss schon vor vielen Jahrhunderen gegolten haben, da sich auf Schritt und Tritt immer wieder stumme Zeugen und Spuren von menschlichem Leben und Wirken finden lassen.

Der erste Teil dieser Rundwanderung wurde als Führung im Rahmen des "Archäologie und Erster Weltkrieg"-Programmes am 25.05.2014 durch das LVR Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland angeboten und führt an einigen interessanten historischen Stätten vorbei.

Aber auch der naturliebende Wanderfreund findet auf der 14 km langen Strecke immer wieder lohnenswerte Eindrücke von der ländlichen Idylle.

Ausgangspunkt und Ziel der Wanderung ist der Bahnhof Dattenfeld, der im Stunden-Takt mit der S-Bahn zu erreichen ist.

Hier treffen wir auf den ersten Wegweiser, dem wir entlang der Bahnlinie bis in das Elisental folgen.

Unter hohen Eschen und Buchen befinden sich hier in den Auen des Trimbaches die imposanten Ruinen einer ehemaligen Pulvermühle, die zur Zeit des ersten Weltkrieges betrieben wurde. Den eindrucksvollen Relikten wurde sogar ein eigener Erlebnisweg des Natursteig Sieg gewidmet.

Während der Produktion von Schwarzpulver für Artelleriegeschoße, kam es in diesem Tal auch zu verherenden Unfällen, bei denen mehrere Menschen ihre Leben verloren.

Ein gut ausgebauter Pfad führt durch die Wirkungsstätten der ehemaligen Arbeiter, Schautafeln erläutern alles wissenswerte zu den einzelnen Gebäuden.

Über den Waldweg geht es zurück ins Elisental, um dort entlang der nördlichen Bebauung in den schönen Ort Altwindeck zu gelangen.

Hier am Fuße der Burg Windeck, die weit sichtbar auf dem Berg trohnt, befindet sich auch das Heimatmuseum Windeck, welches zahlreiche Exponate aus früherer Zeit ausstellt.

Der Weg führt weiter in Richtung Schladern, wo wir eine, während des Baus der Eisenbahnlinie (1857/1958), in den Fels gesprengte Passage durchqueren. Diese Stelle wird als das "porta rhenania", das Tor zum Rheinland, bezeichnet.

Entlang der Bahnlinie begegnet uns linksseitig eine von größeren Teichen und Bächen durchzogene Sumpflandschaft, bei dem ews sich um einen Altarm der Sieg handelt, die vor dem Bau der Eisenbahnlinie hier ursprünglich verlief.

In Schladern folgen wir der Hauptstraße bis zu dem sehr schön hergerichteten Bahnhofsgebäude.

Hinter der Unterführung biegen wir rechts ab und folgen dem zukünftigen Verlauf des Natursteiges. Markierungen auf dem Boden weisen die ehemaligen Ufer der Sieg aus, die ursprünglich an dieser Stelle vorbeiführte.

Eine Stele weißt auf den Standort eines ehemaligen Gefangenenlagers aus dem Zweiten Weltkrieg hin, in dem viele hundert Menschen unter erbärmlichsten Verhältnissen einquartiert wurden.

Kurze Zeit später erreichen wir die Hallen des ehemaligen Elmores-Werkes, in dem Kupferrohre hergestellt wurden. Zu Beginn des ersten Weltkrieges wurde in diesen Hallen ein Reserve-Lazerett eingerichtet.

Ein Biergarten und ein Touristik-Zentrum läd zur Einkehr ein.

Kurze Zeit später kam man von einem Pavillon aus den größten Wasserfall in NRW beobachten. Dieser entstand ebenfalls zum Zeitpunkt des Baus der Köln - Gießener Eisenbahnlinie und der daraus resultierenden Umbettung der Sieg.

Nachdem wir den ´Höffers Teich´ umrundet haben, überqueren wir über eine Brücke die angestaute Sieg und biegen nach rechts ab.

Vor dem Tor der Villa steigen wir auf den steinernen Treppen an der Bruchsteinwand den Berg hinauf. Im oberen Drittel kommen wir an einem Bunker vorbei, der angeblich im Zweiten Weltkrieg zur Beobachtung von herannahenden Flugzeugen diente.

Am höchsten Punkt angekommen befindet sich ein Telegrafenmast, dessen Kabel mit den im Tal liegenden Fabrikgenbäude verbunden waren. Eine Stahlplatte deckt ein Wasserreservoir ab, bei dem es sich nach Angaben von Ortskundigen, um ein Pumpspeicherkraftwerk gehandelt haben soll.

Im Falle des Zusammenbruches der örtlichen Stromversorgung, konnte das hier gelagerte Wasser eine Turbine auf dem Weg ins Tal antreiben und so eine autarke Stromversorgung garantieren.

Viele Jahrhunderte vorher befand sich an dieser Stelle zudem eine sogenannte "Motte", wobei es sich um eine frühe Form einer Burg handelte. Die abgeflachte Stelle auf dem exponierten Bergsporn weißt noch auf den Standort hin.

Wir folgen dem Pfad und erreichen den Verbindungsweg zwischen Mauel und Dreisel, wo wir uns rechts halten.

Kurz vor Erreichen des geteerten Abschnittes wird der Nadelwald etwas lichter und gewährt einen Blick auf zwei imposante Plateaus im Berghang. Bei dem oberen soll es sich um einen Friedhof gehandelt haben.

Auf dem unteren, hügelartigen Plateau stand eins die sogenannte Margarethen-Burg. Viele Sagen ranken sich um diesen Ort. Angeblich sollen hier eins zwei Burgen gestanden habe, wobei die spätere aus den Trümmern der ersteren aufgebaut wurde.

Gesichert ist wohl, dass viele Steine bei der Renovierung der Wasserburg Mauel im benachbarten Dorf verwendet wurden. Auf dem Burghügel entdeckt man zwischen den Bruchsteinen den Abgang in ein Kellergewölbe, welches jedoch eingestürtzt ist.

Der Ort ist als Bodendenkmal der Gemeinde Windeck eingetragen.

Die Wanderung führt nun entlang eines schönen Feldweges, der entlang einer Siegschleife ins Tal verläuft.

Nach den Erreichen der ersten Häuser von Dreisel geht es schon bald über die Brücke, wonach wir dem Verlauf des Natursteiges Sieg auf den Kolbenberg folgen, was die Oberschenkelmuskeln noch ein letztes mal fordert.

Wir folgen dem Natursteig und überqueren die Landstraße um zu dem sogenannten "Breiten Feld" zu kommen. Im 13 Jahrhundert kam es hier auf diesen Wiesen zu einer Schlacht um die Einnahme der Burg Windeck, die der Sage nach so verheerend war, das die Krieger knöchelhoch in Blut standen.

Im weiterne Verlauf treffen wir auf eine Brücke über die Eisenbahntrasse. Circa 200 Meter in Blickrichtung zu unserem Ausgangspunkt, trennt die Bahnlinie zwei weitere Bodendenkmäler voneinander. Dabei handelte es sich um eine weitere Motte, die auf einem Erdhügel errichtet wurde und das sogenannte ´Haus Broich´, bei dem es sich um einen Rittersitz gehandelt haben soll. Alte Straßenbezeichnungen erinnern noch an diese Bauwerke.

Auf dem folgenden Feldweg erblicken wir geradeaus einen seltsamen Turm, bei dem es sich um die evangalische Kirche handelt.

Auf dem Rückweg zum Ausgangspunkt erblichen wir in südliche Richtung die beiden Spitzen des "Siegtaldomes", dessen Besonderheit eine darin ausgestellte Madonnenfigur ist.

Am Ausgangspunkt sind zahlreiche Parkplätze vorhanden.

Fazit: Ob Geschichtsforscher, Naturliebhaber oder Spaziergänger - hier dürfte für jeden etwas dabei sein...

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