Neuenrade

Nördlich der Lenne ganz im Südosten des Lenneberglands liegt das Gebiet der Stadt Neuenrade. Wie Menden und Balve auch kann sich Neuenrade mit Fug und Recht Hönnestadt nennen, denn: in Menden mündet die Hönne, durch Balve fließt sie hindurch, und bei Neuenrade entspringt sie. Der Große Attig (512m), genauer dessen Südflanke, ist der Ursprung der Hönne.

Die ersten Höfe und eine kleine Burg fanden sich in Neuenrade schon im 11. Jahrhundert. Die Bewohner bauten Erz ab und verarbeiteten es zu Roheisen und Kleineisenwaren, worauf der Rennofen bei Gut Berentrop hindeutet. Eine Siedlung mit dem Namen Rode ist seit 1220 bekannt. Die heutige Stadt wurde allerdings erst 1353 geplant und Nyenrade genannt - die Bewohner von Rode mussten zwangsweise in die planmäßig angelegte neue Stadt umziehen. Schon zwei Jahre später erhielt Neuenrade Stadtrechte und damit auch das Marktrecht. Der Handel mit Eisenwaren, später auch mit Tuch und dem hochwertigen Osemundeisen waren wichtige Pfeiler der Stadtentwicklung.

Allerdings wurde Neuenrade nie sehr groß und bedeutend, zu häufig brannte die Stadt in großen Feuerkatastrophen nieder. In einem Dokument von 1660 ist gar die Rede von einem Städtlein. Als Stadt hatte Neuenrade nicht nur Marktrechte, sondern auch eine eigene Gerichtsbarkeit. Daran erinnert heute noch die alte Gerichtslinde im Stadtpark am Wall. Sie ist schätzungsweise 900 Jahre alt und steht als Naturdenkmal unter Schutz.

Ebenfalls im Stadtpark zu finden ist ein Geschichtslehrpfad von rund 200m Länge, der auf 42 Bronzetafeln rund um den Park wichtige Daten der Geschichte verzeichnet. Stadtgeschichte, deutsche und Weltgeschichte hat man dabei gleichermaßen berücksichtigt, so dass man beim Spaziergang entlang der Tafeln die lokalen Ereignisse auch im größeren Zusammenhang verstehen lernt. Wichtige Stationen der Stadtgeschichte sind aber auch am Stadtbrunnen zu sehen, der 1990 aufgestellt wurde.

Eines der auffälligsten Gebäude in der Stadt ist die ehemalige Villa Herfeld, heute Villa am Wall genannt und mitten im Stadtpark gelegen. Die Villa entstand im Jahr 1903 im Jugendstil und war ursprünglich eine Unternehmervilla. Heute finden hier kulturelle Veranstaltungen statt.

In Neuenrade feiert man traditionell einen Tag vor dem Frühlingsbeginn, also am 19. März, das Gertrüdchenfest. Ursprünglich handelte es sich dabei um einen Bauernmarkt, da zu diesem Zeitpunkt das Wirtschaftsjahr in der Landwirtschaft beginnt, und sich die Landwirte mit Saatgut und Arbeitspferden versorgten. Heute ist das Gertrüdchen ein gut besuchter Rummel, der für viele Neuenrader zum beliebten Pflichtprogramm gehört.

Eine lokale Besonderheit ist der Buba-Bitter, ein Kräuterlikör, der in der Gertruden-Apotheke gebraut wird, und dessen Rezept streng geheim gehalten wird. Nur zum Gertrüdchenfest kann man ihn verkosten. Eine Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht, als der Apotheker Franz Vigelius ihn erstmals brannte und dafür 1835 eine Schankkonzession erhielt.