Mützenich (Monschau)

Er brauche seine Mütze nicht, habe Kaiser Karl gesagt, so eine Legende zum Ortsnamen. Die Worte fielen auf Kaiser Karls Bettstatt, so heißt ein steinerner Riese im alten Reichswald, nördlich von Mützenich am Eifelsteig. Karl der Große war ja bekanntlich auch groß im Sinne von lang. 2,04m soll er gewesen sein. Der Quarzitblock, wo der Kaiser gelegen haben soll, eine Mütze zur Nacht ablehnend, misst stolze 4,5m mal 2m.

Kaiser Karls Bettstatt liegt etwa 700m südwestlich des Gipfels des Stelings (658m), dem höchsten Berg in der Städteregion Aachen. Über den Gipfel verläuft die deutsch-belgische Grenze. Am Nordhang des Stelings entspringt der Ourthezufluss Weser, der nach 70km bei Lüttich mündert.

Am Steling bietet der Eifel-Blick Steling eine schöne Fernsicht bis zur Hohen Acht (747m) in der Hocheifel und bis nach Bonn und ins Siebengebirge. Gut sind die Wald- und Offenlandflächen der Dreiborner Hochfläche zu sehen, die ebenso wie das Waldgebiet Kermeter zu den Kernstücken des Nationalparks Eifel zählen. Nach Westen erstreckt sich das Hohe Venn.

Ein bisschen Venn gibt’s auch bei Mützenich, in Form des Mützenicher Venns, dem kleinen deutschen Teil des Brackvenns. Der Eifelsteig führt hierhin und zum 8m hohen Aussichtsturm Mützenich. Man kann auf einem markierten Weg auch ins Venn wandern und auf einem Bohlensteg direkte Moorerfahrung sammeln.

Mützenich ist durch die Vennbahn vom Rest der Republik abgeschnitten und daher eine deutsche Exklave. Obwohl die alte Bahntrasse nach und nach zu einem Radwanderweg wird, bleibt sie belgisches Hoheitsgebiet und man sieht mancherorts noch die Grenzsteine schräg im Waldboden stecken, die mit einem D oder B ansagen, was wo ist. Generell ist man bei Mützenich in einem Teil des Naturparks Hohes Venn-Eifel.

Die Grenze in Mützenich ist wahrlich geschichtsträchtig. Westwallreste werden beinahe schon erwartet, wenn man hier entlangwandert. Was etwas unerwartet kommt, ist das Kaffeeschmugglerdenkmal, enthüllt 2012. Der Mann mit dem großen Packen auf dem Rücken, 30kg Kaffee aus Belgien, ist auf dem Weg nach Deutschland über die grüne Grenze. Was noch nach Wandern aussieht, hatte 1945-53 Ausmaße angenommen, die etliche Zöllner und Beamte um den Schlaf brachten, selbst Tote hatte es gegeben und Prozessaktenberge, die 3.000 Blatt stark waren. In der Zeit von 1946-50 hatten die Hauptzollämter in Aachen-Stadt und Aachen Land 223.601kg Röstkaffee beschlagnahmt. Tonnenweise wurde die heiße Bohne über die Grenze getragen.

Es mag wie eine Räuberpistole klingen, was seinerzeit in der beschaulichen Eifel abging. Die Schmuggler trugen den Kaffee nicht nur in Strümpfen und Beinprothesen oder unter einem schlafenden Baby im Kinderwagen. Nein, warum kleckern, wenn man klotzen kann. Mit einem Panzerspähwagen war man besser ausgerüstet und die Zöllner hatten keine Möglichkeit, das Ding zu stoppen. Deren Fuhrpark wurde mit sogenannten Kehrwagen ausgerüstet. Was nach Bauhoffahrzeug klingt, waren die einzige je zu gelassenen Zoll-Porsche, ausgerüstet mit einem Stahlbesen vorne, der die von Schmugglern auf der Flucht gestreuten Nägel wegfegen konnte. Man muss an James Bond denken.

Die Kirche in Mützenich wurde 1847 gebaut und 1954 erweitert. Gegenüber der Kirche und dem Friedhof stehen zwei Schulgebäude wobei das ältere der beiden aus Fachwerk ist, im 19. Jahrhundert gebaut wurde und durch Mützenicher Engagement zum Dorfmuseum „Uraalt Scholl“ umgewidmet wurde. Das Museum ist allerdings nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet. Immer sichtbar sind auch in Mützenich die gepflegten Häuschen hinter den Hecken.

Mützenich könnte man auch, wenn man entsprechend drauf ist, per Oldtimertrecker erkunden, die man hier mieten kann. Man muss selbst fahren und kann noch 2 bis 3 Leute auf dem Knattergefährt mitnehmen. Tausende Besucher strömen jährlich zum Erntedankzug nach Mützenich, der mit etlichen Motivwagen am ersten Oktoberwochenende stattfindet.

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