Kurpark Bad Nauheim

Wer zur Kur fährt, der will sich erholen. Und wer sich erholen will, braucht frische Luft. Deshalb kommt ein Kurort nicht ohne Kurpark aus und der in Bad Nauheim gehört sicherlich zu den schönsten Parkanlagen der Wetterau. Angelegt wurde der historische Kurpark 1857 von Heinrich Siesmayer, der auch den Frankfurter Palmengarten und den Grüneburgpark, den Kurpark Bad Homburg und den Mannheimer Luisengarten verantwortete.

Der historische Kurpark im englischen Stil schließt sich westlich direkt an den Sprudelhof an. Südlich wird der Kurpark durch die Kolonnaden und das frühere Kerkhoff-, heute Max-Planck-Institut begrenzt, das in einem herrschaftlichen Gebäude von 1929 Forschung auf internationalem Niveau betreibt.

Am Kastanienrondell plätschert so auch zu Recht ein Brunnen, der den Namen „Baum der Erkenntnis“ trägt. Noch mehr Wasser gibt’s freilich, wenn man tiefer in den Kurpark hineingeht, denn an seinem oberen Ende lädt der Große Teich zu einer gepflegten Pause oder einer kleinen Bootstour über den See.

Mit seinem alten Baumbestand aus einheimischen und fremdländischen Gehölzen ist der Kurpark Bad Nauheim eine der attraktivsten Kurparkanlagen in Deutschland. Man findet hier botanische Seltenheiten wie Trompetenbäume, japanische Schnurbäume oder Tulpenbäume. Geschwungene Promenadenwege, die sich entlang dem Flüsschen Usa und den Teichen schlängeln, laden zum Spazieren und Erholen ein.

Geht man vom Großen Teich wieder südwärts entlang der Usa, passiert man den Minigolfplatz, hinter dem sich der Waitzsche Turm erhebt. Mit dem Windmühlenturm an der Langen Wand ist der Waitzsche Turm eine sogenannte Windkunst der ehemaligen Saline Nauheim, die beiden einzigen ihrer Art, die in Hessen jemals errichtet wurden. Der Waitzsche Turm ist 21m hoch und bereits seit 1824 nicht mehr in Betrieb. Heute steht er leer.

Folgt man der Usa jenseits des Kurparks, kommt man zu einer keltischen Saline, nahe der Synagoge, gelangt durch den Rosengarten – bitte Abstecher zur Stadtbücherei machen, ein hübsches Gründerzeitfachwerk-Ensemble – zur frühmittelalterlichen Saline bis in den Südpark mit dem Ludwigsbrunnen. Am Großen Rad erfährt der Wissensdurstige dann mehr zum Gradierprozess.

Fünf Gradierbauten sind in Bad Nauheim insgesamt zu bewundern, wenn man rechts der Usa seine Wanderung fortsetzt. Gradieren bedeutet, einen Stoff in einem Medium zu konzentrieren. Bei der Schwarzdorngradierung geschieht dies mit einem Holzgerüst, das mit Schwarzdorn verfüllt ist. Das salzhaltige Wasser wird durch das Schwarzdornreisig geleitet, das Wasser verdunstet, Verunreinigungen bleiben an den Dornen zurück und der Salzgehalt erhöht sich.

An den Gradierbauten befand sich oft ein Mühlturm, durch den das Wasser auf die Gerüste gepumpt wurde. Ein Wahrzeichen Bad Nauheims ist der Windmühlenturm an der Langen Wand, Gradierwerk IV. Da in der Nähe hat Elvis übrigens gern Fußball gespielt – warhscheinlich verdankt er seine große Stimme der guten Bad Nauheimer Luft, die er hier getankt hat. Einst maß der Windmühlenturm aus Taunusquarzit der Steinbrüche am Johannisberg 20,6m und besaß eine Segeltuchbespannung und eine Spannweite von 20m. 1824 raffte ein Orkan die Flügel dahin und der Turm wurde umgebaut.

Richtet man sich vom Windmühlenturm weiter ostwärts, kommt man zum Goldsteinpark, der zur Landesgartenschau 2010 aufgewertet wurde. Im Zentrum der Parkanlage steht das ehemalige Wasserwerk auf dem Goldstein. Das Wasserwerk wurde 1907 errichtet und dient heute als Aussichtsturm.

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