Möhnesee

Westfälisches Meer ist der Beiname der Möhnetalsperre, kurz Möhnesee genannt. Und der Name ist auch ganz passend, immerhin ist der Möhnesee der flächenmäßig größte See in ganz Nordrhein-Westfalen. 1.037ha groß ist die Wasserfläche beim maximalen Füllstand des Möhnesees, das entspricht der Größe von mehr als 1.800 Fußballfeldern. Gebaut wurde die Möhnetalsperre vor allem, um den Pegelstand der Ruhr beeinflussen zu können, denn die Möhne ist einer ihrer wichtigsten Zuflüsse. Sowohl Niedrigwasserlagen als auch Hochwasser können damit ein Stück weit reguliert werden. Zusätzlich liefert ein Wasserkraftwerk sauberen Strom.

650m lang und 32,4m hoch ist die gewaltige Staumauer, die wie viele andere Staumauern im Sauerland nach den Prinzipien des Baumeisters Intze aus Bruchsteinen gemauert ist. Erste Pläne zu ihrem Bau gab es seit Anfang des 20. Jahrhunderts, und 1908-13 setzte man diese Pläne in die Tat um. Als die Talsperre im Jahr 1913 vollendet war, war sie die größte ihrer Art in ganz Europa.

134,5 Mio. Kubikmeter Wasser fasst der Möhnesee, der damit vom Volumen etwas kleiner ist als der Biggesee im Ebbegebirge. Falls es doch einmal mehr sein sollte, weil es ausgiebig regnet, dann hilft ein Überlaufschutz. Damit die Straße auf der Krone der Staumauer nicht von Hochwasser überspült wird, gibt es unterhalb der Fahrbahn 105 Auslässe, durch die das überschüssige Wasser abfließen kann. Ein seltenes Ereignis, das aber prachtvoll anzusehen ist.

Manch einem hier in der Region sind noch die Ereignisse aus dem Jahr 1943 im Gedächtnis. Während des Zweiten Weltkriegs bekam die Staumauer des Möhnesees einen Bombentreffer der Briten ab. Innerhalb weniger Stunden fluteten rund 110 Millionen Kubikmeter Wasser das Möhne- und das Ruhrtal. Durch Neheim schoss eine 12m hohe Flutwelle. Über 1.200 Menschen verloren ihr Leben, selbst in Essen-Steele – gut 90km entfernt – gab es noch ein Todesopfer zu beklagen. Eine Nachbildung des verhängnisvollen Rollbombe, die in der Operation Chastise zum Einsatz kam, kann heute im Inneren der Staumauer besichtigt werden. Im Arnsberger Stadtteil Neheim erinnert ein Denkmal an die Katastrophe.

Der Möhnesee bietet insgesamt rund 40km Ufer und teilt sich in fünf große Bereiche auf: Das Sperrmauer-Becken ganz im Westen, das Delecker Becken (zwischen Delecker Brücke und Fußgängerbrücke Körbecke), das Körbecker Becken (zwischen Fußgängerbrücke Körbecke und Stockumer Damm) und das Wameler Becken östlich des Stockumer Damms. Der südliche Finger des Möhnesees, der von der Heve gespeist wird, wird passenderweise Hevesee genannt.

Beliebt ist der Möhnesee bei Wanderern und Ausflüglern vor allem wegen seines hohen Freizeitwerts. Die Wassersportmöglichkeiten sind hervorragend, für Segelanfänger herrschen am Möhnesee ideale Windverhältnisse. Entsprechend gibt es zahlreiche Segelschulen am Ufer. Aber auch Surfer, Taucher oder Angler finden am Möhnesee ein passendes Plätzchen.

Wer lieber im Wasser planschen möchte, kann das an einer der Badestellen im Möhnesee tun. In Delecke und Wamel gibt es Strandbäder, bei Körbecke eine freie Badestelle. An verschiedenen Orten treiben schwimmende Badeinseln im Wasser, die sogenannten Donuts, und Tret- oder Ruderboote stehen an verschiedenen Stationen ebenfalls zum Verleih. Natürlich kann man sich auch über den Möhnesee schippern lassen. Die MS Möhnesee bietet Platz für 600 Passagiere. Ahoi!

Nahe der Staumauer des Möhnesees in Günne liegt das Landschaftsinformationszentrum Wasser und Wald Möhnesee, kurz LIZ. Wie man sich leicht denken kann, stehen hier die Themen Wasser und Wald im Mittelpunkt. Die Ausstellungen im Zentrum informieren über die Bedeutung des Möhnesees für die Natur, über die Naturschutzgebiete und den Arnsberger Wald als eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Deutschlands.

Wer wandert, hat meist auch Hunger. Deshalb sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Möhnesee für seine guten Zander bekannt ist. Zander aus dem Möhnesee gelten rund um das Westfälische Meer als kulinarische Spezialität. So wird er bei festlichen Anlässen beispielsweise in Kombination mit einem Wein auf Berglinsen gereicht. Viele Restaurants bieten ihn als Saisongericht auf der Speisekarte an.