Kloster Schönau (Strüth)

Schon anno 1803 wurde die Gegend um Strüth erwandert – wenn auch aus anderen Gründen als heute. Der nassauische Amtmann Vietor gehörte zu diesen Wandersleuten. Er zog damals in Amtsangelegenheiten zu Fuß durch die Gegend und schilderte seinen Vorgesetzten die Lage des Dorfes Strüth und des nahegelegenen Klosters folgendermaßen: „Das auf dem sogenannten Einrich gelegene Kloster Schönau hat eine angenehme Lage und ist drei Stunden von Rhein, zwei Stunden von Nastätten als der nächsten Poststation und drei Stunden von dem Kur- und Gesundheitsort Langenschwalbach, sodann drei Stunden von dem Amtssitz zu Miehlen entfernt.“

Kloster Schönau entstand im frühen 12. Jahrhundert. Noch heute strahlt das altehrwürdige Gebäude Ruhe aus und vermittelt dem Wanderer, dass seine Mauern viel zu erzählen haben. Das Klostergebäude besteht aus drei Flügeln und wurde mehrfach erweitert. Zur Anlage gehören die Klosterkirche St. Florin aus dem 15. Jahrhundert, ein Schwesternhaus, ein Brau- und Mühlhaus, verschiedene Wirtschaftsgebäude und Wohnbauten, zwei Pfortenhäuser, der Kirchhof und die Klostergärten. Die gesamte Klosteranlage steht heute unter Denkmalschutz und ist dem Bistum Limburg zugeordnet. Die Stiftskirche steht tagsüber für Besucher offen. Führungen sind nach Absprache möglich.

1126 wurde Kloster Schönau als Benediktinerabtei gegründet. Die Klosteranlage stiftete der Vogt von Lipporn, Graf Rupprecht von Laurenburg. Die Gründungsanlage wurde von 1126-45 im romanischen Stil errichtet, vermutlich mit einer dreischiffigen Basilika. 1340 war Kloster Schönau wirtschaftlich so stark, dass es der Stadt Frankfurt eine Unterstützung durch Bewaffnete und Wagen zukommen ließ. 1606 wurde das dem Männerkonvent angeschlossene Nonnenkloster aufgelöst. Durch einen Großbrand anno 1723 wurden Kloster und Stiftskirche fast vollständig vernichtet. Um den erhaltenen gotischen Kirchenchor herum wurde das Kloster in der heutigen Form wieder aufgebaut.

Im Zuge der Säkularisation wurde Kloster Schönau 1803 zum nassauischen Besitz; der Männerkonvent wurde nun ebenfalls aufgelöst. Ein Teil der Gebäude verkaufte man an Privatleute. Die Pfarrei Sankt Florin, die bis dato Teil des Klosters war, wurde dem Generalvikariat Limburg zugeordnet, das 1827 zum Bistum Limburg wurde. Heute ist in der Anlage eine öffentliche Pfarrbücherei, die Schönauer Bücherecke, untergebracht, ebenso wie das Eine-Welt-Haus Kloster Schönau im ehemaligen Wirtschaftsgebäude, das als Lern- und Begegnungsstätte für Gruppen dient. Dazu kommen eine Computer-Fortbildungseinrichtung und ein Internetcafé.

Die berühmteste Bewohnerin von Kloster Schönau war die Benediktinerin und Mystikerin Elisabeth von Schönau (1129-64). Elisabeth war eine Zeitgenossin und Freundin der Hildegard von Bingen. Aus ihren Visionen entstanden mehrere Bücher, unter anderem ein Offenbarungsbuch - das Buch der Gotteswege – und die Offenbarungen über die Kölner Jungfrauen der heiligen Ursula. Die Schädeldecke der heiligen Elisabeth von Schönau wird in wird in einem Reliquiar auf dem rechten Seitenaltar der Kirche aufbewahrt.

Der kleine Ort Strüth mit seinen ca. 310 Einwohnern liegt südlich von Nastätten im Rhein-Lahn-Kreis. Den südlichen Zipfel des Blauen Ländchens, in dem die Ortschaften Strüth, Lipporn und Welterod liegen, nennt man auch die Vogtei. Die Vogtei war schon in frühester Zeit besiedelt, wie mehrere Hügelgräber belegen. Die frühesten Besiedelungsspuren stammen aus dem Zeitraum 1800 bis 750 v. Chr. In einem Hünengrab sowie im Klostergarten Schönau wurden einige Schmuckstücke aus der Bronzezeit gefunden.