Sprudelhof Bad Nauheim

Der Sprudelhof ist nicht nur das Wahrzeichen von Bad Nauheim in der Wetterau, sondern zugleich eines der größten und gelungensten Jugendstil-Ensembles weltweit. Der Bad Nauheimer Sprudelhof entstand 1904-12 am Rande des Kurparks Bad Nauheim und bildet den architektonischen Mittelpunkt einer Achse, die vom Bahnhof hinauf zum Johannisberg führt.

Der kunstbegeisterte Großherzog von Hessen beauftragte Anfang des 20. Jahrhunderts seinen Regierungsbaumeister Wilhelm Jost mit dem Ausbau der Bad Nauheimer Kuranlagen, denn die alten Fachwerkbadehäuser entsprachen weder dem gewünschten Standard, noch reichten sie aus, um die zahlreichen Kurgäste aus In- und Ausland gebührend zu versorgen.

Es entstanden 265 Badezellen, um die Thermalsole mit ihrer natürlichen Wärme und frei gelösten Kohlensäure zu nutzen. Trotz des groß angelegten künstlerisch auf der Höhe der Zeit befindlichen Baus des Sprudelhofs, blieb der 1857-58 von Heinrich Siesmeyer angelegte Kurpark erhalten und Jost entwickelte für die Badeanlagen ein Pavillonsystem ähnlich des barocken Schlossbaus und er hatte zahlreiche Studienfreunde aus der Darmstädter Künstlerkolonie zur Hilfe. Die verschiedenen Badehäuser bezaubern, jedes mit seinen ganz eigenen Charme.

Dem Jugendstil eigen ist die natürliche Betrachtungsweise von organischen Formen. So finden in ihm wellige und fließende Linien oft Verwendung. Sehr passend für das Lebenselexier Wasser! Sehr charakteristisch von daher in Bad Nauheim, die zahlreichen Schmuckelemente, wie Nixen, Meerestiere, Nymphen, Wellen und Blubberblasen.

Der Sprudelhof ist ein axialsymmetrisch angelegter Gebäudekomplex, der nach Westen auf den Johannisberg orientiert ist. Die Kopfbauten sind gen Osten hin zum Bahnhof ausgerichtet und flankieren den Weg in den Kurpark. Die Gebäude werden von einem kleineren oberen und einem größeren unteren Hof eingerahmt. In der Anlage, als Wahrzeichen Bad Nauheims, der mächtige Trinkbrunnen, vom Bildhauer Heinrich Jobst entworfen.

Der Trinkbrunnen fasst die beiden Hauptquellen des Gesundheitsbades Bad Nauheim: der Große Sprudel, als Nauheimer Weihnachtswunder 1846 hervorgesprudelt, und der Friedrich-Wilhelm-Sprudel. Zu diesen gelangt man nur über Kegeltreppen und halbrunden Podesten. „Auf Gottes Geheiss aus der Tiefe geboren der Lebenden Leiden zu lindern erkoren“ - so die wohlmeinende Aufschrift am Brunnen.

Gleich daneben sprudelt die Ernst-Ludwig Quelle in einem Becken, das von acht Robben getragen wird. 1910-12 entstand die Trinkkuranlage südlich des Sprudelhofs, ebenfalls im Jugendstil. Ein achteckiger Ausschank mit goldener Kuppel erhebt die heilende Wirkung der Quellen zum königlichen Erlebnis.

Vgwort